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Handaufzug vs. Automatik


Ob Uhr mit Automatikwerk oder Handaufzug ist vor allem eine Frage der Philosophie und wie sehr Sie Ihr Leben ritualisieren wollen. Beide Werke verbindet, dass sie eine ganz eigene Beziehung mit dem Träger bilden, die durch die elektronische Distanziertheit eines Quarzwerkes einfach nicht ersetzt werden kann. Mechanische Uhren haben ihre  eigenen Regeln und der Klang eines perfekt funktionierenden Werkes trägt seine eigene Harmonie. Auch schonen Sie die Umwelt, indem Sie auf Batterien verzichten, und können sich bei entsprechender Wartung oft jahrzehntelang auf eine mechanische Uhr verlassen. Trotzdem sollten Sie zuerst verstehen, wie die einzelnen Werke funktionieren und worin sie sich unterscheiden , bevor Sie sich für ein Modell entscheiden. 


Was ist ein Automatikwerk?


Vereinfacht zusammengefasst, übersetzt ein Automatikwerk die kinetische Energie, die Sie durch das Bewegen Ihres Armes erzeugen, in potentielle Energie, die die Zugfeder spannt und damit die Uhr antreibt. Eine Automatikuhr zieht sich also durch das Tragen selber auf, anstatt, dass sie täglich per Hand aufgezogen werden muss. Bewegen Sie Ihren Arm, versucht sich der kugelgelagerte Rotor innerhalb der Uhr an dem Erdmittelpunkt zu orientieren. Die dadurch entstehende Bewegungsenergie gibt eine Getriebekette an die Zugfeder weiter. Lange gab es eine Diskussion über die Art des Rotors, aber mit der Zeit hat sich der Zentralrotor durchgesetzt


Wenn Ihre Uhr einen Sichtboden hat, können Sie den halbkreisförmigen Rotor auch direkt bei der Arbeit beachten. Sie werden dabei sehen, dass sich der Rotor sehr schnell dreht, was bei direkter Übertragung die Feder stark abnutzen würde. Dies verhindert das Reduktionsgetriebe, dass die schnellen Bewegungen des Rotors mit niedrigen Drehmomenten in langsame Bewegungen mit hohen Drehmomenten verwandelt. Dies schützt dennoch die Feder nicht vor Überspannung, weswegen diese nicht direkt am Federhaus befestigt ist, sondern an einem Gleitzaum mit „Rutschkupplung“ hängt, die sie vor Verschleiß schützt


Nahaufnahme der Gehäuserückseite und des automatischen Uhrwerks 4810 503 einer Montblanc Meisterstück


Es gibt, wie Sie vielleicht vermuten, viele Feinheiten, die in die Wahl des Automatikwerkes einfließen, aber eine der Grunddiskussionen handelte über die Benutzung eines einseitigen- oder beidseitigen Aufzugs. Automatikuhren mit beidseitigen Aufzug verfügen über ein Wechselgetriebe, das die Rotorbewegungen gleichrichtet, was bedeutet, dass die Energie unabhängig von der Drehrichtung erzeugt wird. Die Art und Weise, wie diese Energie gleichgerichtet wird, ist dabei Inhalt von zahlreichen Patenten geworden, als immer mehr Unternehmen bessere Polarisierungsmechanismen entwickelten. Das berühmteste Werk mit einseitigem Aufzug ist das 1973 lancierte Valjoux 7750, das allen Zweiflern strotze und zeigte, dass sich auch ein einseitiger Aufzug in Sachen Leistung und Präzision mit einem beidseitigen Aufzug messen kann. 


Was bedeutet Handaufzug?


Der Handaufzug bezieht, wie der Name bereits sagt, seine Energie aus dem täglichen, manuellen Aufziehen und verfügt über keinen Rotor. Im Gegensatz zur Automatikuhr besitzt eine Handaufzugsuhr allerdings keine Rutschkupplung weswegen man beim Aufziehen ein wenig Fingerspitzengefühl vorgehen sollte. Sobald man einen leichten Widerstand spürt ist die Uhr vollständig aufgezogen und man sollte stoppen. Der interne Ablauf verläuft dabei folgendermaßen: Ziehen Sie die Uhr auf, wird die aufgebrachte Kraft zunächst ebenfalls in der Zugfeder gespeichert. Von dort wird sie durch das Räderwerk an das Hemmungsrad weitergeleitet. Der Anker verbindet das Hemmungsrad mit der schwingenden Unruhe an die, die nun durch die Hemmung dosierte Kraft weitergegeben wird. Die Unruhe ist die Zeitbasis der Uhr und gibt durch ihre Schwingung eine zeitlich definierte Bewegung über das Räderwerk weiter, wo es durch Minuten-, Kleinboden- und Sekundenrad in Minuten, Stunden und Sekunden übersetzt wird. Je höher die Schwingfrequenz, desto präziser arbeitet die Uhr. Dass die Uhr dennoch ein paar Sekunden nachgehen kann, liegt daran, dass mechanische Uhren sehr sensibel auf ihre Umgebung reagieren. Temperaturschwankungen können dazu führen, dass sich Feder und Unruhe ausdehnen und dadurch die Frequenz verändert wird. 

 

Das Zifferblatt einer Rado Uhr in Nahaufnahme


Vor- und Nachteile von Automatik und Handaufzug


Eine Uhr mit Handaufzug zu tragen, bedeutet, Rituale zu schätzen. Wenn Ihnen die Vorstellung, eine Uhr täglich aufzudrehen, eher als unpraktisch oder lästig erscheint, ist eine Uhr mit Handaufzug sehr wahrscheinlich nicht die beste Wahl für Sie. Optisch ermöglichte der fehlende Rotor es den Herstellern, immer flachere Handaufzugsuhren zu entwickeln, was eine gute Alternative für alle darstellt, die sich nicht mit den im Trend liegenden muskulösen Modellen anfreunden wollen. Dadurch, dass Uhren mit Handaufzug aus weniger Teilen bestehen, sind sie auch gleichzeitig weniger störanfällig und kostengünstiger


Handaufzug Automatik
+ für Liebhaber täglicher Rituale + automatisches Aufziehen durch Rotor
+ flacherer Aufbau für Vintage-Gefühl + technische Meisterleistung der Werke
+ weniger Teile = weniger störanfällig + halten bei entsprechender Wartung oft Jahrzehnte
+ weniger Teile = kostengünstiger + gebraucht bereits unter 1.000 € zu kaufen
- täglichses Aufziehen nötig - verliert Genauigkeit, wenn nicht regelmäßig getragen
- weniger Ganggenauigkeit als Automatik - weniger Ganggenauigkeit als Quarz
- weniger Gangreserve als Automatik - weniger Gangreserve als Quarz

Der Vorteil einer Automatikuhr liegt neben dem automatischen Aufziehen und der technischen Meisterleistung des Werkes vor allem darin, wie wartungsarm sie sind. Wenn Sie Ihre Uhr dementsprechend pflegen, kann sie für Jahrzehnte halten. Abzüge müssen Sie in Sachen Ganggenauigkeit und Gangreserve machen. Besonders im Vergleich zu Quarzwerken verlieren Automatikwerke schneller an Zeit, als ihre elektronische Konkurrenz. Allgemein gilt: Je öfter Sie Ihre Automatikuhr tragen, desto präziser arbeitet sie.