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Wie die Uhrenkrone schließt auch die Lünette einen Kompromiss zwischen praktischem und ästhetischem Nutzen bei einer Uhr. Ist sie bei Taucheruhren oder Modellen mit GMT-Funktion von immenser Wichtigkeit, fällt die Lünette bei Dresswatches oftmals komplett weg oder hat sich wie im Falle von Breitling zu einem wichtigen Teil der Designsprache entwickelt. Worum es sich bei der Lünette einer Uhr handelt und welche Entwicklungen sie durchmachte, soll nachfolgend geklärt werden.

  1. Was ist eine Lünette?
  2. Entwicklung der Lünette
  3. Lünettenmaterialien und ihre Eigenschaften
  4. Kleines Lünetten-Alphabet


Was ist die Lünette bei einer Uhr?


Die Lünette einer Uhr bezeichnet allgemein die Umrandung des Zifferblattes. Der Begriff leitet sich von dem französischen Wort „lunette“ ab und bedeutet „kleiner Mond“. Die Lünette ist also eine Art Zierring, der sich auf dem Gehäuse befindet und das Uhrenglas trägt. Ob fest verbunden oder drehbar – die Lünette bleibt technisch gesehen immer Teil des Uhrengehäuses.



Die Entwicklung der Lünette


Rolex spielte schon in den 1930er Jahren mit der Idee einer Lünette, aber erst als Taucheruhren in den 50er Jahren prominenter wurden, beschäftigten sich Marken ausführlicher mit dem Konzept. 1953 lancierten Blancpain, Zodiac und Rolex daraufhin die ersten Uhren mit Lünette.

Anfangs waren diese noch beidseitig drehbar, was in der Praxis fatale Folgen haben konnte. Wurde eine Lünette beim Tauchgang durch einen Stoß verstellt, war schnell die komplette Sauerstoffberechnung hinfällig. Daher stellte Blancpain die einseitig drehbare Lünette vor, die eine sichere Einstellung und Handhabung ermöglichte. Die Lünette ist hier nur so verstellbar, dass die restliche Tauchzeit bei einer unbeabsichtigten Drehung verkürzt wird. Auf diese Weise besteht kein Sicherheitsrisiko mehr für die tauchende Person. Bis heute ist die einseitig drehbare Lünette daher der Standard für jede Taucheruhr. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme war, die Lünette nach innen zu verlegen, was in den 60er Jahren zur Entstehung der inneren Lünetten führte, die über die Krone von außen eingestellt wurden.

Nachdem die Lünette ihren hohen Nutzen bewiesen hatte, begannen Designer mit ihrer Form zu spielen und etablierten so mehrere bis heute bekannte Archetypen. Sei es die nach innen gewölbte Lünette einer vintage Breitling Superocean, die kannelierte Lünette von Rolex oder einfach eine dekorative mit Diamanten besetzte Lünette – der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Viele Designer integrierten die Lünette in die gesamte Designsprache ihrer Uhren und schufen so einen hohen Wiedererkennungswert. Gérald Genta gelang dies beispielsweise bei der Audemars Piguet Royal Oak, die aufgrund ihrer achteckigen Lünette und den prominenten Schrauben zu einer echten Ikone in der Uhrenwelt wurde. Auch bei der Bvlgari Bvlgari bewies Genta sein Können, indem er auf der Lünette erstmals den Namen des Unternehmes platzierte.


Audemars Piguet Royal Oak 14790ST.OO.0789ST.08 Edelstahl-Uhr mit blauem Zifferblatt und achteckiger Lünette
AUDEMARS PIGUET ROYAL OAK 14790ST.OO.0789ST.08



Lünette aus Aluminium, Edelstahl oder Keramik?


Beim Material der Lünette haben Uhreninteressierte heutzutage mehrere Optionen. Zu den drei gängigsten Materialien zählen Aluminium, Edelstahl und Keramik. Wir haben für Sie die Vor- und Nachteile dieser Materialien in einer Übersicht zusammengestellt.


Material Vorteile Nachteile
Aluminium
  • verblasste Lünetten liegen bei vielen Sammlern im Trend
  • mattes Finish für bessere Lesbarkeit
  • austauschbare Inlays
  • verblasst mit der Zeit oder wenn sie Sonnenlicht zu lange ausgesetzt ist
  • kratzanfällig
  • bruchanfällig
Edelstahl
  • bruchresistent
  • nahtloser Übergang zwischen Gehäuse und Lünette für fortschrittlichen Look
  • kratzanfällig
  • spiegelt unter Sonneneinstrahlung
Keramik
  • kratzresistent
  • Farbe verblasst nicht und passt sich der Lichteinstrahlung an
  • kann unter Druck zerspringen
  • teuer in der Ersetzung
  • Inlays nicht austauschbar


Einige der Professional Modelle von Rolex sind mit Cerachrom-Lünetten aus extrem harter Keramik ausgestattet, um andauernde Schönheit und Funktionalität zu gewährleisten. Darüber hinaus beschichten manche Uhrenhersteller die Lünette mit Saphirglas oder gehärtetem Mineralglas oder wählen Titancarbid als Überzug, um der Uhr eine noch bessere Härte und Widerstandsfähigkeit zu verleihen.



Das kleine Lünetten-Alphabet



  • 24-Stunden-Lünette: Ermöglicht dem Träger, die Zeit in einem 24-Stunden Format ablesen zu können. Bei festen, also nicht drehbaren Lünetten, wird dieses 24-Stunden Format häufig durch einen weiteren Zeiger angezeigt. Ein beliebtes Beispiel ist die Rolex Explorer II mit einer festen 24-Stunden-Lünette aus Stahl.

  • Beidseitig drehbare Lünette: Im Gegensatz zu einseitig drehbaren Lünetten lässt sich diese Lünette, wie der Name bereits verrät, in beide Richtungen drehen. Dies ermöglicht es, die Zeit in Relation zu einem bestimmten Ereignis, wie zum Beispiel einem Startschuss, zu messen. Sehr bekannte Beispiele für beidseitig drehbare Lünetten sind die Rolex Yacht-Master und die Rolex GMT-Master II. Die Beidseitig drehbare Lünette verzichtet zwar auf den Sicherheitsaspekt der einseitig drehbaren Lünette, bietet dafür jedoch eine schnellere Bedienbarkeit.


  • Rolex Yacht-Master 116655 Uhr mit beidseitig drehbarer Lünette
    ROLEX YACHT-MASTER 116655


  • Count-Down Lünette: Das Gegenteil der Count-Up Lünette. Hier sehen Sie, wie viel Zeit noch verbleibt, bevor ein Ereignis eintritt. Drehen Sie die Lünette dabei so, dass sich der Nullpunkt gegenüber des Minutenzeigers befindet. Diese Art der Lünette findet beispielsweise bei Pilotenuhren wie der Sinn U212 Verwendung.

  • Count-Up Lünette: Der Klassiker, der sich besonders bei Taucheruhren wie der Rolex Submariner finden lässt, wird auch als Taucher-Lünette bezeichnet. Hiermit können Sie messen, wie viel Zeit bereits vergangen ist. Setzen Sie den Nullpunkt dabei auf den Minutenzeiger, um einen Tauchgang entsprechend zu planen.

  • Einseitig drehbare Lünette: Die einseitig drehbare Lünette erfüllt denselben Zweck wie die Count-Up Lünette und ist häufig bei Taucheruhren vorzufinden. Da sie sich nur in eine Richtung drehen lässt, gewährleistet diese Art der Lünette im Falle eines versehentlichen Verstellens die Sicherheit des Tauchenden, da die zuvor berechnete Zeit, die zum Tauchen bleibt, lediglich verkürzt werden kann. Die Omega Seamaster Diver 300M ist beispielsweise mit einer solchen Lünette ausgestattet.

  • GMT-Lünette: Ein weiterer Klassiker unter den Lünetten. Mit Hilfe dieser Lünette und eines zusätzlichen GMT-Zeigers können Sie bei einer GMT-Uhr eine zweite und dritte Zeitzone ablesen. Viele GMT- oder Dual Time-Lünetten sind zweifarbig, damit Träger leichter zwischen Tag und Nacht unterscheiden können. Viele Uhren mit diesen Lünetten, wie zum Beispiel die „Coke“ oder die „Pepsi“, wurden aufgrund ihrer markanten Farbgebung zu Stars der Uhrenwelt.


  • Rolex GMT-Master II 16710 Uhr mit schwarz-roter GMT-Lünette
    ROLEX GMT-MASTER II 16710


  • Kompass-Lünette: Grundsätzlich lässt sich jede Lünette als Kompass verwenden. Für die genaue Orientierung gibt es jedoch auch speziell entwickelte Lünetten mit den Himmelsrichtungen und Winkelgraden. Uhren mit solchen Kompass-Lünetten sind auch heutzutage mitunter sehr hilfreiche Ergänzungen zu den digitalen Anzeigen im Cockpit.

  • Navigation: Besonders Pilotenuhren wie die revolutionäre Longines Lindbergh besitzen spezielle, hoch komplexe Lünetten zur Navigation. Inzwischen kommen dafür stattdessen oft GPS-Systeme zum Einsatz.

  • Pulsometer-Lünette: Diese insbesondere für Mediziner entwickelten Uhren bemessen die Herzschlagfrequenz. Oft besitzen diese Uhren auch ein Asthometer, mit dem die Atemfrequenz berechnet werden kann.

  • Ring-Command-Lünette: Die Ring-Command-Lünetten sind eine Erfindung aus dem Hause Rolex und beschreiben Lünetten, die durch ihre Drehung weitere Funktionen des Uhrwerks aktivieren. Bisher sind diese Lünetten nur bei der Rolex Yacht-Master II und der Rolex Sky-Dweller zu finden. Der Name Ring Command bezieht sich dabei nur auf die Funktion und nicht auf das Design, wie diese beiden unterschiedlichen Armbanduhren verdeutlichen. Alles über die Funktionsweise einer Sky-Dweller und ihrer Ring-Command-Lünette, erfahren Sie hier.

  • Rechenschieber-Lünette: Diese Lünette ist ebenfalls häufig bei Pilotenuhren zu finden. So manch einer würde sicherlich einfach zum Smartphone greifen, mathematisch Begabte können mit einer Rechenschieber-Lünette aber auch komplexere Berechnungen anstellen. Keine Sorge, die Anleitung für die Bedienung der Lünette bekommen Sie beim Kauf einer solchen Uhr gratis dazu. Falls Sie neugierig sind, können Sie vorab schon einmal nachlesen, wie man die Rechenschieber-Lünette einer Navitimer bedient.


  • Breitling Navitimer 1 B01 Chronograph 43 AB0121211B1P1 Fliegeruhr mit Rechenschieber-Lünette
    BREITLING NAVITIMER 1 B01 CHRONOGRAPH 43 AB0121211B1P1


  • Tachymeter-Lünette: Das Tachymeter ist eines der wichtigen Features von Chronographen wie der Omega Speedmaster und Rolex Daytona. Ein Tachymeter zeigt die Proportionalität von einer Einheit zu einer verstrichenen Zeit. Die gängigste Anwendung ist die Berechnung von km/h.

  • Telemeter-Lünette: Mit einem Telemeter messen Sie Entfernungen. Die Grundlage dafür ist die einfache Gleichung, dass Weg gleich Zeit und Geschwindigkeit ist. Früher fanden Lünetten dieser Art oft bei Militäruhren Verwendung. So konnten Soldaten anhand des Mündungsfeuers und späteren Schusses berechnen, wie weit gegnerische Stellungen entfernt sind.


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