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Der Name Gérald Genta weckt bei jedem Uhrenenthusiasten sofort Erinnerungen: Ob die Audemars Piguet Royal Oak, die Omega Constellation, die Patek Philippe Nautilus oder die Rolex King Midas – Genta arbeitete für alle großen Marken und war maßgeblich dafür verantwortlich, dass Uhrendesigner in der Industrie an Status und Aufmerksamkeit gewannen und selbst zu Stars wurden.



Wer war Gérald Genta?


Am 1. Mai 1931 als Sohn einer Schweizer Mutter und eines italienischen Vaters geboren, schloss Gérald Genta 1951 eine Lehre als Goldschmied und Juwelier ab. Bis zu seiner ersten Kollaboration mit einer Marke sollte es aber noch dauern. Damals war es noch nicht üblich, dass Uhrenmarken Designer direkt beschäftigten. Marken kommissionierten das Design hingegen von Zulieferern, die wiederum Designer anstellten, welche einzelne Teile oder ganze Modelle vorstellten, die man dann den Marken vorschlug.

Genta begann seine Karriere daher bei Universal Genève, eine der bekanntesten Schweizer Manufakturen, wo er bereits Designs für Audemars Piguet, Patek Philippe oder Omega entwarf, ohne dass man diese Entwürfe direkt mit seinem Namen assoziierte. Genta verdiente damals pro Design nur 15 Schweizer Franken, was zu einem hohen Output führte, den er sein ganzes Leben lang beibehielt: In einem Zeitraum von 50 Jahren designte Genta nach eigener Schätzung ca. 100.000 Uhren. Der Durchbruch gelang Genta 1954, als er eine antimagnetische Uhr entwarf, die zur offiziellen Uhr der skandinavischen Fluglinie SAS wurde.



Gentas Durchbruch und Stilbildung


Von Omega zu Audemars Piguet

1960 erhielt Genta dann seinen ersten exklusiven Auftrag für Omega. Entgegen der Annahme vieler schloss er diesen Vertrag allerdings nicht direkt mit Omega ab, sondern mit Omegas Zulieferern. Das Ergebnis aus dieser Kollaboration war die Omega Seamaster und die Omega Constellation, für die Genta verschiedene Gehäuse und Zifferblätter designte. Der Uhrenmarkt lebt von einer gewissen Demut, weswegen Genta immer das Produkt in den Fokus stellte und es nie über seinen eigenen Namen bewarb. Viele der Modelle, die Genta entwarf, wurden ihm deshalb erst später zugerechnet.

Gentas Stil ist dabei sowohl klassisch als auch konfrontierend. Er enthüllt, was bisher verdeckt blieb. Gentas Uhren haben harte Kanten und scheuen sich nicht, die Mechanik einer Uhr zu betonen. In seinen berühmtesten Designs stülpt er die Essenz einer Uhr nach außen. Es sind maskuline Uhren, denen man die Arbeit, die Technik und das Material, das in sie investiert wurde, stets ansieht. In keinen Modellen wird diese Philosophie deutlicher als in dem Triumvirat aus Edelstahluhren, das er in den 70ern produzierte: die Royal Oak, die Nautilus und die Ingenieur.



Ein Triumvirat der Luxusklasse


Die Royal Oak, die Nautilus und die Ingenieur

Durch die Quarzkrise wusste Georges Golay, damals Chef von Audemars Piguet, dass das Unternehmen etwas neues versuchen musste. Er hatte die Idee für etwas noch nie dagewesenes: eine Luxusuhr aus Edelstahl. Er rief am Nachmittag vor dem Beginn der Baselworld 1971 Gérald Genta zu sich und erklärte ihm, dass er für den italienischen Markt bis zum nächsten Morgen einen Entwurf für eine Luxusuhr aus Stahl benötigt. Genta hatte also nur eine Nacht und kam am nächsten Morgen mit dem Entwurf für das bis heute ikonische Design der Royal Oak zu Golay. Seine Idee war es, das Design der alten Taucheranzüge auf ein Gehäuse zu übertragen. Das Ergebnis war die Synthese vieler Ideen, die Genta schon in seinen früheren Designs durchspielte. Die Lünette ist in der Form eines Bullauges gehalten, was das nautische Element betont, aber als Oktagon geformt ist. Die Schrauben sind sichtbar und nicht mehr vom Gehäuse verhüllt. Das Armband ist harmonisch in das Gehäuse integriert, womit es auch symbolisch ein gleichwertiger Teil der Uhr wird und nicht mehr nur auf seine Funktion reduziert ist.


Patek Philippe Nautilus 5711/1A Edelstahl-Uhr mit blauem Zifferblatt
PATEK PHILIPPE NAUTILUS 5711/1A


Die Audemars Piguet Royal Oak war die erste Luxusuhr aus Edelstahl und löste damit einen Trend aus, der bis heute anhält. Doch dies wurde damals noch nicht sofort anerkannt. Wie bei so vielen Genies dauerte es, bis die Zeit mit Gentas berühmtesten Designs aufholte. Mit 38 mm war die Royal Oak damals zu groß und zu markant für einen Markt, der sich auf Modelle spezialisierte, die im Durchschnitt nur 34 mm maßen. Aber als der Trend in den 70er Jahren langsam zu größeren, markanteren Uhren wechselte, entdeckte man die Royal Oak wieder und erkannte Gentas Pionierrolle und die der Royal Oak an.

1976 war ein weiteres entscheidendes Jahr für Genta. Zuerst designte er die IWC Ingenieur. Viele der Charakteristika der Royal Oak finden sich auch bei der Ingenieur wieder. So sind die Schrauben immer noch sichtbar und das Armband bleibt ins Gehäuse integriert. Die rundliche, voluminöse Lünette ist jedoch nicht ganz so ikonisch wie das Oktagon der Royal Oak. Noch dazu ist die IWC Ingenieur dank des eingebauten faradayschen Käfigs antimagnetisch.

Im selben Jahr designte Genta auch die Nautilus für Patek Philippe. Genta sagte, dass ihm die Idee für die Nautilus gekommen sei, als er die Geschäftsleitung von Patek Philippe auf der Baselworld beim Essen beobachtet hätte. Mag diese Idee sehr willkürlich erscheinen, ist das Endergebnis alles andere als das. Die sichtbaren Schrauben der Royal Oak und der Ingenieur sind verschwunden und einer hochwertig satinierten Lünette gewichen. Die Form dieser ist dabei wie auch bei der Royal Oak und der Ingenieur an das Bullauge eines Schiffs angelehnt, aber in der Praxis etwas ovaler. Das markanteste Kennzeichen der Nautilus sind allerdings die zwei „Flügel“ auf der Seite des Gehäuses.



Selbstständigkeit und die Bvlgari Bvlgari


Kurz bevor Genta 1971 die Royal Oak designte, gründete er auch seine erste eigene Marke „Gerald Genta“, mit der er sich von einem Designer zu einem Produzenten entwickelte und selbst begann, Uhren zu kreieren. 1981 erschuf er zum Beispiel ein Automatikwerk mit Minutenrepetition, das in einem nur 2.7 mm dicken Gehäuse unterkam.

In den 80er Jahren designte Genta auch die Bvlgari Bvlgari. Für die Lünette ließ sich Genta von römischen Münzen inspirieren, bei denen das Gesicht des Kaisers von einem doppelten Schriftzug umrundet wurde. Auch das an einen Zylinder angelehnte Design des Gehäuses bezieht sich auf die Antike. Besonders die Säulen, die wichtiger Teil aller römischen Tempel waren, sollten hier repräsentiert werden. Bvlgari reagierte erst mit Skepsis auf Gentas Design, aber das Modell entwickelte sich schnell zu einem Verkaufsschlager.


Bvlgari Octo Finissimo BGO40C14TLXAUTO 102711 Uhr mit weißem Zifferblatt und schwarzem Lederarmband
BVLGARI OCTO FINISSIMO BGO40C14TLXAUTO 102711


1994 entwarf Genta für seine eigene Marke eine Grande Sonnerie – eine Uhr, die jede Stunde die Zeit anschlägt und jede Viertelstunde die Stunden sowie Viertelstunden wiederholt, ohne dass der Träger sie aufziehen muss – eine technische Meisterleistung. Genta verkaufte die Grande Sonnerie Retro, die bis dato komplizierteste Uhr der Welt, für eine Million US-Dollar.

Genta sah sich allerdings immer mehr als Künstler und weniger als Geschäftsführer. So verkaufte er 1998 seine Marke an eine asiatische Bank, bevor sie später von Bvlgari erworben wurde. Genta widmete sich daraufhin der Malerei, die schon immer seine wahre Liebe war und seine Uhren-Designs entsprechend beeinflusste. 2001 gründete Genta erneut seine eigene Marke, Gérald Charles, die er allerdings auch ein paar Jahre später wieder verkaufte.

Genta starb 2011 im Alter von 80 Jahren. Seine berühmtesten Modelle haben ihn allerdings überlebt und verzaubern ihre Träger auch heute noch. Vor Nachahmern hatte Genta dabei nie Angst – ganz im Gegenteil. „Wenn du nicht nachgeahmt wirst, bist du inkompetent“, amüsierte sich Genta einst in einem Interview. Und Inkompetenz ist sicherlich das Letzte, womit man die Design-Ikone Genta assoziieren würde.