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Die 1833 gegründete Schweizer Uhrenmanufaktur Jaeger-LeCoultre hat sich über die Jahrhunderte hinweg einen exzellenten Ruf und den inoffiziellen Titel als „Uhrmacher der Uhrmacher“ erarbeitet. Dazu haben mit Sicherheit auch die über 1.200 eigens entwickelten Manufakturkaliber beigetragen. Da eine Auflistung der Uhrwerke vermutlich in einem mehrbändigen Manifest enden würde, beschränken uns an dieser Stelle nur auf ein paar der besten und faszinierendsten Werke aus der Grande Maison. Es folgen die legendärsten Kaliber von Jaeger-LeCoultre.



Der Beginn von etwas Großem


Die Fähigkeiten und nötige Expertise für das Bauen von Uhrwerken brachte sich der Gründer Antoine LeCoultre in Eigenregie bei. Mit dem sogenannten Millionometer gelang ihm 1844 die Entwicklung des erstes Messgerätes, das auf den tausendstel Millimeter genau war. Der Grundstein für die filigranen Uhrwerke der Manufaktur war damit gelegt. Bereits 1880 galt Jaeger-LeCoultre als der Spezialist für komplizierte Uhrwerke und beschäftigte nur wenige Jahre später bereits knapp 500 Leute. Der rasante Aufstieg der Manufaktur setzte sich fort und es folgte eine Reihe von Rekorden: 1903 konnte das Unternehmen die flachsten Uhrwerke der Welt bei einer mechanischen Uhr (1,38 mm), einem Chrongraphen (2,8 mm) und einer Repetieruhr (3,2 mm) präsentieren. Jahre später folgten zudem das flachste Damenuhrwerk (1946) und das flachste automatische Uhrwerk (1964) der Welt. Seien es das kleinste Quarzwerk der Welt oder die 2009 vorgestellte Hybris Mechanica à Grande Sonnerie und zu diesem Zeitpunkt komplizierteste Armbanduhr der Welt, die Erfolge der Manufaktur reißen nicht ab. Doch werfen wir nun endlich einen Blick ins Innere der Jaeger-LeCoultre Zeitmesser.



Die legendärsten Jaeger-LeCoultre Kaliber


Klein anfangen, groß rauskommen: Das Kaliber 101

Dass Jaeger-LeCoultre ein Unternehmen der Superlative ist, kann niemand leugnen. So stammt auch das bis dato kleinste mechanische Uhrwerk der Welt aus dem Hause JLC. Das Manufakturkaliber 101 misst gerade einmal 14 mm in der Länge, 4,8 mm in der Breite und 3,4 mm in der Höhe. Es ist kaum vorstellbar, aber das entspricht in etwa einer Größe von zwei bis maximal drei Streichholzköpfen. Die Geschichte dieses Uhrwerks geht auf die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen zurück, in denen vor allem Frauen besonders kleine Uhren bevorzugten. Man ging dem Wunsch der Kundschaft nach und fertigte 1929 eine Uhr mit dem besagten winzigen Uhrwerk mit Handaufzug nach der Vorlage eines zweilagig aufgebauten Duoplan-Baguettekalibers.

Die damaligen 101-Handaufzugskaliber von Jaeger-LeCoultre sind zwar etwas größer als die heutigen, jedoch immer noch beeindruckend klein. Das Kaliber 101/4, die aktuellste Version des Uhrwerks, besteht aus 98 Einzelteilen, welche nur von den begabtesten und fähigsten Uhrmachern der Welt zusammengesetzt werden können. Die Krone befindet sich übrigens auf dem Gehäuseboden der Uhr, um die klare Linienführung des Gehäuses nicht zu unterbrechen. Zudem schwingt im Herzen des 101 eine Spiralfeder ganze 21.600 Mal pro Stunde. Aufgrund der fragilen und komplizierten Konstruktion des 101-Uhrwerks ist die gleichnamige Uhr auch das einzige Modell von Jaeger-LeCoultre, das nicht den 1.000 Stunden-Test bestehen muss. Alle übrigen Uhren werden 41 Tage und 16 Stunden lang auf Herz und Nieren geprüft.

Seit der Veröffentlichung im Jahr 1929 sind bis heute erst rund 2.000 Uhren mit dem Kaliber 101 entstanden. Pro Jahr kann Jaeger-LeCoultre lediglich 50 Stück der 101-Kaliber herstellen, die meist bereits verkauft oder für Schmuckstücke vorgemerkt sind. Der Kreis der Besitzer ist dementsprechend exklusiv und zählt auch Königin Elizabeth II. zu seinen Mitgliedern. Die Königin von England trug 1953 zu ihrer Krönung eine Jaeger-LeCoultre 101 mit einem diamantbesetzten Armband. 2012 bekam sie von den Meistern der Grande Maison eine Neuauflage der 101 als Geschenk zum Diamant-Jubiläum ihrer Krönung vor über 60 Jahren.


Jaeger-LeCoultre Reverso Grande GMT Q3022420 240.2.18 Uhr mit roségoldenem Gehäuse und braunem Krokodillederarmband
JAEGER-LECOULTRE REVERSO GRANDE GMT Q3022420 240.2.18


Der erste Platz für das Kaliber 978

Mit einem Durchmesser von 30 mm und einer Dicke von 7,1 mm erscheint das nächste Kaliber im Vergleich zum 101 fast schon gigantisch. Beim Kaliber 978 handelt es sich jedoch um eines der weltweit flachsten Automatik-Kaliber mit Tourbillon. Bereits 1907 begann Jaeger-LeCoultre mit dem Entwickeln besonders flacher Uhren, was letzten Endes in der Entwicklung des berühmten Kaliber 978 resultierte. Eingebettet in die Jaeger-LeCoultre Master Ultra Thin Tourbillon, erzielt dieses Werk aus 302 Einzelteilen trotz seiner geringen Dicke eine beeindruckende Gangreserve von 45 Stunden.

Vor genau zehn Jahren, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Internationalen Uhrenmuseums (Musée international d’horlogerie) fand 2009 zum ersten Mal seit 1972 wieder ein Chronometrie-Wettbewerb statt. Als Hommage an die Wettbewerbe der Observatorien vergangener Tage lud man deshalb die besten Hersteller von Luxus-Chronometern zum „Concours international de chronométrie 2009“ dazu ein, sich in Le Locle zu messen. Jaeger-LeCoultre belegte bei diesem Wettstreit nicht nur den ersten, sondern auch direkt den zweiten Platz – jeweils mit 909 und 908 Punkten. Der knappe, aber wohl verdiente Sieger war die Master Ultra Thin Tourbillon mit dem in ihrem Inneren schlagenden Kaliber 978. Mit einer Gangabweichung von ± 0,13 Sekunden pro Tag hat Jaeger-LeCoultre eine der präzisesten mechanischen Uhren der Welt geschaffen. Zum besseren Verständnis, wie brillant diese Leistung ist: Als „normal“ wird eine Gangabweichung von bis zu 6 Sekunden pro Tag bewertet.


Ein echter Wirbelwind: Das Kaliber 174

Sie ahnen es vielleicht bereits: Beim nächsten Kaliber handelt es sich um den Sieger des zweiten Platzes des zuvor genannten Wettbewerbs im Jahr 2009. Diesen belegte die Jaeger-LeCoultre Reverso Gyrotourbillon 2 mit dem hauseigenen Kaliber 174, welches aus mehr als 300 Komponenten besteht und einen hochkomplexen Mechanismus in sich trägt. Mit seiner sphärischen Spiralfeder das Kaliber 174 eine Weiterentwicklung der Spiralfedertechnologie aus dem Hause Jaeger-LeCoultre.

Die Besonderheit dieses Kalibers ist das Gyrotourbillon, das auch in einigen anderen Modellen Verwendung findet. Hierbei handelt es sich um ein mehrachsiges Tourbillon, das durch seine Rotation nicht nur dem Kaliber seine geringe Lageabhängigkeit verleiht, sondern darüber hinaus auch jeden Betrachter in seinen Bann zieht. Das Uhrwerk des 174 verfügt über zwei Tourbillonkäfige und dreht sich in zwei Achsen.

Insbesondere das Kaliber 174, welches allein durch die rechteckige Form der Reverso bereits eine höhere Isochronität aufweist, wird durch das zum Einsatz kommende Gyrotourbillon noch zusätzlich aufgewertet und dadurch zu einem faszinierenden Uhrwerk aus dem Hause Jaeger-LeCoultre mit einer Gangreserve von 50 Stunden. Da die Reverso Gyrotourbillon 2 auf gerade einmal 74 Stück limitiert ist, hat sie einen besonders hohen Seltenheitswert und auch einen dementsprechend hohen Preis. Eine Reverso mit dem Kaliber 174 ist also durchaus eine lohnende Wertanlage.


Jaeger-LeCoultre Master Ultra Thin Tourbillon Uhr auf schwarzem Seidenstoff
JAEGER-LECOULTRE MASTER ULTRA THIN TOURBILLON 1322410


Ein Selbstläufer: Das Kaliber 562

Als ein „Perpetuum mobile“ wird eine mechanische Konstruktion bezeichnet, die sich selbst ohne weiteres Zutun unendlich lange antreiben kann – der Heilige Gral vieler Industriezweige. Am 15. Januar 1936 stellte Jaeger-LeCoultre eine Uhr vor, die diesem mechanischen Wunschtraum verdächtig nahe kommen sollte. Die Jaeger-LeCoultre Atmos, eine dekorative Tischuhr, kann über Jahrhunderte laufen, ohne dass das Werk ein einziges mal aufgezogen werden muss. Dafür sorgt das beeindruckende Kaliber 562, welches einen Großteil seiner benötigten Energie aus der Umgebungstemperatur zieht. Allein eine Temperaturschwankung von nur einem Grad bringt das Werk der Atmos für 48 Stunden zum Laufen. Dieser faszinierende Mechanismus bedient sich der temperaturbedingten Veränderung des Gases Chlorethan. Dehnt sich dieses aus oder zieht es sich zusammen, so wird die dadurch entstandene Energie in einer mechanischen Feder gespeichert. Da diese Energie aber kaum ausreicht, wird das Werk der Atmos zusätzlich durch ein sogenanntes Torsionspendel angetrieben. Dies bringt allerdings sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Zum Beispiel gibt es aufgrund der geringen erzeugten Energie keine einzige Atmos Uhr mit Sekundenzeiger. Durch den langsamen Umlauf ist es wiederum kein Problem, eine zusätzliche Monats- und Mondphasenanzeige zu verbauen. Viele Uhrenenthusiasten sind der Meinung, dass Jaeger-LeCoultre aufgrund dieser beeindruckenden Entwicklung einen Platz in der „Holy Trinity“ der Uhren verdient habe.

Vorläufer der Atmos wurden bereits im 17. Jahrhundert gebaut und schrieben als Geschenke für Könige Geschichte. Die damals noch mit Quecksilber betriebenen Mechanismen sind zwar längst überholt, jedoch kann das aktuelle Jaeger-LeCoultre Kaliber 562 auf eine lange und traditionsreiche Entwicklungsgeschichte zurückblicken. So war eine der ersten Uhren, die ihre Energie aus Temperaturschwankungen zog, als „Eltham Perpetuum“ europaweit bekannt. Sie wurde von dem Erfinder und Ingenieur Cornelis Drebbel gebaut und nach heutigen Maßstäben fälschlicherweise als „Perpetuum mobile“ ausgegeben. Dennoch erfreuten sich sowohl der englische König als auch der böhmische Kaiser schon damals an der Konstruktion des holländischen Genies.


Silberfarbenes Gehäuse einer Jaeger-LeCoultre Reverso Grande Date 8 Day Power Reserve Q3008420 240.8.15 Uhr an braunem Lederarmband mit weißem Zifferblatt
JAEGER-LECOULTRE REVERSO GRANDE DATE 8 DAY POWER RESERVE Q3008420 240.8.15


Schriller Automat: Das Kaliber 815

In manchen Situationen braucht man schlicht und ergreifend einen Weckruf. Dieser kann sowohl metaphorisch durch eine geliebte Person als auch wortwörtlich durch ein reelles Klingeln wie das eines Weckers geschehen. Einen solchen Alarm bot auch das JLC 815 aus dem Hause Jaeger-LeCoultre, denn dieses war das erste automatische Uhrwerk mit Alarmfunktion.

1956 wurde es erstmals in der Jaeger-LeCoultre Memovox (Ref. E853) eingeführt. Das Kaliber verfügt über einen sogenannten Repetieralarm und wurde kurz darauf im Jahr 1959 auch in der Jaeger-LeCoultre Deep Sea Alarm (Ref. E857) verwendet. Das Kaliber 815 überzeugt durch einen doppelten Lauf bestehend aus dem automatischen Aufzug für die jeweilige Uhrzeit sowie einen Handaufzug für die Alarmfunktion. Das Werk schlägt mit einer Frequenz von 18.000 Halbschwingungen pro Stunde, verfügt über eine Glucydur-Unruh mit automatisch ausgleichender Flachspirale und besitzt insgesamt 17 Lagersteine. Das 815er Uhrwerk war zudem schon damals mit einer Gangreserve von 45 Stunden ausgestattet und lieferte einen 20-sekündigen Alarmton.

Aus dem JLC 815 entwickelte sich 1966 das Kaliber 825, welches ein zusätzliches Datumsfenster im Zifferblatt ermöglicht. Beide Kaliber haben im Gegensatz zu vorherigen Automatikuhren von Jaeger-LeCoultre eine Zentralsekunde und werden nicht durch einen Rotor, sondern eine sogenannte Stoßfänger-Automatik angetrieben. Das jeweilige Kaliber musste nämlich dicht an den Gehäuseboden reichen, da sich dort der Hammer für den Alarm befand. Erst 1969 wurde mit dem Kaliber JLC 916 ein Werk mit klassischer Schwungmasse lanciert.