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Er gilt als Ur-Großvater der modernen Armbanduhr und einer der größten Erfinder seiner Zeit: Abraham-Louis Breguet. Genie scheint zudem in den Genen zu liegen, denn Louis-François-Clement Breguet, sein Enkel und späterer Geschäftsführer von „Breguet et Fils“, wurde für sein Lebenswerk als einer von 72 Wissenschaftlern mit einer Gravur auf dem Eiffelturm geehrt. Welche Erfindungen jedoch auf den genialen Uhrmacher aus Neuchâtel zurückgehen, möchten wir in diesem Artikel klären. Lassen Sie uns daher einen Blick auf einige der wegweisenden Erfindungen Breguets werfen.



Abraham-Louis Breguet und seine Erfindungen


Der am 10. Januar 1747 im Schweizer Neuchâtel geborene Abraham-Louis Breguet erlernte nicht nur das Uhrmacherhandwerk in seinem Heimatort und im malerischen Versailles, sondern studierte zudem Mathematik in Paris. Mit 28 Jahren eröffnete er seine erste Werkstatt und schuf damit das Fundament für sein späteres Lebenswerk. Er entwickelte Uhren für Persönlichkeiten wie Marie Antoinette, Zar Nikolaus, Napoleon, den Herzog von Orleans und den König von England George IV. 1810 baute er die erste Armbanduhr der Welt für Caroline Bonaparte, Napoleons Schwester. Nicht ohne Grund gehört Breguet auch zu den einflussreichsten Uhrmachern aller Zeiten.


Breguet Heritage 5480BR/12/996 Uhr mit Roségold-Gehäuse und braunem Krokodillederarmband
BREGUET HERITAGE 5480BR/12/996


Breguets erster Meilenstein der Uhrengeschichte

Als erster von vielen Meilensteinen in der Laufbahn Breguets gilt fraglos die Erfindung und Konstruktion des ersten Uhrwerks mit automatischem Aufzug. 1780 erfand der damals 33-jährige Breguet das erste Kaliber mit Federn, die durch eine Schwungmasse aufgezogenen wurden. Die Idee dahinter war, eine Uhr zu schaffen, welche weder mit einem Schlüssel noch manuell von Hand aufgezogen werden muss. 

Diese im späteren Verlauf weitestgehend als „perpetuélle“ bekannte Uhr sollte den Startschuss für eine globale Revolution geben. Die Begeisterung für Uhren dieses Typs aus der Werkstatt Breguets stieg sogar bis in die Häuser verschiedenster Königsfamilien und trug so maßgeblich zum Bekanntheitsgrad der Manufaktur Breguet bei. Diese Art des Aufzugs wurde sogar derart beliebt, dass Breguet zwischen den Jahren 1787 und 1823 mindestens 60 Stück dieser Uhren gefertigt und verkauft haben soll. Aufgrund fehlender Aufzeichnungen aus den Jahren 1780 und 1787 wird angenommen, dass er in dieser Zeit noch weitere 20 bis 30 Exemplare fertigte.


Die Entwicklung der Breguet-Spirale

Stellen Sie sich einmal vor, wie sperrig Armbanduhren aussähen und wie lästig es wäre, wenn die Schwingungen der Unruh wie bei großen Standuhren durch ein Pendel erfolgen würden. Kaum vorstellbar, oder? Um dies zu umgehen, erfand der Niederländer Christiaan Huygens eine flache Spiralfeder, die die Schwingungen der Unruh aufgrund ihrer Elastizität auf eine weitaus praktikablere Art gewährleistete. Zwar tat diese Feder, was sie sollte, ließ aber noch den ein oder anderen Wunsch offen. 

Breguet verbesserte die Erfindung seines Kollegen durch das Erhöhen der letzten Federwindung und das Verringern der Krümmung. Das Ergebnis war eine äußerst effektive, konzentrische Spiralfeder, welche bis heute zu den wichtigsten Bestandteilen hochpräziser Uhren aller Hersteller zählt. Die Breguet-Spirale machte die Uhr enorm präzise und sorgte zusätzlich dafür, dass sich die Unruhwelle viel langsamer abnutzte. Damit die mit einer Breguet-Spirale versehenen Uhren auch unabhängig von Temperaturschwankungen präzise funktionierten, fügte Breguet einen ausgereiften bimetallischen Kompensationszaum hinzu.  


Uhrwerk einer Breguet Classique 5177BR/29/9V6 Uhr mit Breguet-Spirale
BREGUET CLASSIQUE 5177BR/29/9V6


Breguet und die erste Armbanduhr der Welt

Am 8. Juni 1810 erreichte Abraham-Louis Breguet an der Place Vendôme in Paris eine bis dato einmalige und äußerst ungewöhnliche Bestellung. Caroline Murat, geborene Bonaparte und Königin von Neapel, gab eine Uhr mit Repetierwerk am Armband für sagenhafte 5.000 Francs in Auftrag. 

Dieser neuen Herausforderung ging der ehrgeizige Uhrmacher, der sich inzwischen eines hervorragenden Rufes erfreute, nur allzu gerne nach. Zwar existieren zu den genauen Maßen und dem letztendlichen Aussehen der Uhr kaum Aufzeichnungen, jedoch finden sich im Manufakturverzeichnis von Breguet detaillierte Beschreibungen jeder einzelnen Herstellungsphase. Heute nimmt man an, dass es sich bei der ersten Armbanduhr der Welt um eine für damalige Verhältnisse äußerst flache Uhr in einem ovalen Gehäuse handelte, die mit dem gewünschten Repetierwerk und einem Armband aus Haar und Goldfäden versehen war. 

Leider neigen historische Gegenstände wie der Privatwagen von Ettore Bugatti oder eben auch die Uhr von Caroline Murat mit der Bezeichnung „No. 2639“ dazu, auf unerklärliche Art und Weise von der Bildfläche zu verschwinden und nie wieder aufzutauchen. Ob diese Uhr je wieder gefunden wird oder für immer verschollen bleibt, steht in den Sternen.


Das Tourbillon sorgt für Wirbel in der Uhrenbranche

Bereits neun Jahre vor der Entwicklung der ersten Armbanduhr erfand Breguet etwas, das die Vorstellungskraft vieler damaliger Wissenschaftler und Kollegen übersteigen sollte. Ein kleines mechanisches Konstrukt sollte in der Lage sein, die Gesetze der Schwerkraft gänzlich außer Kraft zu setzen. Das Patent für das sogenannte Tourbillon (deutsch: „Wirbelwind“) wurde Breguet am 26. Juni 1801 unter dem Namen „Régulateur à Tourbillon“ in Paris für zehn Jahre erteilt. 


Harry Winston Ocean Tourbillon Bigdate 400/MMTBD45R Uhr mit Roségold-Gehäuse und schwarzem Lederarmband
HARRY WINSTON OCEAN TOURBILLON BIGDATE 400/MMTBD45R


Mit dem Tourbillon konnten lageabhängige Gangabweichungen von den damals noch gängigen Taschenuhren ausgeglichen werden. Dafür montierte Breguet die gesamte Hemmung einer Uhr in einem kleinen, sich minütlich um die eigene Achse drehenden Käfig und erhöhte so die Präzision der Uhr auch in der Vertikalen oder Schräglage um ein Vielfaches – zumindest in der Theorie. Denn zum Zeitpunkt der Patentanmeldung war das hochkomplexe Tourbillon noch längst nicht ausgereift oder gar bereit, in den Verkauf zu gehen. Die beiden ersten Uhren mit Tourbillon verschenkte Breguet und erst vier Jahre später sollte die erste für den Verkauf bestimmte Uhr mit Tourbillon erscheinen. Diese Zeugnisse der Haute Horlogerie sind bis heute einzig und allein den Manufakturbetrieben vorbehalten, da Maschinen nicht in der Lage sind, solch mechanische Feinarbeiten präzise auszuführen. 



Die (wohlverdiente) Krone


Zwar sind die vorangegangenen Erfindungen allesamt wahre Glanzleistungen, doch setzt die nächste Erfindung den Uhren von Breguet wortwörtlich die Krone auf. Sieben Jahre nach dem Tod Breguets verkaufte sein Sohn Louis Antoine dem Grafen Charles de L’Espine die erste Uhr mit schlüssellosem Aufzugsystem

Dieses innovative System gilt fortan allgemein als die Geburtsstunde der bis heute an fast jeder Armbanduhr vorzufindenden Krone. Doch diente die am äußeren Rand des Gehäuses sitzende Vorrichtung nicht nur dem Handaufzug, sondern auch dem Einstellen der Uhrzeit. Auch diese Erfindung wurde nach Ablauf des Patents von allen Uhrmachern dieser Welt als Aufzugsystem übernommen und ist von unseren Armbanduhr kaum mehr wegzudenken.


Silbernes Zifferblatt mit gebläuten Breguet-Zeigern einer Breguet Marine 8400SA/12/X40 Uhr
BREGUET MARINE 8400SA/12/X40



Ein wahres Genie der Haute Horlogerie


Wer nun denkt, das dies alle Erfindungen aus dem Hause Breguet sind, der könnte nicht weiter daneben liegen. Folgende Entwicklungen sind ebenfalls der Firma Breguet zuzuschreiben: 

  • Chronograph: eine Möglichkeit der Zeitmessung durch eine integrierte Stoppuhrfunktion. Der Chronograph zählt heute zu den beliebtesten Uhrenarten der Welt.

  • Marinechronometer: präzises, nautisches Instrument, das Breguet vor allem für die französische Marine fertigte. 

  • Tonfeder: eine Möglichkeit der Klangerzeugung in Repetieruhren. Die Feder windet sich um das eigentliche Werk und sorgt so für eine deutlich geringere Aufbauhöhe.

  • Breguet-Zeiger: eine spezielle Zeigerform, bei der kurz vor der Spitze zwei halbmondförmige Sicheln einen Kreis formen. Häufig sind diese Zeiger zudem gebläut. 

  • Ewiger Kalender: die technische Meisterleistung, eine Armbanduhr für bis zu 500 Jahre tagtäglich das korrekte Datum inklusive Jahreszahl anzeigen zu lassen und dabei Rücksicht auf lange sowie kurze Monate und den 29. Februar zu nehmen.

  • Pare-chute-Stoßsicherung: konische Form der Unruhzapfen, welche in entsprechend geformten Schalen gelagert werden und die Uhr so deutlich wiederstandsfähiger machen. 

  • Zeitgleichung: die Differenz zwischen mittlerer Sonnenzeit und wahrer (ortsgebundener) Sonnenzeit, die aufgrund der elliptischen Umlaufbahn der Erde um die Sonne davon abweicht.

  • Magnetischer Schlagwerkregulator: innovatives System mit Magneten, das nach dem Wirbelstrom-Prinzip funktioniert. Nachteile herkömmlicher Reibungsregulatoren werden dabei überwunden.

  • Magnetisch gelagerter Unruhzapfen: Steigerung der Zuverlässigkeit und Ganggenauigkeit durch die Nutzung magnetischer Kräfte. 

  • Hemmungsrad und Anker aus Silizium: Verwendung von Silizium, da dieses Material antimagnetisch, leichter und härter als Stahl sowie verschleißfester und korrosionsbeständiger ist als eben solcher. 

  • Hochfrequenz: Erhöhung der Oszillatorfrequenz zur Steigerung der Ganggenauigkeit und Gangstabilität des Zeitmessers. 


In Anbetracht dessen können wir Abraham-Louis Breguet also in jeglicher Hinsicht danken, da inzwischen so gut wie jeder Hersteller von Zeitmessern gleich welcher Art auf die Erfindungen von Breguet zurückgreift. Die Entstehung der Armbanduhr wäre ohne ihn und seinen einzigartigen Pioniergeist wohl gänzlich anders verlaufen.