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Die Nach- und Feinbearbeitung eines Werks wird zu den Qualitätsmerkmalen einer Uhr gezählt. Nicht ohne Grund gelten Veredelungstechniken schon lange eines der wichtigsten Kriterien der hohen Uhrmacherkunst, wobei sich Glashütte besonders durch seine ausgefeilten und komplexen Schliff- und Poliertechniken abheben konnte. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Schliff-, Politur- und Gravurtechniken vor, die bei der Finissage, also der Veredelung und Verzierung eines Uhrwerks, in Glashütte zum Einsatz kommen. All diese Bearbeitungen haben allerdings nicht nur rein ästhetische, sondern darüber hinaus auch funktionale Gründe, da die Finissierung einer Uhr für einen reibungslosen Ablauf im Uhrwerk und folglich mehr Präzision sorgt.

Die Veredelung hat in Glashütte durchaus Tradition. Schon um 1870 begann man dort, das Uhrwerk mit komplizierten Mustern zu verzieren. Anfangs nutzte man diese Technik, um Unebenheiten der Platine zu kaschieren und Mängel auszubessern. Schon bald aber etablierten sich die kunstvollen Verzierungen als fester Bestandteil der Haute Horlogerie und finden bis heute Anwendung bei namhaften Manufakturen wie Nomos Glashütte, Glashütte Original oder A. Lange & Söhne.



Schlifftechniken in Glashütte


Der Schliff ist die erste Stufe der Finissage und dient ausschließlich dekorativen Zwecken. Die meisten Verzierungen sind so filigran, dass sie nur mit Hilfe einer Lupe genau erkennbar sind und bewundert werden können. In Glashütte, dem Mekka der deutschen Uhrmacherkunst, hat sich ein festes System etabliert, bei dem jedem Teil des Uhrwerks eine bestimmte Schliffart zugeordnet wird.


Glashütter Streifen oder Bandschliff, auch Côte de Genève (Genfer Streifen)

Wo: Dreiviertelplatine, Rotorplatte, einige Unruhkloben

Die vielen Bezeichnungen für diese Schlifftechnik sind schnell begründet: Bei Schweizer Uhrwerken spricht man von Genfer Streifen, während bei allen in Glashütte bearbeiteten Werken von Glashütter Streifen die Rede ist.


Uhrwerk einer Glashütte Original Panoreserve 65-01-01-01-04 Uhr mit Glashütter Streifen Dekoration
Glashütter Streifen | GLASHÜTTE ORIGINAL PANORESERVE 65-01-01-01-04


Beim Glashütter Bandschliff wird eine Schleifspindel geradlinig über das Werkteil geführt und alle Streifen einzeln von Hand geschliffen, was jede Uhr zu einem Unikat macht. Um die nötige Tiefe zu erreichen, sind manchmal bis zu drei Durchgänge nötig. Ist ein Streifen fertig, wird das Werkteil um eine Streifenbreite verschoben und der Prozess wiederholt.


Perlierung

Wo: Werkplatine und Modulplatten

Die Platine wird für die Perlierung auf einer drehbaren Scheibe platziert und mit einem rotierenden, mit Diamantenstaub besetzten Stift bearbeitet, während die Scheibe gleichmäßig kreisförmig bewegt wird. Dabei wird ein perlen-förmiger Kreis (auch „Perle“ genannt) nach dem anderen erzeugt, wobei der neue Kreis das Zentrum des vorherigen überdeckt. Der Druck, der auf das Werkteil ausgeübt werden muss, variiert je nach Durchmesser des Stifts. Damit am Ende ein einheitliches Muster entsteht, muss der Druck während der gesamten Prozedur unbedingt gleichmäßig sein. Weitere Bezeichnungen für die Perlierung sind „Perlschliff“ oder auch „Perlage“.


Glashütter Sonnenschliff

Wo: Aufzugsräder

Ähnlich wie beim Streifenschliff wird auch beim Sonnenschliff das Werkteil unter der Spindel hindurchgeführt und geschliffen. Dies geschieht allerdings in kreisförmigen Bewegungen, denn im Gegenteil zum klassischen, geradlinigen Sonnenschliff ist der Glashütter Sonnenschliff immer geschwungen. Je nach Winkel und Lichteinfall kann man darin eine sich drehende Sonne sehen. Man findet für diese Schlifftechnik auch die Bezeichnung „Schneckenschliff“.


Uhrwerk einer Glashütte Original Senator Chronograph 1-37-01-05-02-35 verziert mit Glashütter Sonnenschliff
Glashütter Sonnenschliff | GLASHÜTTE ORIGINAL SENATOR CHRONOGRAPH 1-37-01-05-02-35


Kreisschliff

Wo: Räder

Das Werkteil wird für den Kreisschliff ähnlich wie bei der Perlage auf einer drehbaren Scheibe platziert. Der Schliff selbst wird mit einem Schieferstäbchen oder einer Schmirgelfeile erzeugt, um die das Werkteil gedreht wird.


Strichschliff

Wo: Hebel und Federn

Der Strichschliff zeichnet sich durch eine feine, parallel verlaufende Linienstruktur aus. Er entsteht, indem das Werkteil in Längsrichtung an einem sehr feinen Schleifpapier gerieben wird.


Werkteile einer Glashütte Original Panoreserve 65-01-01-01-04 Uhr mit Strichschliff
Strichschliff | GLASHÜTTE ORIGINAL SENATOR CHRONOGRAPH 1-37-01-05-02-35



Glashütter Polituren: So bringt man die Uhr zum Glänzen


Die Politur dient nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern kann bei Funktionsflächen wie Hebeln und Federn auch helfen, die Reibung zu minimieren und eine lange Haltbarkeit des Werks zu garantieren. Auch bei einer Revision kommt eine Politur unter anderem zum Einsatz. Um eine Uhr nach längerer Benutzung wieder zum Glänzen zu bringen, wird neben der Reinigung des Uhrwerks auch das Gehäuse poliert.


Flachpolitur

Wo: Gesamtes Werk

Bei der Flachpolitur werden die Werkteile in einer achtförmigen Bewegung sanft auf einer feinkörnigen Diamantfolie gerieben. Dies führt zu einer spiegelglatten Materialoberfläche.


Fasenpolitur

Wo: Gesamtes Werk

Die auf 45 Grad abgeschrägten Kanten der Werkteile werden bei der Fasenpolitur von Hand poliert. Von besonderer Schwierigkeit sind dabei die spitzen Winkel der innen liegenden Ecken, was Finisseuren ein enormes Feingefühl abverlangt.


Schwarzpolitur

Wo: Tourbillonbrücke und Käfigoberteil

Die Schwarzpolitur ist eine der komplexesten Politurarten, bei der die polierte Fläche eine Totalreflexion aufweist, die für das Auge schwarz wirkt. Um dies zu erreichen, wird das Werkteil auf einer Zinnplatte mit speziellen Poliermitteln bearbeitet, deren Körnung nach und nach abnimmt – bis Kratzer schließlich nicht einmal mehr mit Hilfe einer Lupe zu sehen sind. Da diese Technik besonders anspruchsvoll und aufwendig ist, kann die Bearbeitung eines einzigen Werkteils sogar mehrere Tage andauern.


Anglieren

Wo: Ränder der Werkteile

Bei dieser Art der Finissage wird zwischen der Oberfläche und den Kanten der Uhrwerkteile eine Abschrägung in einem exakten 45-Grad-Winkel geschliffen, die anschließend poliert wird. Diese extrem zeitaufwendige Technik wird heute nur noch selten persönlich gelehrt, beispielsweise in Manufakturen wie Audemars Piguet, und ansonsten maschinell ausgeführt.


Uhrwerk einer Glashütte Original Panoreserve 65-01-01-01-04 Uhr mit im 45-Grad-Winkel anglierten Werkteilen
Anglierte Werkteile | GLASHÜTTE ORIGINAL SENATOR CHRONOGRAPH 1-37-01-05-02-35



Glashütter Gravuren und andere Besonderheiten


Gravierte Unruhkloben

Nach dem Schliff und der Politur folgt die Gravur, welche jeder Uhr ihren eigenen Charakter gibt. Jeder Uhrmacher hat dabei seine ganz eigene Handschrift, die sich von denen der anderen unterscheidet. So kann man auch später noch feststellen, welche Uhr von welchem Finisseur graviert wurde. Eine Glashütter Besonderheit sind gravierte Unruhkloben und Unruhbrücken, die mit einem Flachstich bearbeitet werden. Mit einem Stichel wird hier das Muster, welches aus verführerisch geschwungenen Linien und floralen Mustern besteht, von Hand in das Metall graviert. Bei Nomos Glashütte werden alle Unruhkloben mit dem Spruch „Mit Liebe in Glashütte gefertigt“ versehen.

Eine besondere Form der Gravur stellt das „Guillochieren“ dar, bei dem gleichmäßige Muster oder Ornamente auf Zifferblatt oder Gehäuse einer Uhr aufgetragen werden. Die Ausführung dieser Veredelungstechnik bedarf einer besonders hohen Aufmerksamkeit und enormes Fingerspitzengefühl. Der kleinste Fehler kann hier bereits alle vorherig geleistete Arbeit zunichte machen, da mit der Gravur wieder von vorne begonnen werden muss. Bei Guillochierungen gilt: Je komplexer das Muster, desto länger dauert auch der Bearbeitungsprozess. War die Guilloche früher weit verbreitet, ist sie heute beinahe zu einer vergessenen Kunst geworden und kommt fast ausschließlich bei hochwertigeren Uhren zum Einsatz.


Gebläute Schrauben

So wie man den Charakter eines Menschen daran erkennt, wie dieser andere behandelt, erkennt man auch den Wert einer Manufaktur an der Art und Weise, wie sie ihre Schrauben behandelt.


Uhrwerk einer Glashütte Original Senator Chronograph 1-37-01-05-02-35 Uhr mit gebläuten Schrauben
Gebläute Schrauben | GLASHÜTTE ORIGINAL SENATOR CHRONOGRAPH 1-37-01-05-02-35


In Glashütte werden diese nicht nur poliert, sondern darüber hinaus auch gebläut. Dafür erhitzt man die Schrauben auf etwa 290 Grad, woraufhin sich eine Verbindung zwischen Sauerstoff und dem Eisen des Metalls bildet. Optisch zeigt sich dies in Form einer dünnen Magnetit-Schicht, die den Schrauben ihre blaue Farbe verleiht und diese vor Korrosion schützt. Dieser Vorgang wird auch als „Anlassen“ bezeichnet. Darüber hinaus kann man anhand der gebläuten Schrauben in einem Uhrwerk auch erkennen, ob es sich möglicherweise um eine originale Uhr oder eine Fälschung handelt. Bei Nachbildungen sind die Schrauben oft nur angemalt und der Unterschied zu tatsächlich gebläuten Schrauben ist hier deutlich erkennbar.