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Wenn man sich etwas eingehender mit Uhren und insbesondere den Uhrwerken in ihrem Inneren auseinandersetzt, begegnet man schnell den ETA-Werken. Viele dieser Werke werden in den Uhren der Unternehmen verbaut, die zur Swatch Group gehören, finden sich aber auch bei etlichen anderen Uhrenherstellern. Dabei bietet ETA eine breite Auswahl an Kalibern – von gewöhnlichen Uhrwerken bis hin zu exklusiven Kalibern für Luxusuhren mit Komplikationen. Hier erfahren Sie, wie die Erfolgsgeschichte des Schweizer Unternehmens ETA begann und was die Uhrwerke von ETA auszeichnet.



Die Entstehung der ETA Manufacture Horlogère Suisse


Die Geschichte der ETA SA Manufacture Horlogère Suisse ist in vielen Aspekten auch die Geschichte der Schweizer Uhrenindustrie. ETA selbst entstand aus der Partnerschaft zwischen Eterna und der Ébauches SA. Als Ebauche wird das Rohwerk einer Uhr bezeichnet, welches von den Uhrmachern ergänzt und ihren Ansprüchen entsprechend angepasst wird. Die Ébauches SA war eine 1927 gegründete Holding-Gesellschaft, die viele der kleineren Rohwerkehersteller wie Unitas oder Valjoux zusammenfasste. 1851 von Josef Girard und Anton Schild gegründet, wuchs Eterna schnell zu einer großen Uhrenmanufaktur und einem der größten Rohwerkeproduzenten, geriet 1929 im Zuge der Ausschreitungen der Weltwirtschaftskrise jedoch finanziell ins Schwanken. So kam es zur oben genannten Partnerschaft, die jedoch auch eine Spaltung von Eterna nach sich zog. Da die Ébauches SA, wie der Name bereits vermuten lässt, nur für Ebauche-Produzenten gedacht war, wurde die Uhrenmanufaktur Eterna als ETA SA ausgegliedert.

Wenn wir heute allerdings von der ETA SA sprechen, ist das Unternehmen gemeint, das 1985 mehrere Hersteller vereinte, die Rohwerke anfertigten. In den Jahren der Partnerschaft von Eterna und Ébauches SA hatte sich die Schweizer Uhrenindustrie durch die Quarzkrise radikal verändert und die ETA SA war offiziell Teil der Swatch Group geworden. Dies ermöglichte der Swatch Group, die ETA SA mit Monopolstellung zu führen. Da jedoch sowohl kleinere als auch größere Marken auch außerhalb der Swatch Group noch abhängig von den ETA-Werken waren, verpflichteten die Preisüberwacher des Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) die Swatch-Tochtergesellschaft ETA dazu, auch weiterhin Werke an Drittmarken zu verkaufen. Dies führte zu Spannungen innerhalb der Uhrenindustrie, da die Swatch Group nun direkt die Konkurrenz belieferte, ohne jedoch adäquat die Preise regulieren zu können. In Folge dessen konnte man einen klaren Aufschwung neuer Uhrenmarken erkennen, die von diesem Abkommen profitierten.

Das 2013 geschlossene Abkommen zwischen der Swatch Group und der Schweizer Wettbewerbskommision (Weko) lief Ende 2019 allerdings aus. Vereinbart wurde darin, dass sich die ETA zu Lieferungen verpflichte, die Stückzahlen aber stetig reduziere und ab Ende 2019 keinerlei Lieferverpflichtungen mehr nachkommen müsse. Mitte 2019 kündigte Swatch-Chef Nicolas Hayek bereits an, künftig keine Marken der Richemont Gruppe und der LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE beliefern zu wollen, aber weiterhin die Verantwortung für die Schweizer Uhrenindustrie wahrzunehmen. Dies bleibt ihm nun durch das Lieferverbot der ETA an Drittmarken vorerst verwehrt. Die Weko möchte auf diesem Weg kleinere Uhrwerkehersteller wie Sellita stärken und hofft, dass sich auch große Manufakturen wie Patek Philippe oder Rolex öffnen und in die Strukturen des Schweizer Uhrenmarkts investieren. Bei der Swatch Group stößt die Weko mit ihren aktuellen Maßnahmen jedoch auf Unverständnis.


Panerai Luminor PAM00104 mit Panerai Automatikwerk OP III auf Basis des ETA 7750
PANERAI LUMINOR MARINA PAM00104



Das Klassifikationssystem von ETA


Alle Werke von ETA werden in vier Stufen angeboten: Standard, Elaboré, Top und Chronomètre. Der Unterschied liegt in der Regulierung sowie der Qualität der Federn und der Stoßsicherung. Dies erklärt auch die Variationsbreite von ETA: Ein Kaliber kann in der Standardvariante einer Uhr verbaut werden, aber auch als zertifizierter Chronometer in einer Luxusuhr schlagen. In den Standardversionen werden beispielsweise die Unruhfedern von Nivarox verbaut, während die Premiumvarianten die temperaturausgleichende Feder von Anachron besitzen. Auch die Hauptfedern unterscheiden sich: Standard und Elaboré nehmen die Nivaflex NO, während Top und Chronomètre die Nivaflex NM erhalten. Der Unterschied liegt erneut in der Mischung der Metalle und Temperaturregulierung.



Die Mecaline Serien: Mechanische ETA-Uhrwerke


Neben batteriebetriebenen Quarzwerken von ETA, die in die fünf Serien Thermoline, Flatline, Normflatline, Trendline und Fashionline unterteilt sind, können die aktuellen mechanischen ETA-Kaliber drei Serien zugeordnet werden: den einfachen Mecaline Modellen, den Mecaline Chronographs und den Mecaline Specialties.

Die Einteilung erfolgt hier im Groben nach den Spezifikationen. Die elf Kaliber der gewöhnlichen Mecaline-Linie sind Basisvarianten mit Datums- und Tagesanzeige, während man sich mit sieben Werken gesondert auf Chronographen (Mecaline Chronographs) spezialisiert. Die Spezialkaliber (Mecaline Specialties) decken unter anderem auch ultra-flache Werke, ewige Kalender sowie weitere Komplikationen ab und finden Verwendung in hochwertigen Luxusuhren. Diese drei Serien beinhalten alle mechanische Werke, die ETA derzeit liefert, wobei die ältesten bis auf das Jahr 1971 zurückgehen und die neuesten aus dem Jahr 2000 stammen.


Bell and Ross BR03-94 Chronograph mit mechanischem BR-CAL. 301 Werk auf Basis des ETA 2894-2 Kalibers
BELL AND ROSS BR03-94 CHRONOGRAPH



Die bekanntesten Uhrwerke von ETA


Man erkennt hier bestens die Wertigkeit und Verlässlichkeit, die alle ETA-Kaliber auszeichnet und ihnen den Ruf als Ikonen einbrachte. Die berühmtesten dieser Werke haben wir darum für Sie noch einmal genauer unter die Lupe genommen.


Das Kaliber 6497

Geboren als Unitas-Taschenuhrwerk, hat das ETA 6497 auch heute noch eine beeindruckende Größe von 36,6 mm und eine Dicke von 4,5 mm. In seiner Standardversion ist das Kaliber 6497 in den Uhren von Glycine zu finden, während die edlere Variante auch bei Panerai verwendet wird. Die Historie des Werkes erklärt beispielsweise auch, warum viele Panerai Uhren über eine kleine Sekunde verfügen. Drehen Sie das Kaliber 6497 so, dass die Krone auf 12 Uhr zeigt, und Sie sehen die kleine Sekunde auf der für Taschenuhren typischen 6 Uhr Position. Das ETA 6497 wird heute als 6497-1 und 6497-2 verkauft, die beide per Handaufzug angetrieben werden. Das ETA 6497-1 bietet eine 46-Stunden-Gangreserve mit gemächlichen 18.000 Halbschwingungen pro Stunde. Das ETA 6479-2 ist hingegen mit einer um 10 cm längeren Hauptfeder ausgerüstet, die eine 53-Stunden-Gangreserve bei 21.600 bph erreicht.


Das Kaliber 2824

1961 lanciert, orientierte sich das Design vom Kaliber 2824 an dem des Eterna 1247. Damals waren Automatikwerke noch in ihrer Anfangsphase und das Kaliber 1247 führte nicht nur ein richtiges Oszillationsgewicht ein, sondern lagerte auch auf einem fünffachen Kugellager, um die Reibung zu vermindern. Dieser Ansatz war so revolutionär, dass Eterna das Kugellager symbolisch in Form von fünf Punkten in sein Logo integrierte. Auch das Kaliber 2824 übernimmt dieses Detail und verpackt es in einem 5 mm dicken und 25,6 mm breiten Werk. Es schlägt mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und besitzt eine Stoppsekunde. Besonders Marken wie Tudor, Hamilton und Rado setzen häufig auf die Robustheit und Präzision dieses Kalibers und seiner Neuauflage aus dem Jahr 1982, das Kaliber 2824-2. Seine Robustheit hat dem Uhrwerk auch den Spitznamen „Panzer“ eingebracht.


Breitling Colt Automatic A17380 Uhr mit Automatikwerk Breitling Kaliber 17 auf Basis des ETA 2824-2
BREITLING COLT AUTOMATIC A17380


Das Kaliber 2894-2

Seit 1996 ist das Kaliber 2894-2 fester Bestandteil von ETAs Angebot und Basis für die meisten Chronographenkaliber. Es besitzt eine kleine Sekunde auf 3 Uhr und ein Datum auf 4 Uhr. Es ist mit 28 mm etwas kleiner als das Kaliber 7750, kann aber im Gegensatz zum Valjoux 7750 nicht von einem herkömmlichen Uhrmacher, sondern nur in der ETA-Fabrik bearbeitet werden. Hierbei wird meistens direkt das ganze Kaliber ausgetauscht. Im Gegensatz zum 7750 ist das Kaliber 2894-2 kein integriertes Chronographenkaliber, sondern modular. Das bedeutet, dass die Chronographenfunktion ein eigenes Modul ist, das auf ein bereits existierendes Basiskaliber aufgesetzt wird.


Das Kaliber 7750

Fragen Sie einen Uhrmacher nach den bekanntesten Chronographenwerken, wird vermutlich auch schnell das ETA Valjoux 7750 zur Sprache kommen. Dessen Ursprünge gehen auf den Uhrwerk-Spezialisten Venus zurück, der in der Schweiz die ersten Chronographenwerke produzierte, die auch bis heute noch sehr gefragt sind. Die Werke waren allerdings sehr arbeitsintensiv in der Wartung, weswegen man sich durch kosteneffizientere Kaliber wie das Kaliber 188 finanzierte. Als Venus 1966 von Valjoux aufgekauft wurde, diente dieses Kaliber als Vorlage für das Valjoux 7730 – dem Vorgänger des Kaliber 7750.

Das Kaliber 7730 besaß noch einen Handaufzug, aber durch rechnerunterstütztes Konstruieren wurde Anfang der 70er Jahre das Valjoux 7750 als Automatikwerk entwickelt. Kurz nach seiner Geburt wurde es durch die Quarzkrise auch schon wieder zu Grabe getragen, bevor es 1985 seine Wiedergeburt feierte und fortan zahlreiche Modelle verschiedenster Luxusmarken antrieb, darunter die Breitling Chronomat und die IWC Da Vinci. Durch den Zusammenschluss von Valjoux und ETA ist das Werk auch unter dem Namen ETA 7750 bekannt und dient unter anderem Omega und TAG Heuer als Grundlage für die eigens entwickelten Kaliber.

Heute ist das ETA 7750 in zahlreichen Modifikationen und mit Komplikationen verfügbar. Das Kaliber 7751 zum Beispiel ergänzt den Chronographen um einen Kalender sowie eine Mondphasenanzeige und das ETA 7753 bietet die gewohnte Zifferblatt-Anordnung mit den Totalisatoren auf 3, 6 und 9 Uhr. Da das Werk zu schmal für einige Modelle war, lancierte ETA die großformatige Valgranges-Linie, die dieselben Komplikationen bietet, aber das Werk auf 36,6 mm ausdehnte. Die Qualitäten, die das ETA 7750 so beliebt machen, sind jedoch gleich geblieben: eine unerschütterliche Arbeitsmoral, robuste Verarbeitung und die hör- und spürbare Mechanik des sich frei drehenden Rotors.


Breitling Super Avenger II A1337111.BC29.168A Uhr mit Breitling Kaliber 13 auf Basis des ETA-Kalibers 7750
BREITLING SUPER AVENGER II A1337111.BC29.168A