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Die Geschichte der Armbanduhr: 200 Jahre Entwicklungsgeschichte


Die Anfänge: Von der Taschenuhr zur Armbanduhr

Nichts hat unser heutiges Zeitverständnis so sehr geprägt, wie die Erfindung der Armbanduhr. Im Alltag trägt sie so gut wie jeder ganz selbstverständlich am Handgelenk. Doch eigentlich ist der Zeitmesser gerade einmal zwei Jahrhunderte alt und hat seit seiner Geburtsstunde einiges an Entwicklung hinter sich.

Das Bedürfnis, die Zeit zu messen,besteht seit mehreren Jahrtausenden: Vor 5.000 Jahren erfanden die alten Ägypter die Sonnenuhr. Ihr kreisrundes Design und die zeitlichen Abschnitte prägen das Aussehen moderner Uhren bis heute. Allerdings war die Messung der Zeit an Sonnenlicht gebunden und damit nur tagsüber möglich. Erste Unabhängigkeit vom Tageslicht brachte die Wasseruhr. Ihr folgte die Sanduhr und im 14. Jahrhundert die Räderuhr. Letztere enthielt bereits erste Grundelemente, die sich auch aktuell bei mechanischen Uhren finden lassen, war jedoch sehr inexakt. Ausgestattet war sie mit einer Unrast – einen weniger ganggenauen Vorgänger der heute verwendeten Unruh – der jedoch einen gleichmäßigen Gang ermöglichte.


Arsa Taschenuhr auf Holz liegend


Uhren waren damals relativ groß und wurden aus diesem Grund oft an Ketten in der Westentasche verwahrt. Sie waren außerdem noch längst nicht in der breiten Masse der Bevölkerung angekommen, sondern zierten Adelige als kostspielige Luxusgegenstände. Für die einfache Bevölkerung sichtbar gab es bereits seit dem 13. Jahrhundert große Uhren an Kirchtürmen und auf Marktplätzen, die auch akustisch über die volle Stunde oder den Beginn der Messe Auskunft gaben. Uhren wurden anfänglich übrigens von Schlossern produziert, der Beruf der Uhrmachers bildete sich eher langsam aus einem zunehmenden Bedarf heraus.

Im 15. Jahrhundert wurden schließlich Unruh und vor allem die Spiralfeder erschaffen, die den Bau präziser Uhren ermöglichten. Die Spiralfeder ersetzte das lange Pendel, das in früher verwendet wurde und schaffte so die Voraussetzung für eine Verkleinerung des Gehäuses. 1673 kreierte Christiaan Huygens eine Uhr mit Spiralfeder und Unruh, die schon relativ klein und tragbar war.

Der Entwicklung von kleineren Uhren stand nichts mehr im Wege: Nur wenige Jahrzehnte später, im Jahre 1812, fertigte Abraham-Louis Breguet auf Wunsch von Königin Caroline Murat, die Schwester von Napoleon, die erste bekannte Armbanduhr an. Sie war mit einem Band am Handgelenk befestigt. Männer trugen ihre Zeitmesser bis dahin an einer Kette in der Westentasche. Frauen trugen sie um den Hals, ein Trend, der sich noch fast ein Jahrhundert länger halten sollte. Nur langsam nahm die Armbanduhr Einzug in das gesellschaftliche Leben, erst Ende des 19. Jahrhunderts hatte sie ihren festen Platz in der Garderobe vieler Damen. Solche Uhren wurden an Bändern oder Ketten befestigt, was ihnen einen femininen Charakter verlieh und sie so wie Schmuckstücke wirkten.



Vintage Rolex Chronometer mit Lederarmband aus den 1930er Jahren auf Holz


Der Vormarsch der Armbanduhr im 20. Jahrhundert


Männer bevorzugten nach wie vor Taschenuhren, die über die Jahre ebenfalls kleiner geworden waren und deren Ganggenauigkeit sich enorm verbessert hatte.

Doch bald stellte sich heraus, dass die elegante Geste des Uhr-aus-der-Tasche-Ziehens nicht in jeder Lebenslage praktisch war. Bereits Fliegerlegende Alberto Santos Dumont wünschte sich, beim Fliegen beide Hände benutzen und gleichzeitig auf die Uhr schauen zu können. Sein Freund Louis Cartier entwarf deshalb 1904 die Cartier Santos für ihn, die heute noch eine zentrale Kollektion des Unternehmens ist. Die erste Armbanduhr für Herren war geboren und mit ihr die erste Fliegeruhr. Auch wenn sie optisch nicht viel mit den heute gängigen Fliegeruhren mit markanter Lünette gemeinsam hat, wurde mit ihr der Grundstein für eine der erfolgreichsten Uhrenkategorien aller Zeiten gelegt. Heutzutage hat fast jeder Uhrenhersteller mindestens eine Fliegerserie in seinem Repertoire. Dank ihrem enormen Wiedererkennungswert erfreuen sie sich auch heute noch großer Beliebtheit.


Vintage Rolex Chronometer aus den 1930er Jahren auf Holz aus der Nähe


Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde ihr Einsatz um viele Bereiche erweitert, in denen freie Hände überlebenswichtig waren, ein zeitlicher Überblick gleichzeitig essentiell. Noch heute sieht man, dass viele Serien ihren Ursprung im professionellen und militärischem Einsatz hatten. Serien wie die Breitling Navitimer sind mit Extras und zusätzlichen Funktionen ausgestattet, die Piloten damals die Navigation erleichterten: Die drehbare Rechenschieberlünette beispielsweise ermöglichte präzise Aviatik-Berechnungen direkt am Handgelenk, ohne auf zusätzliche Hilfsmittel zurückgreifen zu müssen. Zur heutigen Zeit ersetzen Bordcomputer diese Funktion. Die traditionsreiche Geschichte spiegelt sich immer noch im Design der Uhr wider, die Rechenschieberlünette verleiht ihr ein markantes Aussehen. Andere Serien wie die Rolex Air-King setzen auf minimalitisches Design und gute Lesbarkeit, auch bei schlechten Lichtverhältnissen.

Auch wenn viele Serien für den professionellen Einsatz entworfen wurden, blieben sie nicht lange dem Militär vorbehalten und fanden schnell Anhänger innerhalb der zivilen Bevölkerung. Doch die Ära der Taschenuhr war noch nicht beendet: Lange Zeit herrschte eine Koexistenz von Taschenuhr und Armbanduhr, die rasante Entwicklung der Armbanduhr jedoch sorgte für steigende Popularität ihrerseits. Sie wurde anfangs vor allem von Soldaten und Piloten getragen, die die Zeitmesser im Ersten Weltkrieg einsetzten. Zu Beginn wurden Taschenuhren verwendet, die mit einem Armband versehen wurden. Daneben bildete sich rasant ein Markt für Uhren, die speziell gefertigt wurden, um am Handgelenk getragen zu werden. Die Anforderungen des Krieges beeinflussten nach wie vor deren Merkmale: Leuchtende Zeiger für bessere Ablesbarkeit, stoßsichere Gehäuse und kratzfestes Glas sind noch heute wichtige Merkmale.

In den 1920er Jahren wurde die erste Automatikuhr entwickelt – 1926 machte Rolex mit seinem wasserdichten Oyster-Gehäuse Schlagzeilen und trug durch öffentlichkeitswirksame Werbung massiv zum Erfolg von Armbanduhren bei. Um die Wasserdichtigkeit des Oyster Gehäuses unter Beweis zu stellen, stattete Gründer Hans Wilsdorf die Schwimmerin Mercedes Gleitze mit einer Rolex aus, als sie versuchte, den Ärmelkanal zu passieren. Der Rekordversuch scheiterte knapp an ungünstigen Wetterbedingungen. Die Uhr überstand die Zeit im eiskalten Wasser dennoch völlig unbeschadet fünf Stunden lang – der Erfolg war nicht mehr aufzuhalten. 1931 brachte Rolex mit der Oyster Perpetual die erste Uhr mit Selbstaufzug auf den Markt, die den lästigen Handaufzug ersetzte.


A.Lange-Söhne 116.021 Nahaufnahme des Zifferblattes


Die Quarzkrise und ihre Folgen für die Uhrenindustrie


Bereits seit den 1930er Jahren wurden erste elektrisch betriebene Uhren mit Quarztechnologie entwickelt. Sie waren teuer, sperrig und wurden in kleiner Serie für den wissenschaftlichen Einsatz produziert. Die anfänglichen Modelle waren entweder auf eine Stromversorgung angewiesen oder ihre Batterien so groß, dass sie nicht für den Transport geeignet waren.

Der eigentliche Durchbruch erfolgte im Zuge der Herausbildung der Halbleitertechnologie, die es Herstellern ermöglichte, Uhrwerke in verkleinerter Form anzufertigen. Seiko, Patek Philippe und Junghans präsentierten ihre ersten Tischuhren mit Batterieantrieb. Sie waren aber nach wie vor teurer im Kaufpreis als mechanische Uhren und stellten somit keine ernst zu nehmende Konkurrenz dar. Die Entwicklung von integrierten Schaltkreisen für Teilerstufen sollte dies alsbald ändern. In den 1970er Jahren wurde der Uhrenmarkt um eine Vielzahl elektrisch betriebener Armbanduhren vor allem aus Japan erweitert. Sie übertrafen ihre mechanischen Pendants in Ganggenauigkeit und Preisgünstigkeit um Längen. Die Seiko Astron war 1969 die erste elektrische Armbanduhr, die es im Laden zu kaufen gab. Sie war noch sehr teuer, die Preise fielen danach aber rapide. Die Uhrwerke der Quarzuhren bestanden aus weniger Teilen, waren dadurch preiswert in der Produktion und konnten in großen Stückzahlen gefertigt werden. Weitere Modelle günstiger Armbanduhren überschwemmten den Markt und stürzten alteingesessene Produzenten mechanischer Uhren in eine Krise. Weltweit kämpften Uhrenhersteller mit den Folgen. Besonders kleinere Hersteller verschwanden vollständig von der Bildfläche, aber auch mittelständige und große Unternehmen mussten Konkurs anmelden. Nur einige von ihnen konnten gerettet werden. In der Schweiz blieben 1970 von ursprünglichen 1600 Uhrenherstellern lediglich 600 übrig. Selbst vor Traditionsmarken wie Rolex machte der Quarzboom nicht Halt und so wurde die Rolex Oyster Quartz eingeführt – die bis heute erste und einzige Rolex mit einem Quarzuhrwerk. Die Zusammenführung der ASUAG (Allgemeine Schweizerische Uhrenindustrie AG) und SSIH (Société Suisse de l’Industrie Horlogère) verhalf dem Land zum Aufschwung. Sie brachte mit der Swatch eine konkurrenzfähige elektrische Armbanduhr hervor, die dank weniger Bauteile günstig in der Produktion war und der lokalen Uhrenindustrie zu mehr Stabilität verhalf.


Jaeger-LeCoultre Reverso Duetto 256.1.75 Armbanduhr auf Tisch liegend


Ende der 1980er Jahre erholte sich der Markt wieder. Mechanische Uhren wurden dank ihrer leichter verständlichen Funktionsweise und der zur Herstellung notwendigen Handwerkskunst vor allem im oberen Preissegment wieder beliebter. “Swiss made” gewann als Qualitätskriterium wieder an Relevanz und dominierte den Uhrenmarkt. Auch wenn die Krise einige Firmen in den Ruin getrieben hat, hat sie dennoch positive Errungenschaften hervorgebracht: Neue Herstellungsverfahren wurden entwickelt und perfektioniert, Unternehmen wurden umstrukturiert und fokussierten sich auf ihre besonders starken Serien. Was sich verändert hat, ist die allgemeine Ausrichtung: Die Schweizer Uhrenindustrie deckt mittlerweile nicht mehr nur das obere Preissegment ab, sondern legt ihren Fokus gleichermaßen auf günstige Zeitmesser mit Quarztechnologie, die dazu in der Lage sind, mit der asiatischen Konkurrenz mit zu halten.

Gleichzeitig sind mechanische Uhren beliebter denn je. Made in Swiss steht für Ganggenauigkeit, Handwerkskunst und hochwertige Produktion. Man ist nicht gezwungen, für eine hochwertige Armbanduhr ein halbes Vermögen auszugeben. Dennoch sind Luxusuhren nach wie vor eine vielversprechende Investition. Sie besitzen außerdem einen anderen emotionalen Wert im Vergleich zu kurzlebigen, günstigen elektronischen Pendants. Dank der Verwendung exklusiver Materialien und hochwertiger Verarbeitung überdauern manche Luxusuhren mehrere Generationen und steigen bei angemessener Behandlung stetig im Wert.

Heutzutage gibt es eine beeindruckende Vielfalt an Armbanduhren in jedem Preissegment. Wer sich hohe Qualität zu einem kleineren Preis gönnen möchte, kann hier auf zertifizierte, gebrauchte Luxusuhren setzen. Angefangen bei günstigen digitalen Uhren über die nach wie vor sehr beliebte und technisch komplexe, mechanische Uhr bis hin zur hochmodernen Smartwatch ist für jeden Geschmack etwas dabei.