Win a Rolex at Watchmaster.com

Das Aufziehen einer Uhr scheint ein simpler Prozess zu sein, fällt er doch nicht allzu schwer. Doch die Personen, die sich bewusst für eine Uhr mit manuellem Aufzug entschieden haben, wissen, was dieser scheinbar einfache Vorgang auslöst. Er setzt eine Reihe von mechanischen Prozessen in Gang, von denen jeder einzelne eine außergewöhnliche handwerkliche Leistung ist. Doch alle zusammen bilden sie das Meisterwerk, das eine mechanische Uhr ist.



Funktionsweise von Uhren mit Handaufzug


Während man früher noch zu Aufzugsschlüsseln griff, um Uhren aufzuziehen, erfolgt dies bei Taschen- und Armbanduhren heute in der Regel über das Drehen der Aufzugskrone. Diese ist eine Erfindung aus dem Hause Patek Philippe und stammt aus dem Jahr 1845.

Für den Antrieb des Uhrwerks braucht es Energie. Diese wird bei Handaufzugsuhren durch das Drehen der Krone zur Verfügung gestellt und in der Zugfeder gespeichert. Die mechanische Energie wird dabei über die Aufzugsräder und das Sperrrad auf die Zugfeder übertragen. Das Sperrrad verhindert dabei, dass es zu einer Rückwärtsbewegung der Zahnräder kommt. Die Zugfeder dient als Energiespeicher von mechanischen Uhren. Die aufgezogene Zugfeder entspannt sich nun langsam und gibt dabei ihre Energie an das Uhrwerk ab. Zugfedern kann man sich als zugleich elastischen und extrem harten Draht vorstellen. Heutzutage bestehen diese aus Chromnickelstahl oder Nivaflex, welche eine Mischung aus Kobalt, Nickel und Chrom ist und eine deutlich gleichmäßigere Kraftentladung als Zugfedern aus reinem Stahl zulassen.


Uhrwerk mit manuellem Aufzug 


Doch damit die Zugfeder die Energie nicht auf einen Schlag oder besser gesagt unkontrolliert abgibt, ist die Hemmung in einer Uhr notwendig. Diese besteht im Prinzip aus drei wichtigen Bauteilen: Ankerrad, Anker und Unruh. Die Hemmung gibt den Takt einer Uhr vor, indem sie eine unkontrollierte Kraftenladung der Zugfeder verhindert und einen schrittweise Ablauf des Räderwerkes ermöglicht. Über das Uhrwerk wird das Ankerrad angetrieben, welches ein Zahnrad mit Kolbenzähnen außen auf dem Rad ist. In diese Zähne fasst der Anker, der wir eine Zange in das Ankerrad greift und dieses bremst, so dass es sich nur um einen Kolbenzahnabstand weiterbewegt. Der Anker wiederum ist mit der Unruh verbunden und überträgt den Impuls des Ankerrads auf die Unruh. Die Bewegung des Ankers lässt sich mit einer Wippe vergleichen. Er blockiert das Ankerrad für einen Moment, bevor die Unruh von einer Spiralfeder zurückgezogen wird. Das Ankerrad bewegt sich wieder ein Stück, bevor sie erneut vom Anker angehalten wird. Die Unruh oszilliert dabei, abhängig vom Uhrwerk, mit ca. 28.800 Schwingungen pro Minute. Das Aufeinanderschlagen der Zähne des Ankerrads an die Ein- und Ausgangspalette des Ankers erzeugt das klassische Ticken der Uhr. Durch die sehr schnelle Schwingung der Unruh wird aus den kleinen, schrittweisen Bewegungen des Sekundenzeigers das charakterische Laufen von mechanischen Uhren.

Die meisten Modelle mit Handaufzug haben eine Gangreserve von durchschnittlich 40 Stunden. Neigt sich diese dem Ende zu, kann die Genauigkeit der Uhr nachlassen. Es wird daher geraten, Uhren mit Handaufzug ein Mal pro Tag möglichst zur selben Zeit aufzuziehen.



Handaufzug – antiquiert oder zeitloser Klassiker?


Die Uhrenbranche zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich dem technischen Fortschritt nicht verschließt. Seit der Mensch die Zeit misst, will er dies immer exakter und raffinierter tun. Uhren mit manuellem Aufzug muten da natürlich etwas antiquiert an. Jedoch haben auch sie durchaus ihre Vorteile. Da sei als erstes die Möglichkeit genannt, dass die Uhren durch den fehlenden Rotor, der bei einer automatischen Uhr die kinetische Energie umwandelt, flacher gehalten werden können. Dies macht sie zu beliebten Modellen für elegantere Anlässe als sogenannte Dresswatches. Zudem hat das Aufziehen für viele Uhrenbegeisterte auch etwas romantisches und wird zum Ritual, das man durchführt, bevor die Uhr schließlich angelegt wird – ein Moment der Besinnung. Einerseits haucht man der Uhr neues Leben ein, andererseits macht man sich bewusst, welche Funktion sie tatsächlich erfüllt: uns anzuzeigen, dass die Zeit unaufhörlich voranschreitet.


Rolex Oyster Perpetual 114300 Uhr mit Automatikwerk neben Omega Speedmaster Moonwatch Uhr mit Handaufzug
ROLEX OYSTER PERPETUAL 114300 | OMEGA SPEEDMASTER MOONWATCH 3570.50.00


Die Vor- und Nachteile von Uhren mit Handaufzug haben wir in Gegenüberstellung mit Automatikuhren noch einmal in Tabellenform zusammengefasst.


Handaufzug Automatischer Aufzug
Vorteile
  • Uhren mit traditionsreicher Historie
  • regelmäßiges Aufziehen als Ritual
  • schlankere Bauweise möglich
  • uneingeschränkter Blick aufs Uhrwerk bei Uhren mit Glasboden
  • höhere Ganggenauigkeit
  • manuelles Aufziehen nicht nötig
  • kaum Verschleißerscheinungen
  • längere Haltbarkeit, da Feder nicht überspannt werden kann
Nachteile
  • Genauigkeit der Uhr kann nachlassen
  • regelmäßiges Aufziehen nötig
  • stärkere Beanspruchung der Kronendichtung
  • Uhren mit jüngerer Geschichte
  • Uhrwerk meist vom Rotor verdeckt
  • regelmäßiges Tragen oder Uhrenbeweger notwendig



Von Klassikern und Ausgeflippten: Uhren mit Handaufzug


Obwohl der Handaufzug vermeintlich seltener vorkommt als der Automatikaufzug, gibt es jedoch zahlreiche besondere und bekannte Modelle, die über einen solchen Mechanismus verfügen. Die drei nachfolgenden Modelle könnten unterschiedlicher kaum sein und doch haben sie eines gemeinsam: den Handaufzug.


Die Calatrava: Handaufzugsuhr von ewiger Eleganz

Die Patek Philippe Calatrava gilt als eine der ästhetisch ansprechendsten Armbanduhren überhaupt. Die Erfolgsgeschichte dieser Serie reicht bis in die 1930er Jahre zurück. Die Uhrmacher wollten damals eine Uhr schaffen, die durch ihre Konzentration auf das Wesentliche und den Verzicht auf alles Überflüssige eine einzigartige, zeitlose Erscheinung erlangt. Ihre perfekte, runde Form wird durch ein zurückhaltendes Zifferblatt und ein dezentes Lederarmband komplettiert. Dank des Handaufzugs ist die Uhr dabei flach genug, damit sie nicht nur bei schicken Anlässen, sondern auch im Alltag zu allem getragen werden kann.


Patek Philippe Calatrava 3796 D Uhr wird durch Drehen der Aufzugskrone aufgezogen
PATEK PHILIPPE CALATRAVA 3796 D


Die Moonwatch punktet durch Handarbeit

Die Omega Speedmaster Reihe ist aufgrund ihrer geschichtsträchtigen Vergangenheit als erste Uhr auf dem Mond auch weit über die Kreise von Uhrenliebhabern hinaus bekannt. Obwohl die Mondlandung eine technische Höchstleistung war, vertraute die NASA auf Uhrenmodelle mit Handaufzug wie die Speedmaster Moonwatch. Die neueren Modelle der Omega Speedmaster Chronograph müssen sich jedoch nicht vor ihren vintage Referenzen verstecken. Mittlerweile ausgestattet mit dem Kaliber 1863, einem Nachfahren des Uhrwerks, das auf dem Mond war, und einem verglasten Gehäuseboden, hat die Speedmaster ihren festen Platz in der Gegenwart.


Extravaganz mit Handaufzug von Mouawad

Die Familie Mouawad führt in ihren exklusiven Zeitmessern technische Meisterleistungen mit den kostbarsten Materialien zusammen. Insbesondere die aufwendigen Verzierungen mit Edelsteinen lassen die Modelle hervorstechen. Weniger ein Stück für den Alltag ist die Grande Ellipse Chrono Monopoussior Tourbillon mit Handaufzug und aufgrund ihrer Komplikationen ein kleines Kunstwerk in sich. Der Name Monopoussoir (französisch für „Monopusher“) weist auf eine weitere Besonderheit des Modells hin. Anders als bei normalen Chronographen wird die Start- und Stoppfunktion der Uhr lediglich durch einen (Mono-)Drücker gesteuert.