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Von verstrahltem Vintage bis Sammlerwissen: Eine kurze Geschichte der Rolex Zifferblätter

 

Bevor wir zu dem Artikel selbst kommen, sollte man vielleicht kurz erwähnen, was dieser nicht behandelt. Auch wenn wir einen knappen Überblick über die Entwicklung von Rolex’ Zifferblätter geben, ist dies kein ausführlicher Guide zu Vintage Rolex Modellen. Da es besonders in diesem Bereich noch zu viele Spekulationen gibt und Falschwissen besteht, macht dies eine genaue Einordnung und Analyse derzeit sehr schwer. Wir streifen außerdem hier nur knapp die Verarbeitung von radioaktiven Materialien in der Uhrenindustrie. Dieses Thema ist so interessant und umfangreich, dass wir es in einem eigenen Artikel über Leuchtmasse in Uhren gewidmet haben. Hier finden Sie also vor allem eine kurze Einführung in die Geschichte von Rolex’ Zifferblätter und Beispiele der Datejust und Day-Date mit ihren extravaganten Designs.

 

Dial detail Rolex - Deepsea-SeaDweller 116660ROLEX DEEPSEA 116660

 

Die Geschichte der Zifferblätter von Rolex nach dem 2. Weltkrieg

 

Wie so oft ist die Geschichte der Uhrenindustrie vor allem auch eine Geschichte von wechselnden Traditionen und Materialien. Als sich von Firmen angefertigte Uhren um 1930 durchsetzten, wurden diese noch nicht direkt an den Kunden, sondern an Juweliere verkauft, die als Mittelsmänner dienten. Dementsprechend prägte Rolex die Zifferblätter nicht mit dem eigenen Namen, sondern mit dem des entsprechenden Juweliers. Dies änderte sich schnell nach dem zweiten Weltkrieg, als Hersteller begannen, ihren eigenen Namen und Logo zu verwenden. Rolex produzierte dabei seine eigenen Gehäuse und Uhrwerke, die Zifferblätter und Zeiger wurden extern von Beyeler, Stern, Lemmerig und besonders Singer gefertigt.

 

Zifferblatt im Detail Rolex Datejust IIROLEX LADY DATEJUST

 

Vor 1950er ist es einfach, eine Übersicht über die verschiedenen Varianten und Prototypen zu bekommen, da wenige im Umlauf waren und Singer beispielsweise das gleiche Design sowohl Rolex als auch Omega anbot. Auch war Englisch innerhalb der Industrie noch nicht als lingua franca etabliert, weswegen man sehr leicht den Ursprung des Zifferblattes anhand der abgedruckten Sprache bestimmen konnte. Weiße Zifferblätter waren als grenée (dt. gekörnt) bekannt und sehr brüchig und anfällig für Feuchtigkeit. Das Radium, das für die Leuchtkraft verwendet wurde, blutete dabei oft aus und hinterließ kleine Punkte rund um die Zifferpunkte.

 

Von Gold zu Gloss: Die Entwicklung der Zifferblätter von den 50ern bis heute

 

Während den 50ern und 60ern setzte Rolex auf unterschiedliche Designs, was eine einfache Einordnung erschwerte. Für seine neuen Funktionsuhren wie die Explorer und Submariner setzte Rolex dabei auf die sogenannten „gilt“ Zifferblätter wie bei dieser Rolex Submariner (Ref. 6536). Wortwörtlich übersetzt meint dies Gold oder vergoldet, aber wie immer ist der Prozess etwas komplexer. Durch Galvanisierung wird eine schwarze Schicht auf das Zifferblatt aufgetragen, welches alles außer die goldenen Schriftzüge bedeckt. Diese werden über Rückseitendruck angefertigt, was sie noch mehr hervorstechen lässt. Eine transparente Lackierung wird auf die schwarze Schicht aufgetragen. Diese schützt vor Rostbildung und gibt der Uhr ein glänzendes Finish.

 

Zifferblatt im Detail Rolex Lady Datejust 79178ROLEX LADY DATEJUST

 

Ende der 60er Jahre fielen diese vergoldeten Zifferblätter aus dem Trend und die matten Varianten mit weißen Schriftzügen übernahmen. Vergleichen Sie die vorherige Submariner beispielsweise mit der Submariner Ref. 1680. Dieser Designwechsel bedeutete allerdings auch das Ende der Tropical Zifferblätter. Dieser Subtyp entstand durch einen chemischen Prozess innerhalb der Uhr, der zu einem tiefen, braunen Farbton führt. Dies setzte spezielle Materialkombinationen voraus, weswegen dieser Effekt nur während zwei Perioden (von 1958 bis 1962 und Ende der 1960er bis Anfang der 1970er) einsetzte.

 

Der dritte und letzte Wechsel fand Mitte der 80er Jahre statt, als Rolex von dem matten Zifferblättern zu den glänzenden wechselte. Der weiße Schriftzug blieb, aber die Stundenmarkierungen wurden mit Weißgold bezogen. Statt Radium und Tritium leuchten die modernen Rolex mittlerweile mit Chromalight (blau) und Superluminova (grün). Das Maxi Dial mit seinen vergrößerten Stundenpunkten gab den Zifferblättern dabei eine enorme Präsenz, die heute ihr Revival in exklusiven Modellen wie der komplett in Grün gehaltenen Hulk (Ref. 116610 LV) feiert.

 

Zifferblatt im Detail Rolex - Cellini 50519ROLEX CELLINI 50519

Aushängeschilder Datejust und Day-Date

Besonderes Ansehen unter Sammlern besitzen dabei Rolex Dresswatches wie die Datejust und Day-Date, welche vor allem in den 80ern mit ihren herausstechenden Zifferblättern auffielen. Diese wurden aus edlen Steinen wie Onyx, Meteoritenfasern, Lapis Lazuli und Jade oder Hölzern wie Mahagoni und Birke hergestellt. Mittlerweile setzt Rolex bei seinen Datejust auch vermehrt auf spezielle Finishes und Verzierungen. Das Tapisserie-Design mit seinen vertikalen Linien bei der Ref. 68240, oder die konzentrischen Kreise der Ref. 116203. Das Jubilee-Zifferblatt der Ref. 78274 feiert sich unverschämt selbst, in dem das komplette Zifferblatt mit dem Schriftzug „Rolex“ geprägt ist. Als Diamantenzifferblätter wie bei der Ref. 116243 werden dabei vor allem diese Varianten bezeichnet, die für die Markierungen der Stundenzeichen Diamanten benutzen.

Zifferblatt im Detail Rolex - DatejustROLEX LADY DATEJUST

 

Ein anderes berühmtes Design ist das Hahnentrittmuster, das die Datejust Ref. 16233 verziert. Von einem Pave (sprich: „pah-vay“) Design der Day-Date Ref. 118238 oder Daytona Ref. 16519 hingegen spricht man, wenn das komplette Zifferblatt mit Diamanten bestückt wird. Wer lieber auf optische Effekt setzt, kann sich in das Raster der Zifferblätter mit Pyramiden-Design verlieben, in dem jedes Quadrat eine 3D-Pyramide besitzt, die sich Richtung Mitte orientiert. Sie können Zifferblätter auch an den auffallenden Farbspielen erkennen, die diese ausmachen. Bordeaux startet mit einem Weinrot und löst sich an den Rändern in Schwarz auf. Vignette ahmt dieselbe Bewegung nach, beginnt aber mit einem tiefen Blau. Klassischer gibt sich das Tuxedo-Zifferblatt der Datejust Ref. 116200, das um seinen silbernen Kern einen schwarzen Ring zieht.

 

Zifferblatt im Detail Rolex Daytona 116518 Mother of pearlROLEX DAYTONA 116518

 

In den letzten Jahren verfolgte Rolex, was das Design seiner Zifferblätter angeht, eine traditionellere Linie, die manchmal mit Stagnation flirtet. Dies ist besonders interessant, bedenkt man wie innovativ, neugierig und verspielt sich die letzten Modelle insgesamt präsentierten. So sehr man beispielsweise die Regenbogenlünette der Cosmograph Daytona bewundert, so sehr hoff man auch, dass diese kreative Spannung dazu führt, dass Rolex auch mehr Chancen mit seinen Zifferblättern nimmt.

 

Zifferblatt im Detail Rolex - Submariner 116613LBROLEX SUBMARINER 116613 LB