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Oskar Schindler lebte von 1908 bis 1974 und war NSDAP-Mitglied, erfolgreicher Unternehmer, Hedonist und „Gerechter unter den Völkern“. Während seiner Zeit als Fabrikant rettete er zahlreiche Juden vor dem sicheren Tod durch die Verfolgung der Nationalsozialisten. Mit List, Betrug und Bestechung setzte er sich für die Verfolgten und unterdrückten Juden ein. Schindler hatte vieles, aber mit Sicherheit keine Zeit zu verlieren. Deshalb war eine gute und verlässliche Uhr für ihn sicherlich auch mehr als nur ein Statussymbol. Wir werfen nicht nur einen genaueren Blick auf die Longines von Oskar Schindler, sondern auch auf sein Leben und Wirken.



Wer war Oskar Schindler?


Mit einer stillgelegten Fabrik für Emaillewaren begann der wirtschaftliche Aufstieg von Oskar Schindler. Der Mann mit dem guten Riecher für Geschäftliches übernahm die leerstehende Fabrik in Krakau und etablierte sich schnell als Unternehmer, wobei es seine Firma binnen kürzester Zeit zu großem Erfolg bringen sollte. 

Als NSDAP-Mitglied und Träger hochrangiger Nazi-Orden war es für Schindler im weiteren Verlauf möglich, etwa 1.200 Juden vor der Deportation in Konzentrationslager zu bewahren. Er begann Feldbesteck und Granathülsen in seiner Fabrik zu fertigen, um diese so als „kriegswichtige Produktionsstätte“ einstufen lassen zu können. Dies eröffnete ihm neben lukrativen Aufträgen auch die Möglichkeit, jüdische Zwangsarbeiter anzufordern, da sich deren Deportation negativ auf die Produktion ausgewirkt hätte. Er schreckte auch nicht davor zurück, Akademiker und Kinder auf dem Papier als fähige Metallarbeiter auszugeben und ihnen so das Leben zu retten – wofür er sein eigenes und das seiner Frau riskierte. Schindler wurde zwar mehrfach verhaftet und verhört, aufgrund seiner guten Beziehungen und von ihm gewollten Missverständnisse jedoch immer recht schnell wieder aus der Haft entlassen. 

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Oskar Schindler mehrere Ehrungen, unter anderem den päpstlichen Silvesterorden, den jüdischen Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Sein Schaffen wurde nach seinem Tod im Jahr 1974 von Regisseur Steven Spielberg unter dem Namen „Schindlers Liste“ verfilmt. Dieser wurde insgesamt mit sieben Oscars ausgezeichnet. Auf der Leinwand trug Oskar Schindler, gespielt von Liam Neeson, übrigens eine Uhr von Bulova. Dieses Modell ist aber bei Weitem nicht das einzige, das einen Auftritt auf der großen Leinwand hatte. Und auch einige Filmschurken wurden für ihre Rolle bereits mit bekannten Uhrenmodellen ausgestattet.



Die Longines von Oskar Schindler


Wie bereits erwähnt, war Schindler zur Zeit seines Daseins im politischen Untergrund keinesfalls arm. Ganz im Gegenteil, denn seine Fabrik warf durch die Rüstungsaufträge so viel Gewinn ab, dass er definitiv als wohlhabend, wenn nicht sogar als reich galt. Schindlers damaliges Vermögen wird auf einen heutigen Gegenwert von etwa einer Million Euro geschätzt. Dementsprechend ist es auch durchaus nachvollziehbar, dass es sich bei Oskar Schindlers Uhr nicht einfach nur um irgendeinen günstigen Zeitmesser, sondern eine elegante Herrenarmbanduhr von Longines handelte. 


Vorder- und Rückseite der Longines Uhr von Oskar Schindler mit Edelstahl-Gehäuse und schwarzem Lederarmband
LONGINES VON OSKAR SCHINDLER


Die Uhr von Oskar Schindler ist eine für die 1940er Jahre typische, einfache Uhr der Marke Longines mit rundem Edelstahlgehäuse an einem schwarzem Lederarmband, bei der die Zeiger und Indizes aus Roségold auf einem ursprünglich cremefarbenen Zifferblatt liegen. Im Laufe der Zeit ist die Farbe des Zifferblattes zu einem kräftigen Gelb gealtert. Die Uhr hat zudem als einzige Komplikation eine kleine Sekunde auf 6 Uhr. Das Handaufzugskaliber 12.682 ist bis heute gut erhalten und tut weiterhin fleißig seinen Dienst. 



Schindlers Uhr unter dem Hammer


Am 3. März 2019 wurden einige Gegenstände aus dem Nachlass Oskar Schindlers durch das Auktionshaus RR Auctions in Boston an den Höchstbietenden versteigert. Neben einem Kompass, zwei Stiften und einer seiner Visitenkarten war auch die Longines Uhr Teil der Auktion. 

Die Expertenschätzung von knapp 25.000 US-Dollar überstieg die Longines von Schindler jedoch deutlich. Der Zuschlag ging für 46.303 US-Dollar an einen anonymen Bieter. Das entspricht einem Gegenwert von 41.000 bis 42.000 €. Diese Summe verdankt die Uhr aber nicht nur ihrem historischen Wert. Besonders wertvoll für Sammler ist der unrestaurierte Zustand der Uhr: nie poliert, nie repariert, hundertprozentig original. Der Umstand, das jeder Kratzer im Glas und jede Schramme im Gehäuse eine Geschichte erzählt, und die Uhr am Handgelenk Schindlers die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte miterlebt hat, ist für Sammler und Museen von ungeheurem Wert. 

Das Auktionshaus nimmt zwar an, das Schindler die Uhr erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Argentinien erstanden habe, doch dies ist nicht bestätigt. Weit schöner finden wir den Gedanken, dass ihn die Longines Uhr bei seiner mühsamen Geschichte begleitet und unterstützt hat.