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Dunkelheit ist ein relativer Begriff geworden. Wir sprechen sogar eher von der hohen Lichtverschmutzung in unserer Umgebung.
Doch im letzten Jahrhundert sah die Realität anders aus und man benötigte Uhren, die auch unter schwierigen Licht- bzw. Sichtverhältnissen die Zeit signalisieren konnten. Seit dem frühen Zwanzigsten Jahrhundert haben die Vor- und Nachteile verschiedener chemischer Methoden die Art und Weise, wie Leuchtmasse auf Uhren genutzt werden kann, geprägt.

 

 

ROLEX DEEPSEA 116660

 

 

  • Von radioaktiven zu nachleuchtenden Leuchtmassen

 

Am Anfang dieser Entwicklung stand die Entdeckung der Radioaktivität durch Marie und Pierre Curie bzw. der Befund, dass Metallsalze (gereinigtes Uran) eine viel geringere Radioaktivität als Uranerz aufweisen.


Vom 1898 entdeckten Radium war bereits bekannt, dass es selbstleuchtende Eigenschaften besaß. Guido Panerai, ein italienischer Pionier im Optik- und Uhrenbereich, patentierte im Jahre 1914 als erster einen Leuchtstoff mit dem Namen “Radiomir”. Die Energie, die beim radioaktiven Zerfall von Radiumbromid entstand, wurde durch Zinksulfid angeregt und die fluoreszierende Substanz so zum Dauerleuchten gebracht. Da Radium eine Halbwertszeit von 1.622 Jahren hat, bedeutet dies einen relativ ewigen Leuchteffekt, der keiner “Aufladung” bedarf. Nachdem der Erste Weltkrieg schon der Armbanduhr zur Durchsetzung verhalf, sorgte er gleichfalls für eine hohe Nachfrage nach lichtunabhängigen Uhren, die für die präzisierten Abläufe des modernen Krieges genutzt werden konnten. Diese Erfindung bedeutete einen großen Erfolg für das Unternehmen Panerai und führt zur Benennung einer Uhren-Serie nach dem Leuchtstoff. Auch heute noch kann man eine Radiomir von Panerai erstehen. Allerdings ohne Radium.

 

PANERAI RADIOMIR MANUAL PAM00210

 


Für ihre Träger waren die Uhren außerdem relativ ungefährlich, da die Strahlung, die vom Radium ausgeht in der Luft bloß wenige Zentimeter beträgt und schon vom Uhrengehäuse abgefangen wird. Dies galt allerdings nicht für die ArbeiterInnen in den Werkstätten, die an der geöffneten Uhr arbeiteten und insbesondere mit der Leuchtmasse in Kontakt kamen.
Traurige Berühmtheit erlangten in dieser Hinsicht die Radium Girls, Arbeiterinnen, die durch das anfeuchten ihrer Pinsel, mit denen sie die Leuchtmasse auf die Zeiger und Ziffern aufbrachten, große Mengen Radium zu sich nahmen und Krebserkrankungen im Kiefer- und Rachenbereich zur Folge hatten. Da man sich der Schädlichkeit von radioaktiver Strahlung lange Zeit nicht bewusst war, wurde Radium anfangs außerdem noch zu kosmetischen und medizinischen Zwecken verwendet.

Daher wurde ab den sechziger Jahren ein neues Mittel verwendet, nämlich das Wasserstoff Isotop Tritium.
Tritium verfügt zwar auch über radioaktive Betastrahler, die allerdings viel geringer ausfallen als beim Radium. Bis in die neunziger Jahre war Tritium der Ersatz für radiumhaltige Leuchtmassen. Doch auch hier gab es immer noch kritische Stimmen, da weiterhin eine radioaktive Strahlung bestand. Eine Weiterentwicklung war das GTLS Tritium H3, mit Tritiumgas gefüllte Glasröhrchen, die die Durchlässigkeit von Tritium nochmal reduzierten. Ein wirklicher Paradigmenwechsel war die Entwicklung von Luminova und Superluminova durch ein japanisch-schweizerisches JointVenture zwischen Nemoto&Co. Ltd. und RC Tritec Ltd.

Dabei werden die Elektronen in den betreffenden Pigmente durch den Kontakt mit Kunst- oder Tageslicht auf ein höheres Energieniveau gehoben.
Je vollständiger die Anregung ausgeführt wird, umso heller ist anschließend das Leuchten.


Anders als Tritium, das eine Halbwertszeit von cicra 16 Jahren hat, ist dieser Effekt bei der Luminova bzw. SuperLuminova Beschichtung dauerhaft und nutzt sich nur unwesentlich ab. Da es sich allerdings um einen Auf- und Entladeprozess handelt, nimmt die Leuchtkraft mit der Zeit ab und muss dann wieder durch Licht aufgeladen werden.
Die Verwendung solcher Photolumineszenzen setzte sich schlussendlich auch wegen der strengen Bestimmungen zur Verwendung und Entsorgung von radioaktivem Material aus Kosten- und Sicherheitsgründen durch.  In den neunziger Jahren wurde der Gebrauch von Tritium in der Uhrenherstellung komplett eingestellt.

 

 

ROLEX SUBMARINER 116610 LN

 

 

  • In der Diskussion

 



Auch wenn mit der Entwicklung und Weiterentwicklung von Luminova ein Weg gefunden wurde, ungefährliche Leuchtmassen in Uhren zu verwenden, sind die Diskussionen über Vor- und Nachteile gegenüber Tritium-Uhren nicht abgerissen.
Die rasch nachlassende Helligkeit von Luminova Beschichtungen ist für viele Uhrenfreunde ein großer Kritikpunkt, dazu kommt noch die Anfälligkeit des Materials bei Feuchtigkeit. Zudem gibt es noch keine Messwerte, ob sich die Pigmente der Beschichtung mit der Zeit verändern.
Im Gegensatz dazu verfügt Tritium über eine lange Halbwertszeit, die ein beständig hohes Dauerleuchten über diese Zeit zusichert.
Dies ist einer der Gründe, warum Leuchtmassen aus Tritium vielseitig und nach wie vor vom Militär, Sicherheitsdiensten oder oder bei Outdoor-Aktivitäten bevorzugt werden. Wie bereits bei den Vintage-Zifferblättern von Rolex, wo das Radium oft ausblutete und markante Punkte auf dem Zifferblatt hinterließ, hatten auch Uhren aus der „Tritium-Ära“ einen besonderen Look. Das Ansetzen von Patina und der Farbwechsel der Indizes wurden hier als ein Schönheitsideal etabliert. Dieser Look wird auch heute noch von Sammlern geschätzt.

Mit der Entscheidung der großen Uhrenhersteller, keine Tritium-Uhren mehr herzustellen, bekommen Modelle aus dieser Zeit außerdem einen Seltenheitswert.