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Unsere Welt befindet sich in einem stetigen Wandel. Wer hätte vor 30 Jahren vorausgesagt, dass sich die Smart Technologie derart schnell weiterentwickelt und einen so großen Einfluss auf unseren Alltag nehmen wird? Vieles, woran sich unsere Eltern und Großeltern gewöhnt hatten und was sie für unveränderlich hielten, ist mittlerweile aus unserem Blickfeld verschwunden. Doch für manches, das für uns als analog und veraltet galt, schlägt unvermittelt eine neue, große Stunde. Konkret ist hier die Rede ist von antimagnetischen Uhren. Die vielen neuen Alltagsgegenstände mit elektromagnetischem Feld machen es für Uhrenhersteller wieder attraktiv, Uhren zu präsentieren, die durch diese Einflüsse nicht in ihrer Genauigkeit beeinträchtigt werden.



Magnetismus in unserer Umgebung


Wir alle kennen den magnetischen Effekt von Spielzeugbahnen, die sich durch ihre unterschiedlich gepolten Magneten gegenseitig anziehen. Bei elektronischen Geräten tritt dieser Effekt genauso auf. Strom fließt und bei jeder Bewegung einer elektrischen Ladung entsteht ein Magnetfeld. Heutzutage sind wir umgeben von Smartphones, Laptops, Induktionsfeldern und vielen anderen Geräten, deren Magnetfelder stärker wirken, als wir uns vorstellen können. So gehen von einem iPhone 14.400 Ampere pro Meter aus, von einem Induktionsfeld 1,2 Millionen Ampere pro Meter. Dies entspricht 15.000 Gauß. Um diese Werte besser einordnen zu können: Eine Uhr darf als antimagnetisch bezeichnet werden, wenn sie bei einem Magnetfeldeinfluss von 4.800 Ampere pro Meter nicht mehr als 30 Sekunden pro Tag vor- oder nachgeht.


Silberne Rolex Milgaus 116400GV Z-Blue Uhr mit blauem Zifferblatt und grauem Hintergrund
ROLEX MILGAUSS 116400GV



Die Entstehung antimagnetischer Uhren


Dass wir fast überall von Magnetfeldern umgeben sind, ist keinesfalls bloß ein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Bereits im 20. Jahrhundert nahm die Elektrizität im Alltag durch die Ausweitung des Bahnnetzes, das Aufkommen der professionellen Luftfahrt und anderer technischer Neuerungen enorm zu. Auf die Auswirkungen reagierten die Uhrenhersteller, indem sie an Möglichkeiten forschten, die empfindlichen Uhrwerke gegen die Einflüsse der Magnetfelder zu schützen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts begann man bei Vacheron Constantin mit der Forschungsarbeit und stellte im Jahr 1915 eine der ersten antimagnetischen Taschenuhren vor. Doch in der Geschichte der Uhrenindustrie waren die Tage der Taschenuhr längst gezählt. Tissot stellte im Jahr 1930 die erste serienmäßig produzierte Armbanduhr vor, die gegenüber Magnetfeldern geschützt war. Ihr Name war so simpel wie passend: Antimagnetique. Die Entwicklung schritt immer weiter voran und in den 1940er Jahren entwickelte IWC für die Royal Air Force ein Uhrenmodell, dass durch den sogenannten Faradaykäfig gegen Magnetfelder geschützt war. Ein faradayscher Käfig ist eine allseitig geschlossene Hülle aus einem elektrischen Leiter, die das Innere des Käfigs vor elektrischen Feldern abschirmt. Autos und ihre leitfähige Hülle sind ein anschauliches Beispiel für die Wirkungsweise eines Faradaykäfigs.



Was macht Uhren antimagnetisch?


Gemein ist diesen Modellen, dass die Uhrwerke vor ferromagnetischen Einflüssen durch zwei unterschiedlichen Konstruktionen geschützt werden. Eine Möglichkeit besteht darin, das Uhrwerk durch einen Käfig aus Mu-Metallen zu schützen . Mu-Metall ist eine Legierung aus Nickel und Eisen und zeichnet sich durch seine hohe magnetische Leitfähigkeit aus. Dieser Käfig leitet das elektromagnetische Feld um das Uhrwerk herum. Um wirkungsvoll gegen elektromagnetische Felder zu sein, muss der “Käfig” so komplett wie möglich geschlossen sein. Diesem Umstand liegt auch zugrunde, warum viele der antimagnetischen Uhren kein Datumsfenster besitzen. Eine weitere Möglichkeit, das Uhrwerk vor schädlichen Einflüssen von elektromagnetischen Ladungen zu schützen, besteht darin, bei der Konstruktion der Uhr auf ferromagnetische Bauteile zu verzichten. Ende der 1980er Jahre und nach der sogenannten Quarzkrise war man in den Entwicklungszentren der Uhrenhersteller wieder in der Lage, sich mit der Weiterentwicklung von Werkstoffen für antimagnetischen Uhren zu befassen. 2013 präsentierte Omega die neue Seamaster Aqua Terra mit dem Kaliber 8508. Dieses Uhrwerk aus Silizium und dem eigens von Omega entwickelten NivaGauss wird als eines der ersten vollkommen antimagnetischen Uhrwerke beworben, das ohne einen Faradaykäfig seine Widerstandsfähigkeit gegen magnetische Einflüsse behauptet.



Berühmte antimagnetische Uhrenmodelle


Die 1950er Jahre waren eine Zeit herausragender Ingenieurleistungen. Dies fand auch Ausdruck in den damaligen Uhren, die auf ihre eigene Art und Weise die Technikfaszination der Zeit verdeutlichen. Insbesondere drei Modelle stachen dabei durch ihre Robustheit und ihr antimagnetisches Innenleben hervor.


IWC Ingenieur

Den Anfang machte IWC mit der Ingenieur Kollektion, die 1955 auf den Markt kam. Die IWC Ingenieur verfügt über einen hochmodernen Pellaton-Aufzug, benannt nach dem technischen Direktor des Unternehmens, einer verbesserten Breguet-Spirale sowie einer höheren Schwingzahl. Ein Innengehäuse aus Weicheisen verhindert, dass sich magnetische Felder negativ auf die Funktionsweise der Ingenieur auswirken. Bei den Berufsgruppen der Ärzte und Ingenieure fand dies besonders hohen Anklang. Die Mischung aus schnörkelloser Eleganz und großer Robustheit, machte die Ingenieur für lange Zeit zu einem der meistverkauften Uhrenmodelle von IWC.


Rolex Milgauss

Rolex brachte 1956 mit der Milgauss ein Uhrenmodell auf den Markt, das bis zu 1.000 Gauß starken Magnetfeldern standhielt. Dies prädestinierte die Uhr für Forscher, Ingenieure und Ärzte. Insbesondere die Mitarbeiter des ganz in der Nähe von Genf gelegenen CERN sollten mit einer widerstandsfähigen Uhr ausgestattet werden. An diesem Standort wurde schließlich auch die Widerstandsfähigkeit der Rolex Milgauss getestet. Der Zeitmesser hielt, was sein Name versprach: Milgauss leitet sich nämlich vom französischen Wort “Mille” für Tausend und “Gauß” als Einheit für magnetische Flussdichte ab.


Silberne Rolex Milgaus 116400GV Uhr mit schwarzem Zifferblatt und grauem Hintergrund
ROLEX MILGAUSS 116400GV


Omega Railmaster

Die Omega Railmaster kam zwar erst nach der Rolex Milgauss und der IWC Ingenieur auf den Markt, jedoch hatte Omega schon zu Beginn der 1950er Jahre Forschungen zu antimagnetischen Uhren betrieben und, wie IWC, die britischen Luftstreitkräfte mit magnetresistenten Uhren beliefert. Nachdem ein Vorgängermodell der Railmaster, die Referenz 2777-2, erfolgreich auf dem kanadischen Markt getestet wurde, war der Weg frei für die Etablierung der Railmaster. 1957 brachte das Unternehmen die Railmaster auf den Markt und bewarb die Uhr als spezielles Modell für Angestellte bei der Eisenbahn und weitere Berufsgruppen, die starken elektrischen Strömen ausgesetzt sind. Genauso wie die Milgauss von Mitbewerber Rolex hatte die Railmaster eine Widerstandsfähigkeit von bis zu 1.000 Gauß. Hohe Widerstandsfähigkeit bewies die Serie auch, indem sie es gleich zwei Mal schaffte, von der Leitung bei Omega wiederbelebt zu werden. Die neuesten Modelle der Railmaster halten mittlerweile 15.000 Gauß stand.


Silberne Omega Seamaster Aqua Terra 150M 2504.30.00 Uhr mit weißem Zifferblatt
OMEGA SEAMASTER AQUA TERRA 150M 2504.30.00