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Während Komplikationen wie der ewige Kalender oder die Mondphasenanzeige bei Uhren bereits allein durch ihre Benennung das meiste über ihre Funktionalität verraten, ist das beim Rattrapante anders. Auch die anderen gebräuchlichen Bezeichnungen wie Schleppzeiger oder Doppelchronograph sind zunächst nicht sonderlich informativ. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen nachfolgend etwas mehr über die Funktionsweise und Geschichte einer der anspruchsvollsten Komplikationen aus der Welt der Haute Horlogerie näherbringen.


  1. Was sind Rattrapante und Schleppzeiger?
  2. Die Entwicklung der Rattrapante-Komplikation
  3. Der Mono-Rattrapante


Was ist ein Rattrapante- oder Schleppzeiger-Chronograph?


Ein Chronograph, der über eine Rattrapante- oder auch Schleppzeiger-Komplikation verfügt, besitzt einen zweiten Zeiger, der unter dem eigentlichen Stoppsekundenzeiger angebracht ist. Solange er nicht ausgelöst wird, liegt er unter dem Sekundenzeiger und fällt nicht weiter auf. Durch einen ersten Knopfdruck bleibt er jedoch stehen und markiert damit eine Zwischenzeit. Wenn der zugehörige Drücker ein weiteres Mal betätigt wird, holt er augenblicklich die Position des Chronozentrumzeigers ein. Dieser Vorgang wird im Französischen mit dem Verb „rattraper“ beschrieben, was im Deutschen „aufholen“ oder „einholen“ bedeutet. Da der zweite Stoppzeiger, wenn er gerade nicht die Zwischenzeit misst, vom Stoppsekundenzeiger „mitgeschleppt“ wird, hat sich im Deutschen zudem die Bezeichnung Schleppzeiger etabliert. Früher wurde er auch als „nachspringende Sekunde“ bezeichnet.


Schwarzes Zifferblatt eines Omega De Ville Rattrapante 4847.50.31 Schleppzeigerchronographen mit Stahlgehäuse
OMEGA DE VILLE RATTRAPANTE 4847.50.31



Die Entwicklung des Rattrapante-Mechanismus


Vom Schleppzeiger-Mechanismus und dem Nullstellherz

Die Wurzeln der Rattrapante-Komplikation finden sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und wurden maßgeblich durch zwei Uhrmacher geprägt. 1831 entwickelte Joseph Thaddäus Winnerl eine Taschenuhr mit „freier Sekunde“ (französisch: Seconde independante), bei der sich der Sekundenzeiger unabhängig vom Uhrwerk und beliebig oft anhalten und starten ließ. Sieben Jahre später, im Jahr 1838, präsentierte Winnerl ein Modell, bei dem erstmals zwei übereinander liegende Sekundenzeiger den Beginn und das Ende der Messung markierten. Diese Funktion wurde damals als Schleppzeiger-Mechanismus bezeichnet.

Das Problem beider Techniken lag allerdings darin, dass die Sekundenzeiger nur sehr langsam wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurück kehrten. Diesem Problem kam 1844 Charles Victor Adolphe mit einem Patent für einen Mechanismus nach, der die sofortige Nullstellung des Chronozeigers ermöglichte. Das „Nullstellherz” war eine kleine herzförmige Scheibe, die auf der Welle des Sekundenrades befestigt war. Wurde der Drücker betätigt, verband sich der Stoppsekundenzeiger mit dem Uhrwerk und wurde auf Null gestellt. 1862 folgte ein englisches Patent für die Nullstellung bei Chronographen. Diese Technik ging allerdings auf Henri Féréol Piguet, einen Angestellten von Adolphe, zurück.


Der Rattrapante im Aufwind

Ihr heutiges Aussehen erhielten die Doppelchronographen im Jahr 1880, als die Doppelzeiger-Zange über dem Werk und somit sichtbar angebracht wurde. Charakteristisch für das Aussehen eines Chronographen mit Rattrapante ist der zusätzliche Drücker, der entweder als dritter Drücker auf dem Gehäuse klassischerweise auf 10 Uhr angebracht ist oder sich aber in der Aufzugskrone befindet und von dort aus betätigt wird. Allerdings benötigte man für diese Technik damals noch viel Platz, sodass die Doppelchronographen lange Zeit nur im Taschenuhrenformat erhältlich waren.

Als sich jedoch nach und nach die Armbanduhr als gängige Uhrenform durchsetzte, stieg auch die Nachfrage nach komplizierten Luxusuhren. In den 1920er Jahren war es schließlich so weit: Patek Philippe präsentierte den ersten Doppelchronographen in Form einer Armbanduhr. Die Konstruktion dieses Uhrenmodells hatte bereits 1903 begonnen und 20 Jahre bis zu seiner Fertigstellung benötigt. Der Prototyp mit der Uhrwerknummer 124824 und der Gehäusenummer 235326 wurde 1999 bei einer Auktion für 1.918.387 US-Dollar verkauft und war damals die teuerste, jemals versteigerte Armbanduhr.


Schwierige Jahre und ein strahlendes Comeback

Die raffinierte Technik hinter dem Schleppzeiger-Mechanismus machte die Komplikation schnell populär. Auch andere Uhrenhersteller begannen mit der Fertigung von Rattrapante-Uhrwerken. Die wohl beliebtesten stammen vom Schweizer Rohwerke-Hersteller Fabrique d’Ebauches Vénus SA. Die Werke 179, 185, 189 und 190 sind bis heute unter Sammlern äußerst begehrt. Vielleicht hängt dies aber auch mit ihrer relativ kurzen Produktionszeit zusammen. Denn produziert wurden die Werke ab 1940, jedoch 1952 wieder eingestellt. Das Unternehmen Venus wurde Teil der Ebauches SA, die später zur ETA SA, dem Hersteller des bekannten ETA 7750, wurde. Bedingt durch die Quarzkrise ging die Nachfrage nach Luxusuhren in den 70er und 80er Jahren allerdings rapide zurück.


Roségoldene IWC Da Vinci Rattrapante IW375401 Uhr mit silbernem Zifferblatt
IWC DA VINCI RATTRAPANTE IW375401


Ende der 80er läutete Blancpain die Renaissance des Rattrapante-Mechanismus mit dem Kaliber Piguet 1181 ein. Der Nachfolger, das Piguet 1186, wird unter anderem an Breitling, Omega und Audemars Piguet geliefert. Doch auch ETA meldete sich mit einem neuen Schleppzeiger-Mechanismus zurück. Auf Basis des ETA Valjoux 7750 präsentierten Ulysse Nardin und IWC ihre eigenen speziellen Versionen der Komplikation. Die Schaffhauser überzeugen dabei insbesondere durch die Eleganz ihrer Modelle, etwa denen aus der Da Vinci Rattrapante Kollektion. In Anlehnung an alte Schiffschronometer versprühen die Referenzen mit ihren kreisrunden Gehäusen und detailreich verzierten Zifferblättern einen edlen Vintage-Charme. Wenn Sie eine zeitlos-klassische Luxusuhr mit Rattrapante-Komplikation erwerben wollen, dann könnte auch die Portugieser Chronograph (Ref. IW371480) interessant für Sie sein. Modern und dynamisch präsentiert sich hingegen die Omega De Ville Rattrapante. Unterstützt durch ihr Co-Axial-Kaliber und ein übersichtliches Zifferblatt präsentiert die Serie die besten Argumente, den Rattrapante-Mechanismus auch im 21. Jahrhundert aufleben zu lassen.


IWC Portugieser Chronograph IW371445 Uhr mit Rattrapante-Komplikation, Stahlgehäuse, weißem Zifferblatt und schwarzem Lederarmband
IWC PORTUGIESER CHRONOGRAPH IW371445


Trotz der vielen neuen Uhrwerke und Modelle blieb jedoch ein Umstand bis 2004 erhalten: Die Messung der Zwischenzeit während eines laufenden Messvorgangs war auf den Umlauf des Chronozeigers, also maximal 60 Sekunden, beschränkt. A. Lange & Söhne gelang es jedoch im Jahr 2004, dies zu ändern. Das Modell Double-Split verfügt neben dem Chronozeiger über einen springenden Minutenzähler, durch den Zwischenmessungen von bis zu 30 Minuten durchgeführt werden können.



Der Mono-Rattrapante


Neben dem Rattrapante gibt es auch den sogenannten Mono-Rattrapante. Diese Variante des Schleppzeiger-Mechanismus ist kostengünstiger in der Herstellung. Da ein Mono-Rattrapante nur einen Stoppzeiger besitzt, ist das namensgebende „Einholen“ des zweiten Zeigers streng genommen nicht möglich. Am Gehäuse solcher Uhren befinden sich auch nur zwei Drücker. Durch den oberen wird die Start-Stopp-Funktion ausgelöst. Betätigt man nun den unteren Drücker, hält der Zeiger an und gibt somit die Zwischenzeit preis. Durch nochmaliges Drücken des unteren Knopfes springt der Zeiger nun an die Stelle, an der er sich befunden hätte, wenn er nicht gestoppt worden wäre. Besonders die Luxusuhrenmarke Bovet tat sich in den 40er Jahren bei der Anfertigung von Zeitmessern mit Mono-Rattrapante hervor. Die Uhren der Schweizer Firma basierten auf dem Valjoux-Werk 84. Diese vintage Modelle von Bovet sind heutzutage sehr populär und stellen einmal mehr unter Beweis, dass die Technik der Vergangenheit auch heute noch zu begeistern weiß.



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