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Unsere Welt befindet sich in einem stetigen Wandel. Wer hätte vor 30 Jahren vorausgesagt, dass sich die Smart Technologie derart schnell weiterentwickelt und einen so großen Einfluss auf unseren Alltag nehmen wird? Vieles, woran sich unsere Eltern und Großeltern gewöhnt hatten und was sie für unveränderlich hielten, ist mittlerweile aus unserem Blickfeld verschwunden. Doch für manches, das für uns als analog und veraltet galt, schlägt unvermittelt eine neue, große Stunde. Konkret ist hier die Rede ist von antimagnetischen Uhren. Die unzähligen neuen Alltagsgegenstände mit ihrem jeweiligen ganz eigenen elektromagnetischen Feld machen es für Uhrenhersteller wieder attraktiv, Zeitmesser zu präsentieren, die durch diese Einflüsse nicht in ihrer Genauigkeit beeinträchtigt werden.



Was bedeutet antimagnetisch eigentlich?


Erst einmal möchten wir ein paar grundlegende Fakten und Definitionen rund um die Thematik Magnetismus klären. Im Grunde genommen ist es ganz einfach: Antimagnetisch sind Dinge dann, wenn sie keine Anziehung oder Auswirkungen auf Magneten beziehungsweise deren Magnetfelder haben. Allerdings tauchen hier und da die Begriffe „antimagnetisch” und „amagnetisch” auf. Diese lassen sich ebenfalls recht genau erklären, denn der Unterschied beider Begriffe liegt im Detail.


„Amagnetisch” und „antimagnetisch”

„Amagnetisch” bezeichnet einen theoretischen Zustand, indem ein Metall komplett frei von jeglichem Restmagnetismus ist. Ein physikalisch schier unmöglicher Zustand, jedoch reicht der Amagnetismus von Materialien wie Silizium für die Klassifizierung als antimagnetisch aus. Die DIN-Norm 8309 definiert, dass eine Uhr als antimagnetisch bezeichnet werden darf, wenn sie bei einem Magnetfeldeinfluss von 4.800 Ampere pro Meter nicht mehr als 30 Sekunden pro Tag vor- oder nachgeht.


Rückseite des Gehäuses einer antimagnetischen Omega Railmaster 220.12.40.20.01.001 Uhr
OMEGA RAILMASTER 220.12.40.20.01.001



Magnetismus in unserer Umgebung


Wir alle kennen den magnetischen Effekt von Spielzeugbahnen, die sich durch ihre unterschiedlich gepolten Magneten gegenseitig anziehen. Bei elektronischen Geräten tritt dieser Effekt genauso auf. Strom fließt und bei jeder Bewegung einer elektrischen Ladung entsteht ein Magnetfeld. Heutzutage sind wir umgeben on Smartphones, Laptops, Induktionsfeldern und vielen anderen Geräten, deren Magnetfelder stärker wirken, als wir uns vorstellen können. So gehen von einem iPhone 14.400 Ampere pro Meter aus, von einem Induktionsfeld 1,2 Millionen Ampere pro Meter. Dies entspricht 15.000 Gauß.



Die Entstehung von Magnetuhren


Dass wir fast überall von Magnetfeldern umgeben sind, ist keinesfalls bloß ein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Bereits im 20. Jahrhundert nahm die Elektrizität im Alltag durch die Ausweitung des Bahnnetzes, das Aufkommen der professionellen Luftfahrt und anderer technischer Neuerungen enorm zu. Auf die Auswirkungen reagierten die Uhrenhersteller, indem sie an Möglichkeiten forschten, die empfindlichen Uhrwerke gegen die Einflüsse der Magnetfelder zu schützen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts begann man bei Vacheron Constantin mit der Forschungsarbeit und stellte im Jahr 1915 eine der ersten antimagnetischen Taschenuhren vor. Doch in der Geschichte der Uhrenindustrie waren die Tage der Taschenuhr längst gezählt. Tissot stellte im Jahr 1930 die erste serienmäßig produzierte Armbanduhr vor, die gegenüber Magnetfeldern geschützt war. Ihr Name war so simpel, wie passend: Antimagnetique.

Die Entwicklung schritt immer weiter voran und in den 1940er Jahren entwickelte IWC für die Royal Air Force ein Uhrenmodell, dass durch den sogenannten Faradaykäfig gegen Magnetfelder geschützt war. Ein faradayscher Käfig ist eine allseitig geschlossene Hülle aus einem elektrischen Leiter, die das Innere des Käfigs vor elektrischen Feldern abschirmt. Autos und ihre leitfähige Hülle sind ein anschauliches Beispiel für die Wirkungsweise eines Faradaykäfigs.



Was macht Uhren antimagnetisch?


​​Will man eine antimagnetische Uhr herstellen, so muss man zunächst verstehen, welche Bauteile der Uhr für die Auswirkungen von Magnetfeldern anfällig sind. Magnetisierbare Metalle sind vor allem Eisen, Cobalt und Nickel. Ungünstigerweise sind Eisen und Nickel allerdings wichtige Bestandteile klassischer Unruhspiralen. Meist von Nivarox. Diese Spiralen sind deshalb recht leicht durch ein externes, homogenes und zeitlich konstantes Magnetfeld zu magnetisieren. Die Folge dessen ist, dass die Unruhspirale verklebt, die Federlänge sich verkürzt und die Unruh oszilliert deutlich schneller. Ist die magnetische Verklebung der Spirale am stärksten, dann verliert die Spirale sogar vollständig die Möglichkeit, zu schwingen und lässt die Unruh zum Stehen kommen. Was kann man dagegen tun?


Zwei Rolex Milgauss 116400GV Uhren mit blauem und schwarzem Zifferblatt liegen nebeneinander auf einer spiegelnden Oberfläche
ROLEX MILGAUSS 116400GV | ROLEX MILGAUSS 116400GV


Weicheisenkäfig

Eine einfache Möglichkeit, eine Uhr antimagnetisch zu konstruieren, besteht darin, das Uhrwerk durch einen Käfig aus Mu-Metallen zu schützen. Mu-Metall ist eine Legierung aus hauptsächlich Nickel und Eisen sowie weiteren Bestandteilen und zeichnet sich durch seine hohe magnetische Leitfähigkeit aus. Dieser Käfig leitet das elektromagnetische Feld um das Uhrwerk herum. Um wirkungsvoll gegen elektromagnetische Felder zu sein, muss der „Käfig” so komplett wie möglich geschlossen sein. Diesem Umstand liegt auch zugrunde, warum viele der antimagnetischen Uhren über kein Datumsfenster verfügen. Hier spricht man dann von Uhren mit einem sogenannten Weicheisenkäfig.


Silizium

Eine weitere Möglichkeit, das Uhrwerk vor schädlichen Einflüssen von elektromagnetischen Ladungen zu schützen, besteht darin, bei der Konstruktion der Uhr auf ferromagnetische, das heißt, für Magnetfelder anfällige, Bauteile zu verzichten. Ende der 1980er Jahre und nach der sogenannten Quarzkrise war man in den Entwicklungszentren der Uhrenhersteller wieder in der Lage, sich mit der Weiterentwicklung von Werkstoffen für antimagnetische Uhren zu befassen. 2013 präsentierte Omega dann die neue Seamaster Aqua Terra mit dem Kaliber 8508. Dieses Uhrwerk aus Silizium und dem eigens von Omega entwickelten NivaGauss wird als eines der ersten vollkommen antimagnetischen Uhrwerke beworben, das ohne einen Faradaykäfig seine Widerstandsfähigkeit gegen magnetische Einflüsse behauptet. Heute wird diese Art der amagnetischen Konstruktionsweise fast schon vorausgesetzt. Antimagnetismus war der Anfang, Amagnetismus die Zukunft.



Berühmte antimagnetische Uhrenmodelle


Die 1950er Jahre waren eine Zeit herausragender Ingenieurleistungen. Dies fand auch Ausdruck in den damaligen Uhren, die auf ihre eigene Art und Weise die Technikfaszination der Zeit verdeutlichen. Verschiedene Modelle stachen dabei durch ihre Robustheit und ihr antimagnetisches Innenleben hervor. Werfen wir nun einen Blick auf ein paar der bekanntesten anti- beziehungsweise amagnetischen Armbanduhren auf dem Markt.


IWC Ingenieur

Den Anfang der antimagnetischen Uhren machte IWC mit der Ingenieur Kollektion, die 1955 auf den Markt kam. Die IWC Ingenieur verfügt über einen hochmodernen Pellaton-Aufzug, benannt nach dem technischen Direktor des Unternehmens, einer verbesserten Breguet-Spirale sowie einer höheren Schwingzahl. Ein Innengehäuse aus Weicheisen verhindert, dass sich magnetische Felder negativ auf die Funktionsweise der Ingenieur auswirken. Bei den Berufsgruppen der Ärzte und Ingenieure fand dies besonders hohen Anklang. Die Mischung aus schnörkelloser Eleganz und robuster Konstruktionsweise, machte die Ingenieur für lange Zeit zu einem der meistverkauften Uhrenmodelle von IWC.


Antimagnetische IWC Ingenieur IW3521 Stahluhr mit weißem Zifferblatt liegt auf einem Blumenmotiv
IWC INGENIEUR IW3521


Rolex Milgauss

Rolex brachte 1956 mit der Milgauss ein Uhrenmodell auf den Markt, das bis zu 1.000 Gauß starken Magnetfeldern standhielt. Dies prädestinierte die Uhr für Forscher, Ingenieure und Ärzte. Insbesondere die Mitarbeiter des ganz in der Nähe von Genf gelegenen CERN sollten mit einer widerstandsfähigen Uhr ausgestattet werden. An diesem Standort wurde schließlich auch die Widerstandsfähigkeit der Rolex Milgauss getestet. Der Zeitmesser hielt, was sein Name versprach: Milgauss leitet sich nämlich vom französischen Wort „Mille” für Tausend und „Gauß” als Einheit für magnetische Flussdichte ab.


Nahaufnahme einer Rolex Milgauss 116400 Stahluhr mit schwarzem Zifferblatt und orangenen Sekundenzeiger in Blitzform
ROLEX MILGAUS 116400


Omega Railmaster

Die Omega Railmaster kam zwar erst nach der Rolex Milgauss und der IWC Ingenieur auf den Markt, jedoch hatte Omega schon zu Beginn der 1950er Jahre Forschungen zu antimagnetischen Uhren betrieben und, wie IWC, die britischen Luftstreitkräfte mit magnetfeldresistenten Uhren beliefert. Nachdem ein Vorgängermodell der Railmaster, die Referenz 2777-2, erfolgreich auf dem kanadischen Markt getestet wurde, war der Weg frei für die Etablierung der Railmaster. 1957 brachte das Unternehmen die Railmaster auf den Markt und bewarb sie damit, ein Uhrenmodell speziell für Angestellte bei der Eisenbahn und weitere Berufsgruppen, die starken elektrischen Strömen ausgesetzt sind, zu sein. Genauso wie die Milgauss von Mitbewerber Rolex hatte die Railmaster eine Widerstandsfähigkeit von bis zu 1.000 Gauß. Hohe Widerstandsfähigkeit bewies die Serie auch, indem sie es gleich zweimal schaffte, von der Leitung bei Omega wiederbelebt zu werden. Die neuesten Modelle der Railmaster halten mittlerweile 15.000 Gauß stand.


Nahaufnahme einer antimagnetischen Omega Railmaster 220.12.40.20.01.001 Herrenuhr mit Stahlgehäuse, schwarzem Zifferblatt und grauem Stoffarmband
OMEGA RAILMASTER 220.12.40.20.01.001



Weitere Antimagnetische Armbanduhren von Watchmaster



  • Mit der 857 UTC bietet die Frankfurter Uhrenmanufaktur Sinn einen beeindruckenden Zeitmesser ganz im Sinne der funktionalen Firmenphilosophie. Mit einer dank Weicheisenkäfig erlangten, außergewöhnlichen Magnetfeldresistenz von bis zu 80.000 A/m sowie einer Wasserdichte von bis zu 200 Metern und einer praktischen GMT-Funktion ist die 857 UTC eine Toolwach par excellence. Die 857 UTC TESTAF Lufthansa CARGO (Ref. 857.041) ist eine limitierte Sonderedition und besticht durch ein 43 mm großes Edelstahlgehäuse am Lederarmband. Etwa 2.800 € sollten Sie dafür einplanen.

  • Etwas eleganter geht es mit der Jaeger-LeCoultre Geophysic 1958 Limited Edition (Ref. Q8008520) zu. Das Modell kommt mit einem 38,5 mm großen Gehäusedurchmesser, einer Wasserdichte von 100 Metern und einem antimagnetischem Weicheisenkäfig im Inneren. Mit einem klassischen, aufgeräumten Zifferblatt und einem präzisen Automatikwerk ausgestattet, verzichtet das Modell auf jedwede Form von Komplikationen und beschränkt sich auf Stunde, Minute und Sekunde. Für etwas unter 8.000 € könnte die Geophysik schon bald an Ihrem Handgelenk sitzen.

  • Typisch Panerai gibt sich die Luminor Submersible Amagnetic (PAM00389) mit 47 mm Größe betont maskulin und sportlich. Durch einen Weicheisenkäfig im Inneren (nach der Definition zu Beginn des Artikels ist der Namenszusatz „Amagnetic” des Modells etwas irreführend) des Titangehäuses ist das Automatikkaliber P.9000 insgesamt vor Magnetfeldern von bis zu 40.000 A/m geschützt. Hinzu kommt ein Datumsfenster, eine kleine Sekunde und eine Wasserdichte von bis zu 300 Metern. All das für einen Preis ab 8.800 €.