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Von ihnen geht eine ganz besondere Faszination aus. Die Rede ist von Uhrenmodellen mit Grande Complication. Für einige Uhrenenthusiasten ist der Erwerb einer solchen exklusiven Luxusuhr vergleichbar mit dem Auffinden des Heiligen Grals. Doch auch für Uhrensammler, die ihre Uhrenkollektion noch vergrößern wollen, ist die Komplexität und die aufwendige Handarbeit, die hinter der Konzipierung und Herstellung eines solchen Zeitmessers steckt, Grund für eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik von komplizierten Uhren. Wir wollen die Funktionsweise und Geschichte von Uhren mit Grande Complication an dieser Stelle genauer vorstellen.


Patek Philippe Grande Complication 5074R-001 Uhr mit schwarzem Zifferblatt neben Whiskey
PATEK PHILIPPE GRANDE COMPLICATION 5074R-001



Was ist eine Grande Complication?


Der Begriff „Grande Complication‟ kommt aus dem Französischen und steht für „große Komplikation‟. beschreibt ein sehr komplexes mechanisches Uhrwerk mit einer Reihe von aufwendigen Zusatzfunktionen. Obwohl viele Uhrenhersteller ihre besonderen Luxusuhren oft mit dem Zusatz Grande Complication versehen, gibt es keine einheitliche Definition dafür, ab wie vielen zusätzlichen Funktionen man von einer großen Komplikation spricht. Der Begriff gibt allerdings Auskunft darüber, dass es sich bei einer Grande Complication um eine Luxusuhr handelt, die weit über den technischen Standard eines regulären Uhrwerks hinausgeht. Als gängige Funktionen eines Uhrwerks wird die Anzeige von Stunden, Minuten und Sekunden bezeichnet. Kommen zu diesen Funktionen noch weitere Schaltwerke, auch Kadraturen genannt, hinzu, dann spricht man von einem Uhrwerk mit Komplikationen, was eine Uhr für den Titel der Grande Complication qualifiziert.

Auch wenn Uhren mit der Bezeichnung Grande Complication hohe Preise bei Auktionen erreichen und sich der Erwerb eines solchen Zeitmessers als langfristige Investition erweisen kann, ist es doch auch immer der Ehrgeiz der Uhrenhersteller gewesen, der die Entwicklung komplizierter Uhren voran trieb. Früher wurde das Flaggschiff eines Uhrenherstellers oft auch als Grande Complication bezeichnet. Über die Komplexität dieses Zeitmessers definierten sich viele Unternehmen und maßen sich so mit anderen Mitbewerbern.


A. Lange & Söhne Grand Complication 912.032 Uhr mit schwarzem Hintergrund
A. LANGE & SÖHNE GRAND COMPLICATION 912.032 (Photo: A. Lange & Söhne)



Was sind Komplikationen bei Uhren?


Komplikationen sind modulare Zusatzfunktionen, die das Uhrwerk nutzen, aber nicht zu diesem dazugezählt werden. Der Begriff „Komplikation‟ geht auf das spätlateinische Wort „complicatio‟ zurück, welches das Zusammenwickeln, bzw. das Verwickeln von etwas beschrieb. Das Erscheinungsbild eines Uhrwerks ist durch seine Vielzahl von Zahnrädern, Zapfen und Kronen bereits komplex genug. Wenn man sich die vielen zusätzlichen, verschlungenen Einzelteile einer Komplikation vor Augen führt, macht die Bezeichnung einer Komplikation als weitere „Verwicklung‟ durchaus Sinn. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Zusatzfunktionen, von denen wir Ihnen einige genauer vorstellen möchten.


Arten von Komplikationen

Die Anzahl von Komplikationen ist vielfältig und kann schier unbegrenzt fortgeführt werden. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist diese Liste auf die bekanntesten Zusatzfunktionen beschränkt.


Gangreserve Die Gangreserveanzeige gibt Aufschluss darüber, wie lange die Spannung der Aufzugsfeder die Uhr noch antreibt, ehe sie wieder aufgezogen werden muss.

Mondphase Die Mondphase ist eine Komplikation, mit der angezeigt wird, auf welchem Stand der Mond sich aktuell befindet.

Repetition Eine besondere Komplikation ist das Repetitionsschlagwerk. Das Äquivalent zur Kirchturmuhr in eine kleine Taschen- oder Armbanduhr zu integrieren, ist besonders aufwendig in der Herstellung und Montage. Die komplizierteste Form ist dabei die Minutenrepetition, die durch zwei unterschiedlich gespannte Federn Stunden, Viertelstunden und Minuten anschlägt.
Kalender Auch die Kalenderfunktion bei Uhren wird zu den Komplikationen gezählt. Und auch hier gibt es verschiedene Grade der Feinheit. Die einfachste Form, der Jahreskalender, muss dabei ein Mal im Jahr eingestellt werden. Beim ewigen Kalender passt sich das Datum sogar bis zum Jahr 2100 automatisch an Schaltjahre und den 28. Februar, bzw. den 1. März an.
Weltzeitindikation Nicht erst seit sich der Flugverkehr ausweitete, sondern auch durch internationale Vernetzung der Weltwirtschaft wurde es wichtig, dass mehrere Zeitzonen im Blick gehalten werden konnten. Uhren mit Weltzeitindikation besitzen ein spezielles Uhrwerk, durch das bis zu 24 Zeitzonen angezeigt werden können.
Chronograph Viele Uhren, insbesondere aus dem Sport- und Taucherbereich, werden auch als Chronographen bezeichnet. Diese Zusatzfunktion ermöglicht es, die Zeit zu messen, bzw. zu stoppen. Ein Sekundenzeiger kann durch einen oder mehrere Drücker gestartet und gestoppt werden. Gleichzeitig läuft das Uhrwerk in seinem gewohnten Gang.
Flyback-Chronograph Zum Chronographen gehört auch die Flyback-Funktion, die im Deutschen auch als „Fliegende Nullstellung‟ bezeichnet wird. Durch Drücken wird der Sekundenzeiger augenblicklich auf Null gesetzt und es kann eine Zwischenzeit genommen werden.
Rattrapante Der Rattrapante wird auch Schleppzeiger genannt. Was nach Schwerfälligkeit klingt, ist in Wahrheit eine Komplikation, die für Schnelligkeit steht. Zeitmesser, die über diese Komplikation verfügen, haben einen zweiten Stoppzeiger, der zum Messen von Zwischenzeiten verwendet werden kann.
Foudroyant Der Foudroyant (Seconde foudroyante), auch „blitzende Sekunde‟ genannt, ist eine kleine Sekundenanzeige, durch die wortwörtlich Sekundenbruchteile gemessen werden können. Die Anzeige ist in vier oder fünf Sprünge unterteilt und zeigt somit das Viertel oder Fünftel einer Sekunde an.



Berühmte Grandes Complications


Grandes Complications, also Zeitmesser, die gleich mehrere der oben genannten Zusatzfunktionen in sich vereinen, sind rar und nicht eben leicht zu finden. Dabei sei der finanzielle Aspekt auch ausgeblendet. Dennoch finden sich immer wieder auch bei gebrauchten Luxusuhren kleine Schätze. Die nachfolgenden Modelle gehören zu den berühmtesten Vertretern der Grandes Complications und gelten als herausragende Meisterwerke der Haute Horlogerie.


Grande Complication der Superlative

Wenn es um die die Kunst geht, mehrere Komplikationen in einem Uhrenmodell unterzubringen, gehört Patek Philippe definitiv zu den Spitzenreitern. Bereits zwei Mal gelang es der Manufaktur, die komplizierteste Uhr des Jahrhunderts zu bauen. Die Grand Complications Ref. 5207P-001 ist ein weiteres Beispiel dafür, warum in jedem Bericht über Uhrenkomplikationen früher oder später der Name Patek Philippe fällt. Dieses Modell verfügt über eine Minutenrepetition, Mondphasenanzeige sowie einen ewigen Kalender. Insbesondere die Repetition gehört zu einem der Spezialgebiete von Patek Philippe. Durch das Gehäuse aus Platin erklingt die Minutenrepetition in einem besonders hellen Ton.


5 Uhrmacher für die Restauration einer Uhr

Ein ganz besonderes Unikat ist die Grande Complication Nr. 42500. Sie wurde 1902 von A. Lange & Söhne präsentiert und an einen Privatmann aus Wien verkauft. Nachdem man fast ein Jahrhundert ihre Spur verloren hatte, fand der Zeitmesser seinen Weg zu A. Lange & Söhne zurück, allerdings in einem sehr schlechten Zustand. Es bedurfte vieler 1.000 Arbeitsstunden, bis ein Team aus fünf Uhrmachern die Uhr wieder restauriert und, hier lag der Fokus des Projekts, wieder in seine ursprünglichen Funktionsweise gebracht hatte. Die Zeit, die in diese vintage Luxusuhr investiert wurde, hat sich definitiv bezahlt gemacht: Als historisch und kulturell wertvolles Kleinod ist die Taschenuhr heute in einem Museum ausgestellt.

Inspiriert von der Grande Complication Nr. 42500 ist die 2013 veröffentlichte Grand Complication (Ref. 912.032) – die bisher komplizierteste Armbanduhr von A. Lange & Söhne.


Zifferblatt einer A. Lange & Söhne Grand Complication 912.032 Uhr
A. LANGE & SÖHNE GRAND COMPLICATION 912.032 (Photo: A. Lange & Söhne)


Die „Marie Antoinette‟

Was alles während der Fertigungszeit einer Grande Complication passieren kann, zeigt die Nr. 160 von Breguet eindrucksvoll auf. Im Jahr 1783 durch den Grafen Hans Axel von Fersen in Auftrag gegeben, der sie der Königin Marie Antoinette widmete, machte sich Abraham-Louis Breguet an die Umsetzung der hochkomplizierten Taschenuhr. Der Ausbruch der französischen Revolution, das tragische Ende der Königsfamilie und die Flucht Breguets ins Exil stoppten die Arbeiten an der Uhr für sieben Jahre. Erst im Jahr 1827, vier Jahre nach Breguets Tod, vollendete sein Sohn die Uhr, die seitdem unter dem Namen „Marie Antoinette‟ bekannt ist. Zur Zeit ihrer Präsentation verfügte sie über jede damals bekannte Komplikation. Ein aufsehenerregender Raub aus einem Museum machte sie noch populärer. Man spricht ihr heutzutage einen Wert von 30 Millionen US-Dollar zu.


16 Komplikationen, 834 Teile, 10.000 Arbeitsstunden

Anlässlich seines 250-jährigen Bestehens kreierte Vacheron Constantin sieben außergewöhnliche Uhren mit großen Komplikationen. Die Tour de I’lle verfügt über 16 Komplikationen, darunter eine Minutenrepetition, Mondphase, Sonnenauf- und -untergangsanzeige und ewigen Kalender. Die Modelle sind aus purem Gold gefertigt und bestehen aus jeweils 834 Einzelteilen. Es bedurfte mehr als 10.000 Arbeitsstunden, bevor die Modelle präsentiert werden konnten. Bei einer Auktion erzielte eines der Uhrenmodelle einen Verkaufspreis von 1,56 Millionen US-Dollar.


Die komplizierteste Uhr der Welt

Die Jaeger-LeCoultre Hybris Mechanica à Grande Sonnerie konnte sich, wenn auch nicht lange, des Titels rühmen, die komplizierteste Uhr der Welt zu sein. 26 Komplikationen, darunter ein Ewiger Kalender mit Datum, Tag, Monat, Jahr und Schaltjahr, eine Grande Sonnerie, eine Petite Sonnerie und eine Gangreserveanzeige jeweils für Werk und Schlagwerk. Eine Besonderheit war zudem, dass sie die erste Armbanduhr war, bei der die Melodie der Westminster Turmuhr vollständig erklingt.


Meisterwerk für 2,7 Millionen Dollar

Natürlich muss es immer eine Uhr oder einen Uhrmacher geben, der selbst den kompliziertesten aller Zeitmesser noch übertrifft. Franck Muller, der auch „Master of Complications‟ genannt wird, entwickelte die Aeternitas Mega 4. Sie verfügt über zehn Komplikationen mehr als das Modell von Jaeger-LeCoultre. Der verbaute Kalender gilt für die nächsten 1000 Jahre, während das Uhrwerk selbst aus 1.483 Komponenten besteht. Wie die berühmte Grande Complication von A. Lange & Söhne ist auch diese Uhr ein Einzelstück. Sie wurde zum Rekordpreis von 2.700.000 US-Dollar an einen Uhrensammler aus den USA verkauft und in Anwesenheit von Franck Muller feierlich übergeben.



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