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Was viele nicht wissen: Die Schweizer Dominanz auf dem Uhrenmarkt beruht zu großen Teilen auf ihrer neutralen Haltung während des Zweiten Weltkrieges. Während die USA und Deutschland ihre Produktion zurückfahren mussten, um mit den Rüstungsaufträgen mithalten zu können, konnte die Schweiz nach dem Krieg die Produktion sofort wieder aufnehmen und sich so ein Monopol erarbeiteten, das bis heute unangefochten ist.


Die Uhrenindustrie im Zweiten Weltkrieg 

B-Uhren und Rüstungsaufträge


Besonders in Deutschland änderte der Zweite Weltkrieg die gesamte Uhrenindustrie. Nach dem Ersten Weltkrieg erholte sich die Uhrenindustrie erst langsam, bevor sich insbesondere in Glashütte (mit Unternehmen wie A. Lange & Söhne, der Uhren-Rohwerke-Fabrik AG (UROFA) und Union Glashütte) und im Schwarzwald (mit den Herstellern Junghans und Kienzle) eine neue, gesunde Uhrenindustrie entwickelten konnte. Auch kleinere Städte wie Pforzheim konnten sich dank Uhrmachern wie Laco oder Stowa einen Namen machen. Während des Zweiten Weltkrieges sollte sich diese Lage jedoch radikal verändern.



Gehäuserückseite einer A. Lange und Söhne Lange 1 Ref. 116.021
A. LANGE & SÖHNE LANGE 1 Ref. 116.021



Während des Krieges lag der Fokus vor allem auf Beobachtungsuhren, sogenannten B-Uhren, die bei der Deutschen Luftwaffe zum Einsatz kamen. Die Spezifikationen dafür gab das Reichsluftfahrtministerium vor. Viele Uhrmacher wie zum Beispiel A. Lange & Söhne, Bifora, Junghans und Wempe bemühten sich während des Zweiten Weltkrieges freiwillig um Rüstungsaufträge und begannen, neben Präzisionsuhren für Flugzeuge und Schiffe auch Zünder für Bomben und Torpedos anzufertigen. In Glashütte und im Schwarzwald wurden Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in der Produktion eingesetzt. Dies machte die Firmen auch zum Ziel von Bombardierungen, sodass Fabrikgebäude, beispielsweise von A. Lange & Söhne und Wempe, zerstört wurden.


Reparationszahlungen und neue Anfänge


Nach dem Krieg begann sich die Uhrenindustrie langsam neu zu organisieren. Die Unternehmen in Glashütte, die nicht zerbombt waren, wurden als Reparationszahlungen nach Moskau verlegt. Die verbleibenden Fabrikstätten wurden 1951 als Gesamtbetrieb “Volkseigener Betrieb (VEB) Glashütter Uhrenbetriebe (GUB)” verstaatlicht, wodurch die einzelnen Marken wie A. Lange & Söhne vom Markt verschwanden. Auch in Pforzheim, das fast vollständig im Krieg zerstört wurde, begann man schnell mit dem Wiederaufbau. Laco konnte 1949 wieder mit der Produktion beginnen, während Stowa nach Rheinfelden an die Grenze zur Schweiz umzog. Bifora, dessen Fabrik nicht von den Bomben getroffen wurde, konnte sofort wieder mit der Produktion beginnen und stellte 1951 mit dem Kaliber 103 SA das erste deutsche Automatikwerk vor. Im selben Jahr gründete sich Wempe unter Hellmut Wempe neu und schaffte es, 1953 Rolex nach Deutschland zu holen. Man verkaufte zudem auch eigene Serien wie die Zeitmeister.


Wirtschaftswunder: Neue Monopole und industrieller Aufschwung


Die 60er Jahre zeigten einen klaren Aufwärtstrend der Uhrenbranche. Die Industrie war versatil genug, sodass sich die meisten Unternehmen ein Monopol aufbauen konnten. Junghans designte in den 60er Jahren die besten Chronometer und war 1972 sogar offizieller Zeitnehmer bei den Olympischen Sommerspielen in München. Hanhart eine kleine Firma im Schwarzwald, wurde zum offiziellen Ausrüster der deutschen Luftwaffe sowie der Bundeswehr und Bundesmarine. Kienzle, die älteste deutsche Uhrenmarke, spezialisierte sich vor allem auf die Herstellung von Autouhren und belieferte unter anderem Mercedes Benz, Porsche, BMW, Audi, Aston Martin und Jaguar. Auch die 1961 neu gegründete Frankfurter Uhrenmarke Sinn belieferte anfangs vor allem die Industrie und den Rennsport, während man ebenfalls Fliegerchronographen und Taucheruhren verkaufte.

  

Zwei Sinn Uhren mit Vintage Hintergrund
SINN THE FRANKFURT FINANCIAL DISTRICT 6066



Für die alten Industrieorte war die Lage komplizierter. In Glashütte stellte man auf eine serielle Produktion um und konnte zunächst noch die gewohnte Qualität beibehalten. Bekannte Serien waren beispielsweise die Spezimatic (1960 – 1978) und Spezichron (1978 – 1985). 1967 wurde das Unternehmen mit der Uhrenfabrik Ruhla und dem VEB Uhrenwerk Weimar zum VEB Uhrenkombinat Ruhla vereinigt. Auch im Schwarzwald war die Lage angespannt. Zwar waren Junghans, Hanhart und Kienzle weiterhin erfolgreich, aber steigende Betriebskosten und Löhne sowie der Druck, zu einer industriellen Produktion zu wechseln, brachte die lokale Uhrenindustrie in Bedrängnis.


Absturz in die Quarzkrise


War die Situation bereits angespannt, eskalierte sie schließlich, als die neuen Quarzuhren aus Japan in den 70er Jahren mechanische Uhren verdrängten. Dies führte auch in Deutschland zu einem neuen Status Quo. Nicht alle schafften jedoch den Wechsel: Bifora musste Konkurs anmelden und Laco geriet in Vergessenheit, während sich Stowa in Pforzheim mit sechs kleineren Uhrenfabriken verbündete, um sich gemeinsam der schwierigen Marktsituation zu stellen. Hanhart und Kienzle verloren ihre Hauptaufträge und widmeten sich wieder den Armbanduhren. Kienzle begann schließlich, auch Quarzuhren zu produzieren, und wurde mit Dugena zu einem der damals erfolgreichsten deutschen Uhrenunternehmen. Auch in Glashütte und im Schwarzwald stellte man gezwungenermaßen komplett auf die Produktion von Quarzuhren um, was zum Konkurs zahlreicher traditioneller Manufakturen führte. Glashütte, einst Meister der Mechanik und Luxusuhren, stellte nun beispielsweise Uhren wie den “Meisteranker” her. Diese wurden an den Westen verkauft, wo sie als preisgünstige Uhren bei den großen Versandhändlern Quelle und Tchibo angeboten wurden.

Erst nach der Wende erhielten einige dieser Orte durch neue Investoren ihr altes Prestige zurück. Dies legte den Grundstein für deutschen Uhrenhersteller und die Uhrenindustrie, wie wir sie heute kennen.