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Die 70er und 80er Jahre zählen zu den bewegtesten der gesamten Uhrenindustrie. Während das plötzliche Aufkommen der günstigen japanischen Quarzuhren den Schweizer Uhrenmarkt beinahe in die Knie zwang, zeigte sich die Gründung der Swatch Group, dem heute größten Uhrenkonzern der Welt, als bewährtes Gegenmittel. Denn nicht nur rein rechnerisch, sondern auch in der Öffentlichkeit konnte die Schweizer Uhrenwirtschaft dank der Swatch Group einen enormen Aufwärtstrend verzeichnen. Die Swatch Group war somit maßgeblich für die Rettung der Schweizer Uhrenindustrie verantwortlich.



Von der SSIH zum größten Uhrenkonzern


Um die Bedeutung der Swatch Group für die Schweizer Uhrenbranche und ihre heutige Ausrichtung zu verstehen, ist es hilfreich, die Gründungsmitglieder und ihre Entstehungsgeschichte zu kennen. Alles begann mit der Société Suisse pour l'Industrie Horlogère SA (SSIH) und der Allgemeinen Schweizerischen Uhrenindustrie AG (ASUAG).


Gemeinsam stark: Omega und Tissot werden zur SSIH

Die Société Suisse pour l'Industrie Horlogère SA (Firmenverbund Schweizer Uhrenhersteller, kurz SSIH) geht auf die Kollaboration von Tissot und Omega zurück. Tissot verlegte sein Hauptgeschäft schon früh nach Russland, bevor der russische Markt durch die Oktoberrevolution 1917 zusammenbrach. Man schaffte es, sich neu zu strukturieren, bis die weltweite Finanzkrise im Jahr 1929 schließlich den kompletten Uhrenmarkt zum Erliegen brachte. Omega und Tissot hatten zu dieser Zeit bereits einen Bund geschlossen, als Paul Tissot-Draguett, der bei Tissot sein Handwerk lernte, im Jahr 1930 leitender Geschäftsführer von Omega wurde.


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TISSOT SEASTAR 40506 | OMEGA SEAMASTER PLANET OCEAN 222.32.38.50.01.001


1930 schlossen sich die beiden Unternehmen zu einer Holding zusammen. Dies war die Geburtsstunde der SSIH. Das Resultat: ein breiteres Sortiment, eine Steigerung der Produktion sowie die Erhaltung beider Firmen. Omega konzentrierte sich dabei auf den Markt der Luxusuhren, während Tissot das mittlere Preissegment bediente. 1932 wurde auch der Uhren- und Uhrwerkefabrikant Lemania in die Holding aufgenommen. Die damit erworbenen Kenntnisse in der Fertigung von Werken und Komplikationen sollten Omega dabei helfen, seine Sportuhren weiterzuentwickeln, und ebneten den Weg für die Speedmaster Serie.


Entstehung eines Schweizer Uhrenkartells

Als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise gründete sich neben der SSIH im Jahr 1931 noch ein weiterer Konzern: Die Allgemeine Schweizer Uhrenindustrie AG (Société Générale de l'Industrie Horlogère Suisse SA), kurz ASUAG. Diese bestand aus den Produzenten der Rohwerke und anderer Uhrenbestandteile. In den 20er Jahren sahen sich diese Firmen nämlich mit einem ganz eigenen Problem konfrontiert: Die sogenannte Chablonnage sorgte für Aufregung. So wird der Export Schweizer Rohwerke und ihrer als Chablonnage bezeichneten Pläne und Schablonen für die Weiterverarbeitung im Ausland genannt. Um zu verhindern, dass andere Länder einfach von Schweizer Innovationen profitierten und diese kopierten, begannen sich die Produzenten der Uhrenindustrie als Kartell neu zu organisieren. Einzelne Manufakturen wurden in der Fédération Horlogère (FH) vereint, die Ébauches SA versammelte Rohwerkehersteller und unter der Union des Branches Annexes de l'Horlogerie (UBAH) führte man die Zulieferer anderer Uhrenkomponenten zusammen. Durch die Kartellbildung konnte die Chablonnage eingedämmt, aber dennoch nicht vollständig unterbunden werden. Aus diesem Grund wurde eine Intervention des Staates gefordert, welche 1931 durch finanzielle Bundeshilfe in der Gründung der ASUAG resultierte, die das Schweizer Uhrenkartell noch weiter stärkte. Noch im selben Jahr wurde die Ébauches SA in die ASUAG eingegliedert und so die Produktion der Rohwerke vollständig kontrolliert. Kurz darauf erklärte der Schweizer Staat die Ausfuhr von Rohwerken als bewilligungspflichtig. Dies begünstige die Eingliederung sämtlicher Produzenten von Werken und anderen Uhrenbestandteilen in die ASUAG. 1971 wurde die General Watch Co. gegründet, die als Holding für alle Uhrenmarken fungierte, die die ASUAG im Laufe der Jahre aufgekauft hatte. Dazu zählten unter anderem Certina, Endura, Eterna, Hamilton, Longines, Mido und Rado.


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Bewegte Zeiten: Die Gründung der Swatch Group

SSIH und ASUAG arbeiteten Hand in Hand und beschäftigten 1979 etwa die Hälfte der Personen in der Schweizer Uhrenindustrie. Während die ASUAG die Werke und andere Uhrenbestandteile herstellte, war die SSIH für den Vertrieb der Uhren zuständig. Dies hob die zuvor herrschende Konkurrenz der Kleinfirmen auf und ermöglichte den beiden Unternehmen ein konstantes Wachstum. Mit Aufkommen der Quarzuhren kam es in den 1970er Jahren jedoch zur Quarzkrise. Die Exportzahlen der Schweizer Unternehmen sanken erheblich und Stellen mussten infolgedessen abgebaut werden. Wie die gesamte restliche Schweizer Uhrenindustrie standen auch die beiden Superkonzerne 1980 vor dem Aus.

Nachdem die Banken von 1981 bis 83 erhebliche Summen in die SSIH und ASUAG investiert hatten, sich aber nicht in der Lage sahen, die Konzerne noch retten zu können, wandten sie sich für ein Gutachten an Nicolas G. Hayek. Dessen Beratungsfirma Hayek Engineering schlug unter anderem vor, die ASUAG und SSIH in einer Holding zu vereinen, um sie wieder profitabel zu machen. Dies wurde 1983 in die Tat umgesetzt und war die Geburtsstunde der SSIH-ASUAG, die 1986 in die Société de Microélectronique et d'Horlogerie SA (SMH) umbenannt wurde und seit 1998 den Namen The Swatch Group AG trägt.



Die Swatch: Eine Quarzuhr hilft aus der Krise


In der berühmten „Hayek Studie“ war auch die Rede von der Entwicklung einer preisgünstigen Second Watch, kurz s’watch, um den Unternehmen SSIH und ASUAG aus der Krise zu verhelfen. Die erste Kollektion von Swatch Uhren wurde schließlich 1983 in Zürich lanciert. Ihre Geschichte begann aber bereits 1979 bei ETA, wo man sich zu diesem Zeitpunkt schon mit der Entwicklung einer preiswerten Quarzuhr beschäftigte.

Die Swatch entstand aus der Kollaboration von Nicolas Hayek und Ernst Thomke und entwickelte sich schnell zu einem Bestseller: 1984 wurde das Verkaufsziel auf 2,5 Millionen Stück gesetzt, das man mit 3,7 Millionen verkauften Exemplaren sogar bei Weitem übertraf. Die günstige Quarzuhr, welche die Uhrenindustrie einst in die Knie zwang, war nun ihre Rettung. Bei der Swatch setzte man dabei auf eine vollkommen automatisierte Produktion und reduzierte die Bestandteile von 91 auf lediglich 51 Komponenten, was die Gewinnspanne enorm steigerte.

Nach dem Erfolg der Swatch richtete man seine Augen auf die anderen Marken, die bisher zwar logistisch reformiert wurden, aber noch immer an ihren alten Images festhielten. 1990 strukturierte Hayek den Vorstand um und holte alle Brand Manager der größeren Marken an Bord. Ziel war es, für jede Marke das passende Segment zu finden, sodass sie nicht mehr in Konkurrenz zueinander standen, sondern das Profil der Swatch Group stattdessen vergrößerten.


Der Weg zum Luxus

1992 übernahm die Swatch Group Blancpain, eine der ältesten Uhrenmarken der Welt, und gliederte somit ein prestigeträchtiges und traditionsreiches Unternehmen in die Gruppe ein. Blancpain blieb jedoch entgegen des Quarzuhren-Trends bei der Herstellung mechanischer Uhren. Unterdessen beschloss man, dass sich Omega dem Luxusmarkt zuwenden sollte, um direkt mit Rolex zu konkurrieren. Dafür griff man auf Ressourcen von Rado zu, das bisher für einen futuristischen Stil stand und sich besonders in China einen Namen gemacht hatte. Schon bald sollte Omega Rados Position auf dem chinesischen Markt einnehmen, während Rado und Longines als Einstiegsmarken umfunktioniert wurden, die erschwinglichen Luxus boten.


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In den folgenden Jahren übernahm die Swatch Group weitere Luxusuhrenmarken, um das eigene Profil zu stärken. So wurden auch Léon Hatot (1999), Breguet (1999), Glashütter Uhrentriebe (2000) und Jacquet-Droz (2000) Teil der Swatch Familie. Alle vier boten ausgezeichnetes Handwerk und eine traditionsreiche Geschichte, hatten bis dato aber noch nicht ihre eigene Nische im Uhrenmarkt gefunden. Mit dem Marketing Know-how der Swatch Group wurden die Unternehmen zu internationalen Größen. Dies ging Hand in Hand mit der Zentralisierung der Werkeproduktion innerhalb des Konzerns während der 2000er Jahre. Auch im Vertieb der Luxusurhren setzte die Swatch Group Ausrufezeichen. Der Konzern begann früh damit, eigene Boutiquen für seine großen Luxusmarken einzurichten. 2006 schloss man einen Vertrag mit Tourneau, um an exklusiven Standorten und in Luxuseinkaufshäusern Multimarken-Boutiquen mit dem Namen Tourbillon zu etablieren, in denen die Uhren der Swatch Group vertrieben werden.



Eine Erfolgsserie: Die Swatch Group heute


Während ihres Aufstiegs blieb Nicolas G. Hayek eine wichtige Stimme in der Swatch Group und führte seine Familie in das Unternehmen ein. 2003 trat Nicolas G. Hayek von seiner Position als CEO zurück, blieb aber Präsident des Vorstands. Sein Sohn Nick Hayek übernahm als CEO die Führung der Swatch Group. Sein Enkelsohn Mark A. Hayek wurde zum Marketing Manager und später CEO von Blancpain. Als Nicolas G. Hayek 2010 überraschend verstarb, übernahm seine Tochter Nayla Hayek die Rolle als Präsidentin des Vorstands. Das Wachstum der Swatch Gruppe konnte seitdem weiter beibehalten werden.


Blancpain Fifty Fathoms 5066F-1140-52B Herrenuhr aus Edelstahl mit blauem Textil-Armband
BLANCPAIN FIFTY FATHOMS 5066F-1140-52B


2019 fokussierte sich der Konzern auf die Ausweitung der Marktanteile in Japan und in den USA. Von Blancpain, die das Jahr 2018 mit einem Rekordumsatz beendeten, wird weiteres Wachstum erwartet, insbesondere durch das Modell Fifty Fathoms. Auch Omega, die das 50-jährige Jubiläum der Mondlandung feierten, konnte erfolgreich ausgewählte Sondermodelle lancieren. Als technische Innovationen wurde 2019 die Nivachron-Spiralfeder vorgestellt. Damit ist nun jede Uhr der Swatch Group entweder durch die Silizium- oder die neue Nivachron-Spiralfeder antimagnetisch. Somit schafft es die Swatch Group auch weiterhin, sich von der Konkurrenz abzuheben.

2020 wird in die Geschichte der Welt als Jahr der Coronakrise eingehen. Die Pandemie sorgt für Absagen von Veranstaltungen weltweit und auch die Uhrenbranche kämpft mit den Auswirkungen. So wurde neben der größten Schmuck- und Uhrenmesse, der Baselworld 2020, beispielsweise auch das Event der Swatch Group „Time To Move“ im März abgesagt. Doch dies hält die Swatch Group nicht vollständig davon ab, neue Uhren online vorzustellen. So erschien auf der Webseite der Swatch Group am 26. Februar 2020 die Swatch X 007 Tribute Collection als neuester Teil der James Bond Tribute Reihe, am 18. März 2020 die neue Hamilton PSR und am 07. April 2020 die neue Jaquet Droz Grande Seconde Skelet-One. Wann die Swatch Group die neuen Modelle von Luxusmarken wie Omega oder Breguet vorstellt, bleibt angesichts der aktuellen Lage allerdings abzuwarten.


Welche Marken gehören zur Swatch Group?


  • Balmain
  • Blancpain
  • Breguet
  • Calvin Klein
  • Certina
  • Flik Flak
  • Glashütte Original
  • Hamilton
  • Harry Winston
  • Jaquet Droz
  • Léon Hatot
  • Longines
  • Mido
  • Omega
  • Rado
  • Swatch
  • Tissot
  • Union Glashütte/SA.