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»Swiss Made« hat sich bei Uhren mittlerweile als festes Siegel für Schweizer Qualität durchgesetzt. Der Weg dorthin war aber komplizierter, als man annimmt.

 

Wie die Schweiz die Horlogerie revolutionierte

 

Auch wenn sich 1601 die erste Uhrmachergilde in Genf gründete, verorten Historiker heute die Anfänge der Uhrmacherkunst in Deutschland: Peter Henlein wird als der erste Schmied und Uhrmachermeister anerkannt, der im frühen 16 Jahrhundert bereits Uhren so minimalisierte, dass man sie als Anhänger oder an die Kleidung angesteckt tragen konnte. Die früheste Uhr, die man finden konnte, datiert dabei von 1530. Zur selben Zeit flüchteten Hugenotten von Frankreich in die Schweiz, genauer Genf, und brachten ihre handwerkliche Erfahrung mit sich. In Genf verbot John Calvin das Tragen von Diamanten, weswegen viele Juweliere und Goldschmiede auf die Produktion von Uhren umstellten. Diese beiden Faktoren verbanden sich und wandelten Genf langsam in einen der Hotspots für Horlogerie.

 

Patek Phillipe Watch

 

Es würde aber noch ca. 300 Jahre dauern, bis die Schweiz ihre Spitzenposition einnehmen würde. Deutschland und Holland führten bis zum 17 Jhdt. mit Innovationen wie der Schnecke (auch als Fusee bekannt) und der Haarfeder. Das 18 Jhdt. gehörte hingegen England und Männern wie James Cox (Automaten wie die Pfauenuhr und der silberne Schwan), George Graham (Graham-Hemmung) und John Harrison (Lösung des Längenproblems und erste Schiffschronometer), deren technische Innovationen das Fundament für das mechanische Uhrwerk legten.

 

Um 1770 zeichnete sich ein weiterer Machtwechsel ab, als Jean-Antoine Lépine ein flacheres Kaliber erfand, durch das man dünnere Taschenuhren bauen konnte. Frédérick Japy nahm das Lépine Kaliber und begann, es 1800 in seiner Firma herzustellen, was den Beginn einer neuen Ära der Massenproduktion abzeichnete – ein Trend den England ablehnte. In den Wintermonaten begannen Farmer und Bauern damit, Komponenten für Genfer Firmen herzustellen und ihr Fleiß und ihre Autonomie führten dazu, dass die Schweiz bald mehr produzieren konnte als seine europäischen Konkurrenten. England und die Schweiz produzierten zum Beispiel um 1800 ca. 200.000 Zeitmesser. In 1850 stellte die Schweiz jährlich 2.200.000 Zeitmesser her, während England kaum einen Anstieg verzeichnen konnte.

 

Rolex Watch

 

Wichtig ist dabei, dass die Schweiz damals sehr dezentralisiert war. Hatte die Horlogerie in England, Frankreich und Deutschland klare Zentren, entwickelten sich in der Schweiz in jedem Tal eine eigene Dynamik mit eigenen Herstellern. Dieses System wurde als Établissage bekannt. Eine Uhr wurde dabei aus mehreren Komponenten zusammengesetzt, die von verschiedenen Zulieferern gefertigt wurden. Aber Quantität ist nicht gleich Qualität und obwohl die Schweiz nun in der Lage war, Uhren herzustellen, die wie ihre französischen und englischen Konkurrenten aussahen, konnten sie sich qualitativ noch nicht mit den Originalen messen.

 

Entwicklung der Schweizer Uhrenindustrie: 19 Jahrhundert. bis heute

 

Als die Industrialisierung voranschritt, setzten sich früh einige Innovatoren ab. Longines waren die ersten, die nach einer Manufaktur strebten und versuchten, alle Prozesse unter einem Dach zu versammeln. Dieser Trend war von dem amerikanischen Uhrenmarkt abgesehen, wo die rasant wachsende Eisenbahnindustrie eine immer größere Nachfrage nach zuverlässigen, schnellen und günstigen Zeitmesser stellte. Als Florentine A. Jones von Boston nach Schaffhausen zog und dort die International Watch Company gründet, heute als IWC Schaffhausen bekannt, versuchte er als erster Schweizer Handwerksarbeit mit amerikanischen Produktionsprozessen zu verbinden.

 

Watch Montblanc

 

Die U.S.A gewann Ende des 19. Jhdt. mehr und mehr an Dominanz und Schweizer Versuche, den amerikanischen Markt mit billigen Kopien zu überschwemmen, scheiterten. Daraufhin änderten sie ihre Strategie. Ziel war nicht mehr viel und billig, sondern gute Qualität auf einem mittleren Preissegment anzubieten.

 

Nach den Weltkriegen gelang es Schweizer Firmen wie Longines, Patek Philippe und Vacheron Constantin, endlich den amerikanischen Markt zu erobern.  Dies war möglich, da die Uhrenindustrie der U.S.A den Kriegsbemühungen untergeordnet wurde. Dadurch konnten die amerikanischen Unternehmen den hohen Andrang des Marktes nicht nachkommen, während die im 2. Weltkrieg neutral gebliebene Schweiz sofort wieder ihre Produktion aufnahm. Das dadurch gewonnene Kapital und der neu erschlossene Marktanteil bildeten über die nächsten Dekaden die Grundlage für die Schweizer Dominanz.

 

Watch IWC

 

Erst die Quarzkrise brachte in den 1970ern die Schweiz zum Schwanken, als Japan mit seinen Quarzwerken einen neuen Trend anstieß. Doch schon eine Dekade später gründete sich die Swatch Group und die Schweiz gewann wieder die Oberhand. Danach begannen zwei verschiedene Trends. Die meisten Firmen produzierten zuerst noch auf Grundlage einer modernen Form der Établissage, indem sie  bestimmte Teile wie Werke oder Kaliber von außenstehenden Zulieferern (z.Bsp ETA oder Valjoux) bezogen und im eigenen Haus zusammenbauten. In den letzten Jahren allerdings geht der Trend immer mehr zur Manufakturuhrwerken, die von den Marken selbst entwickelt und hergestellt werden.

 

Die Dominanz der Schweiz bleibt dabei in Europa unantastbar, wobei in den letzten Jahren besonders die U.S.A. einen komplizierten Markt darstellt. Zwar stellen Fashionwatches wie Daniel Wellington eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz dar, aber Schweizer Luxusmarken können sich dennoch behaupten. Oftmals stellen Fashionwatches einen Einsteig für neue Sammler und Enthusiasten dar, die danach oft zu den bekannten Marken wechseln. An Strategien, diesen Anteil der Kunden mit attraktiven Einstiegsmodellen sofort zu erschließen, wird ebenfalls gearbeitet.

 

Omega Watch

 

Wo sitzen Rolex, Breitling und Omega?

 

Mittlerweile befindet sich die Schweizer Uhrenindustrie in dem sogenannten Watch Valley, das sich über 200km über das Schweizer Jura von Genf nach Basel erstreckt. Viele der Unternehmen haben ihren Hauptsitz noch an ihren Gründungsorten, von denen Le Locle und Le Chaux-de-Fonds wegen ihrer kulturellen Einzigartigkeit als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt sind.

Ort Marken
Genf Rolex, Patek Philippe, Frédérique Constant, Vacheron Constantin, Frank Muller, Chopard, Piaget
St. Imier Longines, Montblanc
La Chaux-de-Fonds Tag-Heuer, Breitling, Cartier, Girard Perregaux, Corum, Omega
Le Locle Vulcain, Montblanc, Ulysse Nardin, Tissot
Le Brassus Audemars Piquet
Neuenburg Panerai
Biel Omega (Hauptsitz)
Le Sentier Jaeger-LeCoultre, Blancpain
Nyon Hublot
Schaffhausen IWC
Glashütte (Deutschland) A. Lange & Söhne, Glashütte Original, C.H. Wolf, Nomos Glashütte, Bruno Söhnle, Grossmann Uhren,

 

Auch wenn die Schweiz sich international als Mekka für Uhrenenthusiasten etabliert hat, muss sich Deutschland nicht verstecken. Zentrum der deutschen Uhrmacherkunst ist dabei Glashütte und die daraus entsprungenen Uhrmachermeister, welche sich im Müglitztal der Sächsischen Schweiz befindet.  Vereinzelt haben auch Schweizer Unternehmen ihre Hauptsitz in Deutschland. Das bekannteste Beispiel dafür ist Montblanc, welches sich in Hamburg gründete und in der Schweiz vor allem seine Produktionsstätten betreibt. Auch Junghans, das seinen Firmensitz im Schwarzwald bei Schramberg hält, sollte nicht vernachlässigt werden. Mit einem Portfolio, das sowohl Solaruhren als auch mechanische Chronographen besitzt, konnte es sich Junghans schnell auf dem internationalen Markt positionieren.