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Ob Haute Couture, Haute Cuisine oder Haute Horlogerie – selbst weniger frankophile ahnen, dass wohl ein gewisses Maß an Grandeur, Kunstfertigkeit und Performanz mit diesen Begriffen verbunden wird. Wichtig ist auch, dass die oben genannten Begriffe erfunden wurden, um neue Tendenzen zu definieren, die sich von dem Gros des Mittelmaßes abheben. Der Begriff Haute Horlogerie – oder die „hohe Uhrmacherkunst“ – wurde zuerst in den 1970er Jahren verwendet, um die Schweizer Handarbeit von den preisgünstigen Quarzuhren aus Japan abzugrenzen.



„Swiss Made“ vs. Haute Horlogerie


Anders als bei Labeln wie Swiss Made, die eine ähnliche Qualität versprechen, schwingt bei der Haute Horlogerie darüber hinaus das Streben nach Eleganz und technischer Perfektion mit. Komplikationen und komplexe Verzierungen, wie z. B. Côtes de Genève, an den Werken sind oft ein Muss und setzen entsprechende Erfahrung und Expertise bei der Fertigung voraus. Die Regularien sind nicht so streng wie bei der Haute Couture, bei der gerichtlich festgelegt ist, welche Konditionen ein Unternehmen erfüllen muss, um mit diesem Begriff werben zu dürfen. Dennoch gibt es auch bei der Haute Horlogerie einige Bedingungen, die ein Unternehmen erfüllen muss.



Die Fondation de la Haute Horlogerie


Für die Förderung der Uhrmacherkunst und Qualitätssicherung wurde im Jahr 2005 die Fondation de la Haute Horlogerie gegründet. Die ursprünglichen drei Gründungsmitglieder Audemars Piguet, Girard-Perregaux und der Richemont-Gruppe sind inzwischen auf eine Gruppe von 28 Mitgliedern angewachsen, die sich für die Erhaltung der Haute Horlogerie einsetzen und gemeinsam Lösungen für Probleme der Uhrenbranche erarbeiten.

Zu den Qualitätsmerkmalen eines Unternehmens der Haute Horlogerie zählen die Aspekte Tradition und Authentizität, Ausbildung und technisches Know-How, Finissage sowie Komplikationen, die nachfolgend im Detail erläutert werden.


Tradition und Authentizität

Grundsätzlich wird zwischen zwei Fraktionen unterschieden: Auf der einen Seite stehen die historischen Maisons wie Patek Philippe, Vacheron Constantin oder Audemars Piguet, auf der anderen große Uhrenmarken wie Rolex, Omega oder Breitling, Luxusmarken wie Bvlgari oder Tiffany & Co sowie unabhängige Kunsthandwerker wie Alain Silberstein.


Audemars Piguet Royal Oak Uhr mit weißem ZifferblattAUDEMARS PIGUET ROYAL OAK


Bei Maisons spielt besonders eine fortlaufende Geschichte und die Weiterführung der Philosophie des Gründers eine wichtige Rolle. Bei allen anderen Akteuren wird Wert auf eine authentische, gut dokumentierte Geschichte gelegt, die spezifisch für die Marke ist. Auch gilt es, darauf zu achten, ob sich die Marke fortwährend für die Innovation der Uhrmacherkunst einsetzt. Zuletzt wird bei beiden auch ein Blick auf die eigene Vergangenheit geworfen: Wird die eigene Geschichte in Archiven oder durch eine Heritage-Kollektion verwaltet?


Finissage und Training

Wie bereits erwähnt, ist die Verzierung des Uhrwerks einer der wichtigsten Aspekte der Haute Horlogerie. In Fachkreisen spricht man dabei von der Finissage. Neben der Gravur gibt es darüber hinaus noch weitere besondere Techniken:
 

  • Manuelles Anglieren: Das Anglieren, Abkanten oder auch Abfasen ist die dekorative Kantenbehandlung der einzelnen Teile eines Uhrwerkes in einem 45-Grad-Winkel. Darüber hinaus verbessert das Anglieren auch die Funktion des Uhrwerkes.

  • Perlage oder Wölkchenschliff: Bei der Perlage handelt es sich um überlappende Kreisschliffe auf den Brücken und Platinen einer Uhr.
     
  • Côtes de Genève: Die „Genfer Streifen“ sind parallel verlaufende breite, gerade Streifen auf der Platine eines Uhrwerkes. Sie wurden in Deutschland unter anderem durch Glashütte und A. Lange & Söhne als „Glashütter Streifen“ bekannt.
     
  • Schwarzpolitur: Dies ist die anspruchsvollste und zeitintensivste Art der Finissierung. Sie wird meistens nur auf der Tourbillonbrücke verwendet. In einem bestimmten Lichtwinkel sieht die Fläche nach der Prozedur schwarz aus.

 

Diese Techniken sind sehr komplex und werden Uhrmachern oft persönlich beigebracht. Dieser spezielle Fokus auf die Ausbildung ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium für Marken, die sich der Haute Horlogerie zurechnen. Audemars Piguet bringt seinen Uhrmachern beispielsweise das Anglieren von Hand selbst bei.

 

Cartier Tank Francaise Uhr mit schwarzem HintergrundCARTIER TANK FRANÇAISE W51011Q3 2465



Da diese Verzierungen nicht von außen gesehen werden können, es sei denn eine Uhr hat ein Skelettzifferblatt oder Sichtboden, gibt es Qualitätssiegel für Luxusuhren wie das Poinçon de Genève (Genfer Punze), das die Hochwertigkeit des Uhrwerks garantiert und von Marken wie Cartier, Chopard oder Vacheron Constantin benutzt wird.


Komplikationen

Wenn man „Haute Horlogerie“ hört, denkt man natürlich unweigerlich auch an Komplikationen. Meistens sind die gängigen zeitnehmenden Komplikationen wie Chronographen und Chronometer bekannt. Darüber hinaus gibt es aber auch akustische Komplikationen wie Repetitionsuhren oder auch astronomische Komplikationen wie den ewigen Kalender.

Doch eine einzige Komplikation reicht meist nicht aus, damit sich eine Uhr für die Liga der Haute Horlogerie qualifizieren kann. Die Chancen steigen mit der Anzahl, weswegen viele Uhren oftmals über mehrere Komplikationen verfügen. Uhrenhersteller versehen solche Modelle oder ganze Serien gerne mit dem Zusatz Grande Complication. Ein Beispiel hierfür ist Patek Philippes Grand Complications Serie, die die Handwerkskunst der Marke unter Beweis stellt und anspruchsvolle Komplikationen miteinander kombiniert. Ein Beispiel dieser Serie ist die hoch komplexe Grand Complications (Ref. 5207P-001), welche ein Repetitionsschlagwerk mit einem ewigen Kalender und Tourbillon beinhaltet. 



Berühmte Vertreter der Haute Horlogerie


Jaeger-LeCoultre: Meister der Knappheit

Jaeger-LeCoultre hat sich unter den Marken einen Namen für seine ultraflachen Uhren gemacht, die eine ganz andere Herausforderung für Uhrmacher darstellen. Mit nur 10,7 mm „Dicke“ macht die Jaeger-LeCoultre Master Ultra Thin Tourbillon (Ref. 1322410) ihrem Namen alle Ehre. Obwohl die Uhr so dünn ist, hat Jaeger-LeCoultre dennoch den Platz für ein Tourbillon gefunden, das durch ein Skelettzifferblatt beobachtet werden kann. Das Tourbillon ist eines der komplexesten und praktischsten Komplikationen. Es gleicht die durch die Schwerkraft entstehenden Gangfehler aus, indem es sie gleichmäßig über die Drehebenen verteilt.


Vacheron Constantin: Zwei Zeitzonen im Blick

Vacheron Constantin lancierte seine Malte-Serie in 2000 als Aushängeschild für die eigenen Komplikationen. Ab 2008 fand ein stilistischer Wechsel statt und man begann sich mehr auf Tonneau-Gehäuse zu fokussieren. Das Ergebnis ist beispielsweise die Vacheron Constantin Malte Dual Time (Ref. 47400/000R-9101), mit der Sie zwei Zeiten gleichzeitig im Auge behalten können. Dazu gibt es noch eine Tages- und Nachtanzeige sowie eine Ganganzeige, die Sie daran erinnert, das Automatikwerk neu aufzudrehen.


A Lange & Söhne: Der Traum eines jeden Uhrensammlers

Wie bereits erwähnt, ist A. Lange & Söhne einer der deutschen Luxusuhren-Hersteller der Haute Horlogerie. Meisterwerk der sächsischen Maison ist die 1994 lancierte Lange 1, beispielsweise die Ref. 101.021. Das Design des Zifferblattes selbst ist legendär: Die asymmetrischen Totalisatoren und das große Datum werden durch eine geschickte, grazile horizontale und vertikale Linienführung aufgefangen, die die Proportionen des Zifferblattes ordnet und harmonisiert. Der wahre Hingucker ist allerdings der Sichtboden auf der Rückseite, der den Blick auf die golden schimmernde und mit Glashütter Streifen verzierte Dreiviertelplatine preisgibt. Das i-Tüpfelchen bildet die Gravur, die nicht nur ihren persönlichen Uhrmacher enthüllt, sondern auch unterstreicht, dass jede Uhr von A. Lange & Söhne in Handarbeit gefertigt wird.

 

A. Lange & Söhne Uhr mit braunem LederarmbandA. LANGE & SÖHNE LANGE 1