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Rolex – ein Name, der für die wohl besten Uhren steht, die die Welt je gesehen hat. Was jedoch viele nicht zu wissen scheinen: Zu Rolex gehörten einst weit mehr Untermarken als nur die heute sehr bekannte Tochterfirma Tudor. Aus diesem Grund möchten wir einen kleinen Exkurs in die Vergangenheit machen und Ihnen einige der Rolex Tochterunternehmen vorstellen, von denen sich bis auf eine einzige Ausnahme keine hat durchsetzen können.



Die Tochterfirmen von Rolex


Der Anfang: W&D – Wilsdorf & Davis Ltd.

Aller Anfang ist schwer. So ging es 1905 auch Hans Wilsdorf und seinem Schwager Alfred Davis in England. Doch die beiden ließen sich nicht entmutigen und vertrieben schon bald die von ihnen importierten Uhren des Schweizer Herstellers Aegler SA unter dem Namen ihres eigenen Geschäfts Wilsdorf & Davis

Eigentlich war es damals noch üblich, Uhren unter dem Namen des Händlers zu verkaufen, bei dem sie erstanden werden konnten. Doch Hans Wilsdorf war klar, dass sein Unternehmen nur Bestand haben konnte, wenn es sich von der Konkurrenz abheben würde. So entstand angeblich während einer Busfahrt durch London der Name „Rolex“ – kurz genug, um auf das Zifferblatt zu passen, und darüber hinaus einprägsam, wohlklingend und einzigartig. Zudem ist die Aussprache des Wortes Rolex in jeder Sprache identisch, was für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt. Der Grundstein der Rolex SA wurde also in den Geschäftsräumen der W&D Company gelegt. 


Günstige Uhren von Rolex-Marconi

Bereits sechs Jahre nach der Gründung von Rolex beschloss Hans Wilsdorf, nicht nur die Nachfrage im Luxussegment zu bedienen, sondern darüber hinaus auch auf dem Markt für günstige Armbanduhren Fuß zu fassen. So wurde am 24. Januar 1911 die Marke Marconi eingetragen. Unter diesem neuen Markennamen begann Wilsdorf, gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern günstige Uhren zu vertreiben – zu Beginn noch unter dem Namen „Rolex-Marconi“. Die Idee hinter Wilsdorfs Plan war im Grunde genommen simpel und gleichzeitig brillant. Mit dem Namenszusatz „Rolex“ hoffte er, dass Kunden in den Uhren von Marconi die berühmte Rolex Qualität erkennen und diese daher kaufen. Stattdessen sahen die Leute nur Rolex Uhren zu deutlich günstigeren Preisen, die für das kleine Geld nun bedeutend interessanter waren. Dies schadete dem Image und den Verkaufszahlen der Luxusmarke, weshalb der „Rolex“-Schriftzug recht schnell wieder vom Zifferblatt verschwand und die Marconi Uhren fortan auch nicht mehr von Rolex vertrieben wurden.  


Weiß-graues Zifferblatt einer Rolex Marconi Uhr mit schwarzem Lederarmband
ROLEX MARCONI SPECIAL (Photo: Parkers Jewellers)


Dies sollte das Todesurteil für die Tochterfirma Marconi sein, da es die „Rolex Billigmarke“ folglich nicht schaffte, sich über die 1920er Jahre hinaus zu etablieren. Bald wurde Marconi auch schon zugunsten der nächsten Rolex Untermarke fallen gelassen. 


Unicorn Uhren aus dem Hause Rolex

Hier scheiden sich die Geister. Die einen behaupten, die Marke „Unicorn“ sei seinerzeit neben Rolex selbst eine der populärsten Marken überhaupt gewesen. Die anderen sagen, Unicorn sei nur eine der vielen „minderwertigen“ Untermarken gewesen. Wie es letztendlich um Unicorn stand, weiß wohl niemand mehr aus erster Hand. Sicher ist jedoch, dass die Uhren von Unicorn allein optisch durch das ikonische Design des Oyster-Gehäuses eng mit den Zeitmessern von Rolex verwandt waren.

Problematisch war bei Unicorn vor allem der Markenname. Das Wort Unicorn allein schien zu kurz und unpräzise. Außerdem hatten sich bereits viele Firmen nach dem Fabelwesen und Wappentier Schottlands benannt. Deshalb sah sich Wilsdorf gezwungen, den Namen zu „Unicorn Lever“ und „Unicorn Watch“ zu ändern. Doch auch das half nicht, weshalb der Rolex Gründer schließlich damit begann, einzigartige Namen zu wählen oder diese kurzerhand einfach zu erfinden. So entstanden kurzlebige Firmen wie „ROLCO“, „ROLWATCO“ (RWCo.) und „Oyster Watch Co“, welche allesamt vergebens das Ziel der günstigen Rolex Alternative aus den eigenen Reihen verfolgten. 


Kooperation mit der Kaufhauskette Eaton

Bei der nächsten Sub-Marke aus dem Hause Rolex handelt es sich um ein etwas anderes Experiment des Luxusuhrenherstellers. Mit der Marke „Solar Aqua“ brachte Rolex in Kanada in Zusammenarbeit mit der Kaufhauskette Eaton eine eigene Marke auf, beziehungsweise in den Markt. Solar Aqua war nämlich die Hausmarke der in Kanada verbreiteten Eaton Department Stores. Bei den Uhren von Solar Aqua kann man wohl am ehesten von Hybriden sprechen. Das von Rolex modifizierte Werk der schlichten, aber durchaus funktionalen Armbanduhren stammt nämlich von Tudor, bei dem Gehäuse handelt es sich um ein klassisches Rolex Oyster Modell und den Gehäuseboden ziert der Name Oyster Watch Company. Bedauerlicherweise verschwanden mit der Insolvenz der Eaton Group nicht nur die beliebten Kaufhäuser, sondern auch die Solar Aqua Uhren. 


Rolex Eaton Prince 3937 Uhr mit Rotgold-Gehäuse und braunem Lederarmband
ROLEX EATON PRINCE 3937 (Photo: Hampel Auctions)


Wilsdorfs Plan geht auf: Tudor wird zum Erfolg

Vielen ist diese Marke bereits ein Begriff, für einige jedoch noch absolut unbekannt: Tudor.  Die Montres TUDOR SA ist inzwischen eine etablierte Größe im preislichen Mittelfeld auf dem Markt der Luxusuhren. Doch das war nicht immer so. Bei der Firmengründung im Jahr 1926 als „Veuve de Philippe Hüther“ und der darauffolgenden Übernahme durch Hans Wilsdorf war das Hauptziel, unter dem Namen Tudor preislich erschwingliche Uhren anzubieten, die jedoch auch dem tadellosen Ruf der Rolex Qualität gerecht werden. Daraus resultierte eine weitere Besonderheit der Rolex-Tochter Tudor: Die Uhren wurden im Gegensatz zu den preisgünstigen Uhren der bisherigen Tochterunternehmen auch von Rolex Händlern vertrieben. Vielleicht war es genau dieser Umstand, der es Tudor ermöglichte, nicht nur zu überleben, sondern als eigenständige Marke auf dem Uhrenmarkt Fuß zu fassen.

Im Laufe der Zeit hat sich Tudor als Hersteller solider Tool Watches etabliert. Dies wird nicht nur an den Handgelenken der US-Navy Seals und der französischen Marine deutlich, sondern beispielsweise auch bei Polarexpeditionen unter Beweis gestellt. Heute steht die Tudor-Rose im Logo für die Qualität der Marke Rolex und weniger für das mit der Krone einhergehende Prestige. Mit der Tochterfirma Tudor hat Wilsdorf aber letztendlich das geschafft, was er über all die Jahre hinweg erreichen wollte. Er hat eine Marke geschaffen, deren Uhren der Qualität von Rolex nahezu in nichts nachstehen und dennoch für deutlich weniger Geld als eine echte Rolex über den Ladentisch wandern.


Rolex Submariner 5513 neben Tudor Submariner 7016/0 Uhr aus Stahl mit schwarzem Zifferblatt
ROLEX SUBMARINER 5513 | TUDOR SUBMARINER 7016/0



Also doch alles nur frühe Rolex Modelle?


Die Frage mag Ihnen beim Lesen vielleicht gekommen sein, lässt sich aber hier noch einmal zusammenfassend und abschließend beantworten: nein. Jede der vorangegangenen Tochterunternehmen von Rolex, eventuell mit Ausnahme von W&D, hatte die Intention, eigene und insbesondere preisgünstigere Uhren als die sehr kostenintensiven Rolex Modelle zu vertreiben. 

„Aber eine Tudor ist doch trotzdem nur eine billige Rolex, oder?“ Auch hier lautet unsere Antwort nein. Eine Tudor ist eine Tudor und eine Rolex ist eine Rolex. Zwar mögen beide Firmen miteinander verwandt sein, jedoch ist Rolex immer noch der unangefochtene Platzhirsch unter den begehrtesten Luxusuhren und in den Vitrinen der Konzessionäre dieser Welt. Dies unterstreicht Tudor auch noch unwissentlich durch die Zusammenarbeit und den gemeinsam genutzten Synergieeffekt mit der Breitling SA. So ging aus der Kooperation der beiden Marken unter anderem die beliebte Breitling Superocean Heritage II mit einem Automatik-Kaliber von Tudor hervor. Andersherum bedient sich Tudor für die Heritage Black Bay Chronograph am Chronographenwerk Kaliber B01 von Breitling. Derartige „Tauschgeschäfte“ hat es bei Rolex hingegen noch nicht gegeben – und das wird wohl auch so bleiben.

Trotz alledem ist es durchaus interessant, wie viele Anläufe Wilsdorf benötigte, um seine Idee von einer günstigen Alternative zu seiner Erfolgsmarke Rolex Wirklichkeit werden zu lassen.