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Kein Uhrenteil ist auf den ersten Blick scheinbar leichter erklärt als das Zifferblatt. Schließlich ist seine Funktion in erster Linie für viele „nur“ die Zeitangabe. Was aber auf einem Zifferblatt steht und was nicht, unterliegt strengen Kriterien wie der Notwendigkeit, nicht zu viel und vor allem nicht zu wenig anzuzeigen. Zum Beispiel gehören auf ein gängiges Zifferblatt Indizes sowie Markenname oder Logo des Uhrenherstellers. Komplikationen wie eine Datumsanzeige, kleine Sekunde oder die Totalisatoren eines Chronographen sind stets von den Spezifikationen des jeweiligen Kalibers abhängig.

Zudem sind bestimmte Zifferblätter von Marken wie Rolex und insbesondere Modellen wie der Rolex Daytona heutzutage beliebte Gegenstände von gut sortierten Uhrensammlungen. Doch was macht Zifferblätter zu dem, was sie sind? Nachfolgend soll einer der elementarsten Bestandteile einer Armbanduhr in den Fokus gerückt werden: das Zifferblatt der Uhr.

  1. Bestandteile des Zifferblattes
  2. Die verschiedenen Zifferblatt-Designs
  3. Entstehungsprozess von Zifferblättern
  4. Exklusive Materialien für Zifferblätter
  5. Die Verzierung von Zifferblättern


Bestandteile des Zifferblattes


Wie zu Beginn bereits erwähnt, ist die zentrale Aufgabe des Zifferblattes natürlich die Anzeige der Uhrzeit. Anders als bei einer Digitaluhr, die meist nur Zahlen auf ihrem Display anzeigt, geschieht dies bei analogen Uhren mit Hilfe von Uhrzeigern. Darüber hinaus legen viele Uhrenträger bei ihren Zeitmessern heutzutage Wert darauf, dass das Zifferblatt neben der einfachen Zeitanzeige auch über eine Reihe von Zusatzfunktionen verfügt. Für das Anzeigen solcher zusätzlichen Funktionen kommen meist kleine Hilfszeiger oder Hilfszifferblätter zum Einsatz. Diese sind als Unterzifferblätter ins Hauptzifferblatt integriert. Bei einem Chronographen spricht man dabei von Totalisatoren.


Rolex Daytona 116520 Chronograph mit drei Totalisatoren auf dem Zifferblatt
ROLEX DAYTONA 116520


Standardmäßig werden Zifferblätter mit Hilfe von Indizes und Ziffern in gleichmäßige Abschnitte aufgeteilt. Viele Hersteller setzen bei ihren Uhren aber auch auf Zifferblätter, die komplett auf eine Stunden-, Minuten- und Sekundeneinteilung verzichten. Der Gestaltung von Zifferblättern sind in dieser Hinsicht im Grunde keinerlei Grenzen gesetzt.

Der Trend, dass Marken nur den Herstellernamen auf das Zifferblatt drucken, ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen historischen Entwicklung. Früher wurden Zifferblätter zusätzlich noch mit dem Namen des Konzessionärs versehen, weil Juweliere wie Tiffany & Co. für die Allgemeinheit damals aussagekräftiger waren als nur Herstellernamen wie „Rolex“ oder „Patek Philippe“. Als die Marken allerdings an Bekanntheit und Prestige gewannen, galt dies zunehmend als verpönt, was Uhren mit den sogenannten Tiffany-Zifferblättern zu begehrten Sammlerstücken werden ließ.



Welche Zifferblatt-Designs gibt es?

Allgemein lässt sich sagen, dass sich die Gestaltungsform des Zifferblattes immer nach dem Uhrentyp richtet. Eine Pilotenuhr wie die Breitling Navitimer ist mit ihrem Tachymeter beispielsweise feiner und enger taktiert als das Zifferblatt einer Taucheruhr wie der Rolex Submariner, die durch ihre pointierten, breiten Indizes und aufgefächerte Minutenskala vor allem auf Lesbarkeit setzt. Nachfolgend möchten wir nun die gängigsten Zifferblatt-Designs vorstellen.

  • Bei einem Bicompax-Chronographen wie der Sinn 936 handelt es sich um ein Chronographen-Zifferblatt mit zwei Totalisatoren. Gewöhnlich auf 3 und 9 Uhr oder 6 und 12 Uhr zu finden, zeigen diese Totalisatoren meist die Sekunden und Minuten der Stoppuhr oder auch das Datum an.

IWC Spitfire Pilots Chronograph IW371803 Bicompax-Chronograph mit zwei schwarzen Totalisatoren auf weißem Zifferblatt
IWC SPITFIRE PILOTS CHRONOGRAPH IW371803


  • Das Chronographen-Zifferblatt mit drei Totalisatoren, wie das der legendären Rolex Daytona, ist eines der bekanntesten Zifferblatt-Designs. Bleiben wir bei diesem Modell, befinden sich die Totalisatoren in v-förmiger Anordnung auf 3, 6 und 9 Uhr. Viele sprechen bei diesen Zifferblättern von einer Tricompax-Anordnung.

  • Das zuvor beschriebene Zifferblatt mit drei Totalisatoren wird oft fälschlicherweise als Tricompax-Zifferblatt bezeichnet. Was viele jedoch nicht wissen ist, dass das als Tricompax bezeichnete Zifferblatt auf den Uhrenhersteller Universal Genève und sein Modell „Tri-Compax“ aus dem Jahr 1944 zurückgeht, welches vier Totalisatoren auf 3, 6, 9 und 12 Uhr besitzt. Der Name ergibt sich dabei nicht aus der Anzahl der Totalisatoren, sondern den drei Funktionen der Uhr: Chronograph, einfaches Vollkalendarium und Mondphase.

  • Die Zifferblätter von Taucheruhren, wie zum Beispiel der Rolex Submariner, stechen aufgrund der besonders guten Ablesbarkeit durch große fluoreszierende Indizes aus der Masse heraus. Diese sind in Kombination mit der einseitig drehbaren Lünette wichtiger Bestandteil einer Taucheruhr und dienen der Sicherheit des Tauchenden.

Rolex Submariner 116610LN Taucheruhr mit lumineszierenden Indizes auf schwarzem Zifferblatt
ROLEX SUBMARINER 116610LN


  • Das Regulator-Zifferblatt beschreibt eine Gestaltungsform, bei welcher die klassischen drei Zeiger zur Zeitbestimmung nicht zwangsläufig in der Mitte des Zifferblattes, sondern auf jeweils gesonderten Totalisatoren angebracht sind. Diese Zifferblätter sind vornehmlich bei Dresswatches vorzufinden und dienen zumeist eher den optischen Freuden, wobei der Fokus hier stets auf dem Minutenzeiger liegt.

  • Das sogenannte Sandwich-Zifferblatt wird häufig mit Modellen der Marke Panerai in Verbindung gebracht. Dieser Zifferblatt-Typ besteht aus zwei Schichten: dem Zifferblatt mit ausgestanzten Indizes und einer darunter liegenden Leuchtschicht. Diese Zifferblätter vermitteln den Eindruck von mehr Tiefe und wirken eher praktisch als elegant.

  • Das Schiffschronometer-Zifferblatt geht auf die Zifferblätter der nautischen Instrumente des 17. Jahrhunderts zurück. Diese ermöglichten die exakte Positionsbestimmung durch die Berechnung des Unterschiedes zwischen Uhrzeit im Heimathafen und der aktuellen Zeit an Bord mithilfe der Längengrade. Heutzutage sind Uhren mit einem solchen Zifferblatt eher Zierde als tatsächliches Instrument, büßen dabei jedoch nicht an Funktionalität ein. So haben zum Beispiel Schiffschronometer von Ulysse Nardin eine Gangreserveanzeige auf 12 Uhr und eine kleine Sekunde mit integriertem Jahreskalender auf 6 Uhr.

  • Ein „California Dial“ zeichnet sich dadurch aus, dass die obere Hälfte des Zifferblattes römische Ziffern und die untere Hälfte arabische Ziffern im Art déco-Stil zeigt. Die Designform geht auf die frühen Taucheruhren aus dem Hause Rolex zurück, da diese die Ablesbarkeit unter Wasser erleichtern sollte. Seinen Namen hat das California Dial wohl dem Zifferblatt-Restaurator Kirk Rich aus Kalifornien zu verdanken, welcher durch seine Arbeit an diesen Zifferblättern bekannt wurde.


Vom Rohling zum Zifferblatt


Die Produktion des Zifferblattes beginnt mit den Rohlingen, die meistens aus Neusilber, Messing oder Bronze ausgestanzt werden. Auch Silber und Gold werden gerne für Zifferblätter verwendet. Aussparungen für die Indizes, Zeiger und weitere Anzeigen wie Datumsfenster oder Totalisatoren werden maschinell gefräst. Nach einer Reinigung werden ans Zifferblatt sogenannte Füße angebracht, die es später am Werk befestigen und seine exakte Positionierung garantieren. Anschließend wird das Zifferblatt poliert und erneut gereinigt. Hier beginnt nun der Prozess der Verzierung und Verarbeitung, auf den später noch einmal spezifischer eingegangen wird. Seine Farbe erhält das Zifferblatt durch eine Galvanisierung. Je nach der gewünschten Farbintensität wird das Zifferblatt dabei ein bis zwei Stunden eingebrannt. Die Farbe ergibt sich dabei aus dem Ausgangsmaterial der Rohlinge.


Silbernes Zifferblatt einer Piaget Altiplano G0A36508 Uhr mit Weißgold-Gehäuse
PIAGET ALTIPLANO G0A36508


Nach der Galvanisierung geht das Zifferblatt in den Druck. Am häufigsten wird hier der Tampondruck verwendet, der sich besonders durch seine Feinheit und Präzision auszeichnet. Der Tampon ist ein ballonförmiger, weicher Zylinder, der über eine gravierte Schablone Farbe aufnimmt, danach direkt auf das Zifferblatt gedrückt wird und die Farbe an dieses abgibt. Manche Manufakturen bemalen ihre Zifferblätter noch per Hand, was ein oft monatelanger Prozess ist. Viele weitere Fertigungsprozesse, wie zum Beispiel das Setzen der Indizes und Ziffern, werden oft per Hand vorgenommen.



Exklusive Materialien für Zifferblätter

Neben den oben aufgezählten Klassikern wie Silber oder Messing haben sich in der Haute Horlogerie noch andere exotischere Zifferblattmaterialien durchgesetzt, von denen wir Ihnen hier die drei beliebtesten Varianten vorstellen.


Zifferblätter aus Meteoritengestein

Uhrenmarken wie Corum begannen bereits in den 80er Jahren, Zifferblätter aus Meteoritengestein herzustellen, und Rolex lancierte 1999 seine erste Sonderedition mit Meteoritengestein. Als Ressource werden hierfür der Gibeon-Meteorit in Namibia und der Muonionalusta-Meteorit in Schweden verwendet, die sich aufgrund ihres hohen Nickel- und Eisenanteils besonders gut für dekorative Zwecke verwenden lassen. Das Besondere am Meteorit ist, dass das Metall nicht gleichmäßig verteilt ist, wodurch jedes Zifferblatt seinen eigenen individuellen Look erhält. Inzwischen ist der Gibeon-Meteorit durch das namibische Gesetz geschützt und darf nicht mehr kommerziell abgebaut werden. Rolex konnte sich allerdings einen Vorrat des Meteoritengesteins anlegen, weshalb weiterhin die extrem seltenen Zifferblätter angefertigt werden können. 2019 debütierte man beispielsweise die Rolex GMT-Master II 126719BLRO mit einem Zifferblatt aus Meteorit.


Emaillierte Zifferblätter

Emaille beschreibt nicht das Rohmaterial selbst, sondern einen Prozess, der so komplex und schwierig ist, dass emaillierte Zifferblätter zu einer eigenen Kunst geworden sind. Viele Hersteller lackieren daher ihre Uhren nur. Ein echtes Zifferblatt aus Emaille sticht aber sofort durch seinen unnachahmlichen Glanz und die cremige Textur hervor. Den Emaille-Prozess praktiziert heute nur noch ein einziges Unternehmen. So werden alle emaillierten Zifferblätter für Patek Philippe, A. Lange & Söhne und Ulysse Nardin von der Schweizer Firma Donze Cadran produziert. Emaille ist ein Schmelzglas, das mehrmals aufs Zifferblatt aufgetragen wird. Es gibt dabei verschiedene Techniken, die eine jeweils andere Textur hervorbringen. „Grand Feu“, das mehrmalige Emaillieren eines Zifferblattes mit Oxiden, ist die gängigste Technik.


Mother-of-Pearl Zifferblätter

Die schönsten Zifferblätter gehören leider auch zu den zerbrechlichsten. Perlmutt ist das Material, dass innerhalb einer Muschel zu finden ist. Es von der Schale zu separieren, ist eine besondere Herausforderung, da es extrem bruchanfällig ist. Das Rohmaterial wird auf eine Stärke von etwa 0,2 mm gebracht und anschließend auf eine Scheibe geklebt, aus der die Zifferblattrohlinge ausgeschnitten werden. Danach werden diese mit höchster Sorgfalt per Hand weiter bearbeitet, entsprechend poliert und verziert. Perlmutt-Zifferblätter sind in verschiedensten Farbtönen erhältlich und bestechen durch ihren zarten Glanz. Insbesondere pastellige Töne werden gern bei Damenuhren genutzt.



Die Verzierung von Zifferblättern


Neben dem Material unterscheiden sich viele Zifferblätter auch in ihren Verzierungen. Besonders Manufakturen legen großen Wert auf diese Komponente, da sie die Handwerkskunst der Uhrmachermeister hervorhebt und man sich dadurch von anderen Marken differenzieren kann. Auch hier möchten wir die zwei am häufigsten vertretenen Techniken für die Verzierung von Zifferblättern vorstellen. Manche Firmen wie Glashütte Original haben sogar ihre eigenen Veredelungstechniken entwickelt.


Skelettierte Zifferblätter

Eine skelettierte Uhr erlaubt es Ihnen, direkt ins Uhrwerk sehen zu können. Zwar werden Skelettuhren mittlerweile auch mechanisch angefertigt, aber im Kontext der Verzierungstechniken fokussieren wir uns an dieser Stelle auf von Hand skelettierte Uhren.


Skelettiertes Zifferblatt einer Maurice Lacroix Masterpiece Skeleton MP7138-SS001-030 Uhr
MAURICE LACROIX MASTERPIECE SKELETON MP7138-SS001-030


Der Begriff selbst hat sich dabei im Laufe der Zeit durchaus gewandelt. Im ursprünglichen Sinne meint die Skelettierung das Modifizieren des Kalibers durch das Entfernen von unnötigem Metall der Platine und Brücke. Man reizt dabei die Grenzen der Stabilität aus, sodass nur noch ein Skelett des Werkes zurückbleibt. Moderne Skelettuhren sind in ihrem Ursprung oftmals nicht ein ganzes Werk, sondern werden direkt aus den skelettierten Einzelteilen zusammengesetzt. Man hört für diese Methode oft auch den Begriff „openworked“ (deutsch: „offen bearbeitet“). Insbesondere kleinere Marken wie Armin Strom, Freret Roy und Roger Dubuis konnten sich über die Skelettierung einen Namen machen. Alternativ stellen Marken wie Hublot auch transparente Zifferblätter aus Saphirglas her, die den Träger das Werk vollständig sehen lassen.


Guillochierte Zifferblätter

Das Guillochieren beschreibt das Gravieren von feinen Mustern mit sich kreuzenden Linien, die besonders gern bei Zifferblättern aus Silber und Gold aufgebracht werden. Wie bei der Skelettierung kann der Prozess entweder maschinell oder per Hand vorgenommen worden. Die Schwierigkeit bei der Guillochierung ist dabei vor allem eine logistische. Die Maschinen die für die manuelle Guillochierung benutzt werden, sind teilweise bis zu 200 Jahre alt und nehmen den Platz eines ganzen Tisches ein. Die Zugabe des nötigen Drucks und das Wenden des Zifferblattes erfolgt hierbei jedoch per Hand. Maschine und Mensch müssen dabei in perfekter Harmonie arbeiten, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Wenn man nun davon ausgeht, dass einer Uhr mit ihrem Kaliber das Leben eingehaucht wird, so wird ihr mit einem Zifferblatt ein Gesicht gegeben. Das Zifferblatt ist das Aushängeschild einer Uhr und lässt sofort erkennen, um was für einen Typ Uhr es sich handelt. Zudem wird ein Zeitmesser, der einen vielleicht ein Leben lang begleitet, nicht zuletzt auch aufgrund seines Zifferblattes ausgewählt. Grund genug, um dem Zifferblatt und seinen vielen Details beim nächsten Blick aufs Handgelenk noch ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken.



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